Turngemeinde Nieder-Roden pflegt eine eigene Variante

Trend zum „Rudelsingen“ erobert die Region

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Spaß am Singen haben die Mitglieder der TG Nieder-Roden. Wouter Noorlander, Bernhard Koser und Dr. Wilhelm Senske (von links) begleiten sie am Akkordeon.

Nieder-Roden - Die Turngemeinde Nieder-Roden hat das Singen für sich entdeckt. Was als „Rudelsingen“ in großen Städten ganze Hallen mit Hunderten von Leuten füllt, heißt in Nieder-Roden „Gute-Laune-Singen“ im Vereinsheim am Breitwiesenring. Von Ekkehard Wolf

Die Idee ist einfach: Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe singt gemeinsam bekannte Lieder. Einfach frisch von der Leber weg, ohne vorher zu proben. Die Texte werden an die Wand projiziert. Musiker und ein Vorsänger geben dem Ganzen das melodische und rhythmische Gerüst. Das Gute-Laune-Singen hat sich bei der TG Nieder-Roden seit zwei Jahren etabliert. Einmal im Monat treffen sich rund 25 Mitglieder. Eine vierköpfige Combo bereitet ungefähr 15 Stücke vor: in erster Linie Volks- und Wanderlieder, aber auch den einen oder anderen alten Schlager. Vor dem ersten Lied steht das Einsingen, um die Stimmbänder zu ölen und die Bauchatmung in Gang zu bringen. Die Gruppe klettert Tonleitern hinauf und hinab, überspringt dann einige Sprossen und hüpft von Dreiklang zu Dreiklang. Bernhard Koser gibt am Akkordeon die Töne vor. Dann teilt er die Sänger in drei Grüppchen, jedes übernimmt einen Ton eines Dreiklangs. Das Ergebnis klingt, nun ja, nicht ganz harmonisch. Koser zeigt Verständnis: „Gar nicht so einfach, den Ton zu halten!“

Entstanden ist die lockere Singrunde aus den Weihnachtsfeiern des Vereins, weil das gemeinsame Singen dort so gut ankam. Bald fanden sich vier Musiker zusammen. Die Besetzung (drei Akkordeons, eine Gitarre) ist zwar etwas unorthodox, passt aber gut zu den Volks- und Wanderliedern. Alle vier machen schon lange Musik, Bernhard Koser zum Beispiel spielt seit Jahrzehnten die Kirchenorgel in St. Matthias. Sein Combo-Kollege Wouter Noorlander bringt sogar Erfahrungen als Profi-Musiker mit: Als junger Mann tingelte er mit seinen drei Brüdern als Tanz- und Unterhaltungskapelle durch Europa. „Wir haben in vielen Hotels gespielt, unter anderem in der Schweiz und in Skandinavien“, erzählt er. Heute, im Rentenalter, kann er die Finger seiner rechten Hand nicht mehr so gut bewegen. Umso intensiver konzentriert er sich auf die Bassbegleitung mit dem Akkordeon.

Mit im Bunde sind Dr. Wilhelm Senske und Ernst Stier. Letzterer spielt nicht nur Gitarre, sondern ist auch ein erfahrener Sänger im Männerchor der Polyhymnia. Singen macht glücklich und ist gesund für Körper und Seele. Das gilt im Chor ebenso wie beim Gute-Laune-Singen. Vom musikalischen Anspruch her sind beide Formen aber so verschieden wie Liga-Fußballer und Feierabendkicker. Die lockere Gruppe hat keine großen Ambitionen. Für sie geht es um den Spaß an der Freude und das gemeinsame Erleben. Das Gute-Laune-Singen erfüllt diese Bedürfnisse. Der Name ist Programm: Den Vereinsmitgliedern macht es sichtlich Spaß, miteinander Lieder anzustimmen. Jeder kann mitmachen und keiner muss sich sorgen, sich vielleicht zu blamieren. Der eine oder andere schräge Ton fällt nicht auf: Die anderen überhören ihn einfach.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Das Rudelsingen ist ein ziemlich junges Phänomen. Der Duden kennt das Wort noch gar nicht. Die Enzyklopädie Wikipedia erwähnt es nur mit drei kurzen Sätzen als Sonderform des Karaoke-Singens. Nur dass beim Rudelsingen nicht ein Künstler auf der Bühne singt, sondern das Publikum im Saal. Das Wort „Rudelsingen“ ist als Marke geschützt. Der Sänger David Rauterberg aus Münster (Westfalen) animiert seit etwa fünf Jahren ganze Säle voller Menschen zum Mitsingen. Elf Sänger-Musiker-Teams sind bundesweit unterwegs. Sie erreichen rund 10.000 Menschen pro Monat. Besucher bezahlen meist zehn oder 13 Euro Eintritt, bei manchen Veranstaltungen sogar bis zu 20 Euro. Solch große Veranstaltungen streben die Nieder-Röder nicht an. Ihr Gute-Laune-Singen bleibt klein, fein und unkommerziell. Aus rechtlichen Gründen wendet es sich ausschließlich an Mitglieder. Das nächste Trällern für die gute Laune ist am Donnerstag, 11. Mai, um 14.30 Uhr im Vereinsheim am Breitwiesenring.

Quelle: op-online.de

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