Jügesheimer Trichter soll BP-Öl stoppen

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Ralf Boy traut sich zu, das Bohrloch zu verschließen. Hier zeigt er das Modell seines Bohrnotverschlusses.

Rodgau ‐ Während der Ölstrom aus dem Loch der gesunkenen Bohrinsel Deepwater Horizon weiter die Weltmeere verpestet, erreichen den BP-Konzern tausende Ideen, wie das Leck geschlossen werden könnte. Auch aus Jügesheim kommt ein Vorschlag. Von Bernhard Pelka

Er droht allerdings in der Fülle der Anregungen aus aller Welt unterzugehen. Der Lufthansa-Servicemanager Ralf Boy hat sich in seinem Reihenhaus am Alten Weg eine Vorrichtung ausgedacht, die den Ölfluss nach seiner Überzeugung stoppen könnte. BP und zahlreiche andere Institutionen, die der 45-Jährige auf seinen „Offshore Bohrnotverschluss“ (so die offizielle Bezeichnung) aufmerksam gemacht hat, reagieren allerdings nicht auf Boys Geistesblitz.

Das Auswärtige Amt, Bundesaußenministerium, US-Konsulat in Frankfurt, alle im Bundestag vertretenen Fraktionen: keiner fühlt sich für die E-Mails des Jügesheimers zuständig. Auch BP lässt die Sache im öligen Sand verlaufen; keine Reaktion. Die im Internet angegebene Notrufnummer des Mineralölkonzerns ist chronisch überlastet und dauernd besetzt. Kein Durchkommen. „Selbst bei den Grünen im Bundestag: nichts, gar nichts“, ist der Hobbybastler schwer enttäuscht.

Strömungsgeschwindigkeit reduziere sich erheblich

Was hat er sich ausgedacht? Boy hat das Modell einer Einfüllvorrichtung für Betonkies von verschiedener Körnung gebaut. Der Deckel dieses Stahlzylinders (etwa drei Meter Durchmesser, fünf Meter hoch) ist wie ein Sieb konstruiert. Der Zylinder wird über ein Rohr mit dem Rohr verbunden, aus dem das Öl ausströmt. Der in den Zylinder seitlich eingepresste Betonkies wird dann nach Boys Überzeugung den Deckel (das Sieb) langsam aber sicher verschließen.

„Das Gleiche passiert, wenn sich ein Abfluss langsam mit verschieden großen Partikeln zusetzt“, zieht der Rodgauer Problemlöser einen Vergleich heran. Der Zylinder, dessen Durchmesser weit größer ist als das Bohrlochrohr, dient zugleich als Druckminderer. „Die etwa 80 Bar, mit denen das Öl herausschießt, werden deutlich reduziert“, ist der gebürtige Essener, den es vor 23 Jahren zunächst nach Hainhausen und im Jahr 2000 dann nach Jügesheim verschlug, überzeugt. Auch die Strömungsgeschwindigkeit reduziere sich durch diese Konstruktion erheblich. An vier mächtigen Gewindestangen aus hochfestem Stahl soll sein Spezialverschluss auf den Meeresgrund hinabgeführt werden.

Der gelernte Büromaschinenmechaniker hat seinen Entwurf inzwischen einem Ingenieurbüro vorgestellt. Dort gab es keine Zweifel, dass die Vorrichtung funktionieren und problemlos im einem Stahlwerk angefertigt werden könnte. Ralf Boy wird die Sache nun zum Patent anmelden. Und er wird weiter nach Möglichkeiten suchen, seinen Vorschlag an der richtigen Stelle publik zu machen. Er hat sich vorgenommen, sogar ans Weiße Haus zu faxen. „Ich werde den Leuten weiter die Tür einrennen.“

Quelle: op-online.de

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