TG Weiskirchen

Sanierungsstau an der Sporthalle

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Hier herrscht Sanierungsbedarf: Vorsitzender Albert Ricker deutet auf das kaputte Dach, das noch aus den 60-er Jahren stammt.

Weiskirchen - Das Dach ist undicht, die Gasheizung ist uralt und beim Bau des Schießstandes laufen die Kosten davon: Die Turngemeinde Weiskirchen braucht viel Geld, um ihre Sporthalle fit für die Zukunft zu machen. Von Ekkehard Wolf

„Ein kleiner Lottogewinn von 300.000 Euro würde uns schon helfen“, sagt Vorsitzender Albert Ricker. Doch eine Glücksfee ist nicht in Sicht.

Nicht nur in der Halle gibt es Sanierungsbedarf, auch der bauliche Zustand der Parkplätze ist nicht der beste. Bei Regen gleiche der Platz einer Seenlandschaft, rügt unser Leser Heinrich Send aus Mühlheim. Er kennt die Situation als Besucher der Gaststätte: „Fährt man mit dem Pkw durch die Tümpel, so ist dieser reif für eine Autowäsche. In öffentlichen Bereichen müsste ein solcher Parkplatz gesperrt werden.“ Es grenze an ein Wunder, so Send, dass Sportler und Gäste nicht schon durch Stürze zu Schaden gekommen seien.

„So schlimm, wie es hier beschrieben wird, ist es nicht“, sagt Vorsitzender Albert Ricker. Nach Jahrzehnte langem Gebrauch sei der Boden so stark verdichtet, dass das Wasser kaum abfließen könne. Mulden und Löcher in der wassergebundenen Decke würden zwar von Zeit zu Zeit gefüllt, aber solche Reparaturen seien nicht von Dauer. „Selbstverständlich würden wir am liebsten unseren Hof machen lassen und Parkplätze einzeichnen“, so Ricker, „aber das ginge nicht unter 80.000 Euro.“

Viel Eigenleistung und Engagement

Viel Eigenleistung haben Vereinsmitglieder in den letzten Jahren in ihre Turnhalle gesteckt. Gut, wenn man Handwerker im Verein hat. Der Vorsitzende zum Beispiel ist Fliesenleger. Das sieht man in den Umkleideräumen, Duschen und Toiletten. Sogar ein Flur im Keller ist sauber gefliest.

Im Heizkeller stößt die Eigenleistung an ihre Grenzen. Die Gasheizung ist mehr als 40 Jahre alt. Von drei Heizkesseln funktionieren nur noch zwei. Dass die Anlage ganz ausfällt, ist nur eine Frage der Zeit. Die betagten Brenner verschleudern Energie, und das auch jetzt im Sommer. Wenn man die Tür zum Heizraum öffnet, weicht man erschrocken zurück. „Hier drinnen hat es mindestens 50 Grad“, erklärt Albert Ricker. Die Brenner bullern kräftig, obwohl doch nur warmes Wasser zum Duschen gebraucht wird.

„Eine neue Heizung wäre der Kollaps für den Verein“, sagt der Vorsitzende. Und doch weiß er, dass die Turngemeinde nicht um diese Investition herumkommen wird. Zurzeit ist der Vorstand deshalb mit einem Energieversorger im Gespräch.

Neuer, unterirdischer Schießstand

Auch die Dacharbeiten dulden keinen Aufschub. Auf dem niedrigen Vorbau schlägt die Teerpappe Wellen. Man braucht wenig Phantasie, um sich die Wasserschäden im Gebäude auszumalen. Das Dach des Vorbaus stammt noch aus den 60-er Jahren. „Wir haben versucht, das Dach für eine Photovoltaikanlage zu vermieten, um es saniert zu bekommen“, berichtet Vorsitzender Ricker. Das Dach der großen Halle haben Mitglieder schon mit eigenen Kräften abgedichtet.

Das größte und langwierigste Bauvorhaben des Vereins ist der neue, unterirdische 50-Meter-Schießstand. Davon hängt die sportliche Zukunft der Schützenabteilung „Auerhahn“ ab. „1991 habe ich den ersten Antrag gestellt“, erinnert sich Albert Ricker: „Damals sprach man von 230.000 Mark Kosten, jetzt sind wir bei 320.000 Euro.“

Das Schmuckstück des Vereins: Hier entsteht der modernste Schießstand Hessens.

Mit den Jahren stiegen die Vorschriften, die der Verein zu erfüllen hat: Belüftung, Licht, Schallschutz und Brandschutz erfüllen jetzt die neuesten Anforderungen. Auch da steckt viel Eigenleistung drin, unter anderem Schreinerarbeiten von Bruno Helm und Elektroinstallationen von Bodo Bauer. Eine leistungsfähige Überdrucklüftung steht bereit, um den Pulverdampf von den Sportschützen wegzublasen. Boden, Decke und die mehrschichtige Wandverkleidung schlucken jeglichen Hall, so dass man sich trotz der Länge des Raums ungestört unterhalten kann.

Angenehmes Umfeld für Mitglieder

Auch für die Messung der sportlichen Leistung bricht eine neue Ära an. Die Zeit der Kartonscheiben ist vorbei, künftig werden die Treffer elektronisch registriert und jedem Schützen auf einem Bildschirm angezeigt. „Wenn die Technik eingebaut ist, haben wir den modernsten Schießstand mindestens in Hessen“, betont Albert Ricker: „So eine Anlage sollte man nicht nur zwei Mal pro Woche benutzen. Wir werden versuchen, sie auch an andere Vereine zu vermieten.“

Doch dazu muss der Schießstand erst einmal fertig sein. Das kostet rund 40.000 Euro, die der Verein nicht besitzt. Die 15 bis 20 Mitglieder der Schützenabteilung nehmen zurzeit zwar an auswärtigen Wettkämpfen teil, können aber nicht trainieren. Eine gesunde Grundlage des Sportbetriebs sieht anders aus.

Seit langer Zeit bemüht sich die Turngemeinde Weiskirchen, ihren Mitgliedern ein angenehmes Umfeld zu schaffen. „Vor 20 Jahren hatten wir nicht einmal ordentliche Toiletten und Duschen“, erinnert sich Albert Ricker. Seit 24 Jahren gehört er dem geschäftsführenden Vorstand an, davon gut 13 Jahre als Vorsitzender. Manchmal hadert er damit, dass viele Menschen in den traditionellen Vereinen keine Heimat mehr finden: „Es ist schade, dass die Mentalität der Menschen sich so verändert hat. Viele gehen lieber für 60 Euro im Monat ins Sportstudio."

Quelle: op-online.de

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