Stau im Minutentakt

Verkehr zerrt an den Nerven

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Nur selten ist es an der Triangelkreuzung so verkehrsruhig wie auf diesem Foto. Der Blick von oben zeigt das Problem: Straßen aus fünf Richtungen treffen an der S-Kurve im Jügesheimer Ortskern aufeinander.

Jügesheim - Eine der meist befahrenen Stellen in Rodgau ist die S-Kurve der Jügesheimer Ortsdurchfahrt. „Es ist nicht mehr lebenswert“, meint Anwohnerin Eva Flottmann. Sie will das nicht länger hinnehmen. Von Ekkehard Wolf 

„Die Anwohner ersticken in Abgasen“, kritisierte die Zoohändlerin in der Bürgerfragestunde des Stadtparlaments. Die Straße sei stark befahren und die Ampel schalte ständig um: „Im Minutentakt stauen sich vor unseren Häusern Autos, Motorräder und Lkws. Wir leiden jeden Tag, und zwar von morgens sieben bis mitten in der Nacht.“ Wegen des Verkehrslärms könne man die Fenster nicht mehr öffnen, schildert Eva Flottmann. Der Staub von draußen finde trotzdem seinen Weg ins Haus. „Die ständigen Abgase, der Lärm und Dreck schaden unserer Gesundheit. Man vergiftet uns“, so Flottmann. Sie fordert Verkehrskontrollen und eine wirksame Entlastung vom Autoverkehr: „Wir möchten auch leben, und zwar lebenswert leben.“

Am Wohn- und Geschäftshaus „Triangel“ treffen fünf Straßenäste aufeinander. Drei davon sind Hauptverkehrsachsen: Ludwig-, Eisenbahn- und Dudenhöfer Straße. Für einen Verkehrskreisel ist zu wenig Platz. Also sind Ampeln notwendig – nicht zuletzt wegen der Fußgänger, die die Kreuzung an mehreren Stellen überqueren. Auch Stadtbusse zwängen sich durch dieses Nadelöhr: Es ist die einzige Möglichkeit, ohne unnötige Hindernisse den Busbahnhof anzufahren.

„Ziemlich genau 150 Busbewegungen pro Tag“ hat Erster Stadtrat Michael Schüßler ermittelt. Eine Verkehrszählung an der Eisenbahnstraße laufe zurzeit. Die Stadt habe noch einige Hausaufgaben zu machen, um diese Nutzungskonflikte zu bearbeiten. Eine einfache Lösung sei nicht zu erwarten. Die städtische Straßenverkehrsbehörde nehme das Thema sehr ernst. Es sei aber „nichts, was sich im Verbotsweg von heute auf morgen darstellen lässt“.

Als Beispiel nennt Schüßler den Lastwagenverkehr. Direkt an der S-Kurve sei wegen der Enge keine Kontrolle möglich. Bisherige Kontrollen im Stadtgebiet hätten aber gezeigt, dass Lkw-Fahrer zu 85 Prozent Anlieger seien. Einen Anteil daran hätten auch die Lieferwagen der zahlreichen Paketdienste. „Die Sprinter gefallen uns auch nicht in dieser Anzahl im Stadtgebiet“, so Schüßler. Sie seien aber die Folge eines veränderten Konsumverhaltens. Die Firma DHL setze zwar erste Elektrofahrzeuge ein, es werde aber noch einige Zeit dauern, bis sich das emissionsfreie Fahren durchsetze.

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„Wir versuchen, verkehrsvermeidend tätig zu sein“, betont der Erste Stadtrat. Er erinnert an eine Untersuchung in Weiskirchen, wonach es sich dort bei 80 Prozent der Fahrten auf der Ortsdurchfahrt um Ziel- und Quellverkehr handele. Verkehrsvermeidung sei auch für die Triangel-Kreuzung wichtig. Der Ampelstau mit laufenden Motoren sei problematischer als die gefahrene Geschwindigkeit.

„Vollstes Verständnis“ für die Anwohner der Triangel äußert Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Die Ortsdurchfahrten in Rodgau seien von Nord bis Süd mit rund 8 000 Fahrzeugen am Tag belastet. Es sei „bedauerlich“, dass viele Rodgauer lieber durch die Stadt führen, als die Umgehungsstraßen zu nutzen. Dass es auch anders gehe, habe sich vor zwei Jahren bei Tiefbauarbeiten in der Ludwigstraße gezeigt: Statt die Umleitungsstrecke über den Ostring zu nutzen, seien viele auf die Bundesstraße 45 ausgewichen.

Eva Flottmann findet dieses Argument nicht überzeugend. Der Kanalbau habe großteils in den Ferien stattgefunden, als ohnehin weniger Autos unterwegs gewesen seien. Die Situation an der Triangel-Kreuzung sei schlimmer als anderswo und werde immer unerträglicher. In einem Schreiben ans Ordnungsamt listet sie Fahrzeugzahlen und Staus auf. Oft passieren mehr als 100 Autos die Engestelle binnen fünf Minuten. „Wir wohnen an der engsten Stelle in ganz Rodgau. Es ist eine Zumutung.“ Durch die Ausweisung weiterer Baugebiete bis hin zu Rodgau-West erwartet die Jügesheimerin eine weitere Zunahme des Straßenverkehrs: „Die fahren doch alle bei uns durch.“

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Quelle: op-online.de

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