Voller Zug zum Turbo-Abi

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Die Mehrheit der Schüler an der Claus-von-Stauffenberg-Schule will das neunjährige Gymnasium erhalten.

Rodgau ‐ Erstmals fahren an der Claus-von-Stauffenberg-Schule die Züge G8 und G9 auf nur einem Gleis die letzten drei Jahre bis zum Abitur. Die Schulzeit im Gymnasium dauert statt neun Jahren künftig nur noch acht. Von Daniela Hartmann und Ekkehard Wolf

Ein Jahr wird in der Mittelstufe gespart. Seit acht Wochen treffen zwei Jahrgänge in der 11. Klasse aufeinander. Das sind mehr als 300 Schüler. Wie waren die ersten zwei Monate? Eine Bilanz: „Einer macht nächstes Jahr als 16-Jähriger sein Abitur“, berichtet Schulleiter Dr. Fred Ruths, „früher sind sie mit 16 zu uns gekommen.“

Das sagen die Schüler zu G8 und G9:

Umfrage zur G8-Schule

Die G8- und G9-Schüler sind in den Klassen gemischt - eine bewusste Entscheidung, wie Dr. Ruths sagt. Bei den Noten gebe es keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen, erzählt eine Lehrerin, die eine der gemischten 11. Klassen unterrichtet. „Das Verhalten der Jüngeren, ihre Reife, ist natürlich eine andere als die älterer Mitschüler. Ich versuche aber mit Absicht nicht zu schauen, wer G8 und wer G9 ist, um Vorurteile bei der Bewertung zu vermeiden.“

Je höher der Leistungsdruck, umso mehr muss das Drumherum stimmen, wie die Pädagogin betont: „Bei mehr Unterricht muss man dafür sorgen, dass es für die Schüler Ruheplätze gibt, an denen sie wieder Kraft tanken können.“ In der Stauffenberg-Schule können die Schüler ein Mittagessen bestellen. Die Bibliothek lädt zum Lernen und Entspannen ein.

Lernpensum bleibt hoch

Die überfüllten Lehrpläne unmittelbar nach Einführung von G 8 in Hessen wurden zwar entschlackt, doch das Lernpensum bleibt sehr hoch. Das bestätigen Schüler im Gespräch mit unserer Zeitung. Wenn sie könnten, würden sich die meisten Elftklässler der Claus-von-Stauffenberg-Schule für das neunjährige Gymnasium entscheiden (siehe Foto oben).

Auch in der Oberstufe ist verstärktes Büffeln angesagt. Besonders im 12. Jahrgang sei „der Stundenplan mit Stoff vollgekleistert“, kritisiert Schulleiter Dr. Fred Ruths: „Man glaubt, durch viel Unterricht macht man die Kinder schlauer.“

Lange Erfahrungen mit der verkürzten Schulzeit hat die Georg-Büchner-Schule Jügesheim. Als erste Schule im Kreis Offenbach richtete sie 2002 im 5. Jahrgang eine so genannte „Turbo-Klasse“ ein. Drei Jahre später löste die Geschwister-Scholl-Schule Hainhausen ihre Förderstufe auf und sprang ebenfalls auf den G 8-Zug auf. Die Landesregierung hatte die Weichen längst gestellt: Der Bildungs-Schnellzug wurde in den Schuljahren 2005/6 und 2006/7 verpflichtend.

G8 und G9 mit zusätzlichen Lehrkräfte

Büchner- und Scholl-Schule blieben auch dann auf ihrem neuen Gleis, als die Regierung unter dem Druck massiver Proteste den kooperativen Gesamtschulen 2009 eine Rückkehr zu G9 eröffnete. Schüler in Rodgau haben weiterhin die Wahl: Wer sich auf dem Weg zum Abitur ein Jahr länger Zeit lassen will, meldet sich in der Heinrich-Böll-Schule an. Für integrierte Gesamtschulen gilt die Schulzeitverkürzung nicht.

Die Claus-von-Stauffenberg-Schule stemmt das Zusammentreffen von G 8 und G 9 mit zusätzlichen Lehrkräften und Ausweichräumen in Jügesheim. Im Herbst 2013 wollen die gut 300 Schüler studieren oder eine Berufsausbildung beginnen. Die Agentur für Arbeit in Offenbach hat bereits mit der Planung begonnen und möchte 2012 in die gemischten Abi-Klassen gehen, wie Pressesprecherin Regina Umbach-Rosenow sagt. Ziel wird sein, den Schülern die betriebliche Ausbildung schmackhaft zu machen. In Zeiten des Fachkräftemangels sieht man hier gute berufliche Perspektiven.

Die Fakten im Überblick:

  • Für eine Schulzeitverkürzung sprach sich bereits 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog aus.
  • Eine entsprechende Lösung ließ in Hessen bis 2004 auf sich warten.
  • Deutsche Studenten sind mit einem Durchschnittsalter von 24,4 Jahren im internationalen Vergleich zwar nicht die ältesten, liegen aber doch im Spitzenfeld.
  • Durch das eingesparte Jahr in der Mittelstufe sollen deutsche Studenten international wettbewerbsfähiger werden.

Quelle: op-online.de

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