Sandra Rossa häkelt in Rodgau „Seelenfreunde“ und unterstützt damit Waisen in Indien

Trost und Freude spenden

Indische Tänzerinnen als Häkelpüppchen
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Es entstehen indische Tänzerinnen und ...

Chamäleon, Feuerwehrmann, Krankenschwester, Schutzengel, Comicfiguren wie Batman und Superman oder Biene Maja: Sandra Rossa häkelt Püppchen oder Tierchen. „Seelenfreunde“ nennt sie die Geschöpfe. Die Handarbeiten sehen so hinreißend aus, dass sich ihr Talent längst über Verwandtschaft und Bekanntenkreis hinaus herumgesprochen hat.

Jügesheim – Inzwischen werden die Puppen als personalisiertes Geschenk häufig bei ihr bestellt und die begeisterte Häklerin kann sich vor Aufträgen kaum retten. „Bis April bin ich ausgebucht“, erzählt die 52-Jährige.

Los ging es damit, als sie wegen einer Erkrankung fast 15 Monate außer Gefecht gesetzt war. Sandra Rossa suchte damals Beschäftigung gegen die Langeweile und häkelte die ersten Püppchen für die Enkelkinder. Als die dreijährige Sofia sich damals die Hand brach und einen Gipsarm bekam, kreierte die Oma ein Püppchen, dass Trost und Freude spenden sollte.

Um auch die seelische Heilung zu unterstützen, kamen gesegnete Lotusblüten ins Füllmaterial, jeweils eine in Kopf und Körper. „Diese wurden bei einer kraftvollen Zeremonie durch die göttliche Baba-Statue in Penukonda/Indien gesegnet und mit Heilenergie geladen“, erzählt die gebürtige Rödermärkerin, die schon lange mit ihrem Mann in Jügesheim lebt.

Das Paar reist oft nach Indien. Dort lernten sie zufällig Falk Scheube kennen. Er ist Vorsitzender eines Vereins, der ein indisches Waisenprojekt unterstützt, das Kinderhilfswerk Lakshmi-Projekt. „Der Verein hilft dem ,Hope Lions Home’ und jeder Cent kommt dort an“, berichtet Sandra Rossa.

Einen Nachmittag lang konnten ihr Mann und sie bei den 32 Waisenkindern zu Gast sein, die dort von einem Priesterehepaar betreut werden. In dem dreistöckigen Haus leben sie wie eine große Familie. Sandra Rossa ist die Begegnung mit den Kindern im Alter zwischen vier und fünf Jahren bis zum Studentenalter sehr ans Herz gegangen. „Ich war sehr berührt“, sagt sie. Sie hatten Obst mitgebracht, das gemeinsam verspeist wurde und alle lachten viel. Der Besuch wurde zu einem unvergesslichen Nachmittag.

Ursprünglich wollte sie ihre Seelenfreunde für die Kinderstation einer Klinik spenden, denn das Häkeln machte ihr großen Spaß. Die Figuren sollten aber auch eine sinnvolle Verwendung finden. Als die begeisterte Handarbeiterin feststellte, wie viel Freude sie mit ihren Amigurumi-Werken (so heißt die Häkel-Art) auslöste, verfiel sie auf die Idee, die Püppchen zugunsten des Lakshmi-Projektes zu verkaufen.

Seit drei Jahren sind bereits etwa 450 Figürchen und Schlüsselanhänger entstanden. 4000 Euro kamen bislang zusammen, erst kürzlich hatte Rossa weitere 1000 Euro an Falk Steuben überwiesen, da der Verein in Weimar ansässig ist. Eine kleine ehrenamtliche Gruppe und flache Hierarchien ermöglihen es, dass jeder Cent für die Verpflegung und Ausbildung der Waisen genutzt wird.

Die gelernte Bürokauffrau, die inzwischen in Babenhausen in einer Behindertenwohnanlage arbeitet, hat für ihre Figuren meistens nur ein Foto als Vorlage, aber keine richtig Anleitung. Sie häkelt also „frei Schnauze“, wie sie sagt. Unter ihren Aufträgen sind die tollsten Wünsche, aktuell arbeitet sie an einer Gitarre. Nur einmal sei es bislang vorgekommen, dass sie gar nicht wusste, wie sie anfangen sollte. Das Auto konnte sie nicht liefern.

Zwischen 10 und 20 Stunden Zeit braucht sie für ihre kuschligen Werke, für die sie je nach Schwierigkeitsgrad 15 bis 20 Euro verlangt. Die Einnahmen spendet sie, Wolle und Füllwatte stellt sie. Deswegen freut sich die Häkelexpertin auch über Wollspenden. (Von Simone Weil)

Weitere Informationen

Kontakt per E-Mail: seelenfreunde108@t-online oder auf Instagram unter @die_seelenfreunde

... ein indischer Heiliger mit Vollbart.
Ein fester Handarbeitsplatz: Sandra Rossa häkelt am liebsten auf dem Sofa.

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