Fiat 500 F

Großer Traum vom Kleinwagen

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Lutz Leipold mit seinem „Baby Blue“, einem dunkelblauen Fiat 500 F des Baujahrs 1968.

Nieder-Roden - Das erste eigene Auto ist für viele Menschen etwas Besonderes, ein Stück Freiheit, ein Stück Unabhängigkeit. Oftmals hängen daran viele Erinnerungen und man schwärmt davon, egal in welchem Zustand sich das Gefährt damals befunden hat. Von Peter Petrat

Lutz Leipold (70) hat sich einen Traum erfüllt und fährt wieder das gleiche Modell wie damals. Von seinem allerersten Auto war auch Lutz Leipold schwer angetan. „Nach bestandener Führerscheinprüfung in Hamburg, ich war gerade 18 Jahre alt, war ich stolzer Besitzer eines Fiat 500 in Dunkelblau“, erinnert sich der 70-jährige Flugingenieur. Lange hatte er davon geträumt und nun hat er bereits seit 13 Jahren zwar nicht dasselbe Auto, aber immerhin das gleiche Modell in seiner Garage stehen. „Es war im Oktober 2000“, berichtet Leipold, „da informierte mich ein Kollege aus Lübeck, dass die Kfz-Gewerbeschule in der Hansestadt einen komplett restaurierten Fiat 500 F meistbietend versteigern würde.“

Da er damals noch als dritter Mann im Cockpit saß, bot er aus Anchorage (Alaska) übers Telefon mit. Den Zuschlag erhielt er für 6 000 DM. Der Versteigerungserlös wurde an die Partnerschule in Klaipeda in Litauen überwiesen, um dort Berufsausbildung zu fördern.

Mit der Eisenbahn von Italien nach Lübeck

Der Fiat war als Schrottauto mit der Eisenbahn von Italien nach Lübeck transportiert worden. Acht junge Leute, die allesamt keine Ausbildung hatten und nur wenig Deutsch sprachen, brachten ihn wieder auf Vordermann. Die Jugendlichen wurden von der Gewerbeschule in die Ausbildung genommen. Nach drei Lehrjahren hatten alle acht ihren Gesellenbrief. Das Gesellenstück der frisch gebackenen Kfz-Mechaniker, Lackierer, Elektriker, Karosseriebauer und Polsterer war ein vollständig restaurierter, blitzblanker, dunkelblauer Fiat 500F. „Und so hatten schließlich alle etwas davon: Die Jugendlichen hatte eine Ausbildung und waren integriert, die Partnerschule erhielt den Erlös und ich mein Traumauto“, fasst Lutz Leipold zusammen.

Im November 2000 fuhr er dann mit einem Freund und einem Tieflader nach Lübeck, um das Schmuckstück abzuholen. Die lange Fahrt traute er dem Fiat damals nicht zu, inzwischen hat er aber eingesehen, dass er ihm Unrecht getan hat, denn bisher hat ihn sein „Baby Blue“ kein einziges Mal im Stich gelassen. Das wäre aber auch die einzige lange Strecke gewesen, die er mit seinem neuen Auto zurückgelegt hätte. Als Liebhaberstück wird der Kleinwagen nur bei schönem Wetter ausgeführt, nicht schneller als mit 70 Sachen über die Fahrbahn bewegt und eigentlich nur für kurze Spritztouren im Nahbereich eingesetzt. Aber das heiße nicht, dass er nun so verrückt sei wie viele andere Autoliebhaber, stellt Leipold klar. Das Auto bleibe ein Gebrauchsgegenstand. Das heißt, die Ventildeckel sind nicht rot lackiert, die Auspuffrohre sind nicht verchromt und der Wagen ist auch nicht tiefer gelegt. Er ist genauso, wie er 1968 in der Fabbrica Italiana Automobili Torino, wofür die vier Buchstaben bei Fiat stehen, als „Cinquecento“ im Original gefertigt wurde.

Hubraum von 495 Kubikzentimetern

Dem Hubraum von 495, also fast 500 Kubikzentimetern verdankt das Gefährt seinen Namen. Der Buchstabe F steht für die Baureihe. Angetrieben wird der Kleinwagen von zwei Zylindern, die sagte und schreibe 18 PS leisten. Sicherheitsgurte gibt es nicht und auch elektronische Spielereien sucht man im schlicht gehaltenen Innenraum der „Knutschkugel mit Klappverdeck“ vergeblich. Ein unbeschrifteter Schalter am Armaturenbrett ist fürs Abblendlicht, einer fürs Fernlicht und einer für die Scheibenwischer. Dazu erfordert ein Choke beim Anlassen etwas Fingerspitzengefühl. Als Heizung dient die in den Innenraum geleitete warme Luft des luftgekühlten Motors. Aber die fehlenden Extras bemängelt Lutz Leipold nicht, er liebt sein Auto genauso wie es ist.

Ebenso nostalgisch wie typisch ist auch der Ölgeruch, den seine Frau nicht sonderlich leiden kann. „Aber einen halben Liter Öl verbrennt er nun einmal auf 100 Kilometern“, erklärt sein Besitzer, der fast alle Reparaturen und Wartungsarbeiten selbst erledigt. Die passenden Ersatzteile gibt es erfreulicherweise alle noch. Den Benzinverbrauch kenne er nicht, gesteht Leipold. Der Wagen werde nur wenig gefahren und daher auch selten betankt. Und wenn, dann ist es ihm jeden einzelnen Tropfen im 22-Liter-Tank wert.

Mit seinem kleinen Schatz ist Lutz Leipold inzwischen nicht nur in der Nachbarschaft bekannt. Selbst wer ihn nicht kennt, reagiert zumeist sehr positiv. „Mir winken viele Menschen zu, wenn ich durch den Ort fahre. Sie freuen sich mit mir und erinnern sich an alte Zeiten, als man mit dem Fiat 500 noch mit vier Personen und Gepäck über die Alpen nach Italien reiste“, freut er sich.

Quelle: op-online.de

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