Twittern treibt die Läufer an

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Der Ultramarathon des Rodgau-Lauftreffs mobilisiert die Massen. Morgen in zwei Wochen werden wieder mehrere hundert Langstreckenläufer erwartet. Vielleicht knackt die Teilnehmerzahl sogar die 1000er-Marke, wie es in den Jahren 2009 und 2010 der Fall war.

Dudenhofen - Mehr als 900 Langstreckenläufer trainieren derzeit für den Ultramarathon des Rodgau-Lauftreffs (RLT) am 26. Januar. Einige von ihnen haben sich übers Internet zusammengefunden. Mit dem Kurznachrichtendienst Twitter hält sich das muntere Völkchen auf dem Laufenden. Von Ekkehard Wolf

Rodgau ist eine Reise wert: 926 Läufer aus 23 Ländern haben sich bisher zum 50-Kilometer-Lauf angemeldet. Mitten im Winter wollen sie auf einer Fünf-Kilometer-Runde durch Wald und Feld laufen - zehnmal die gleiche Strecke. Beim Training ist das Smartphone immer dabei. Ultra-Läufer von Rostock bis Linz halten sich unter dem Stichwort #rodgau50 auf dem Laufenden. Mit 140 Buchstaben - der Länge einer SMS-Nachricht - lässt sich einiges sagen.

„Rodgau nähert sich mit großen Schritten“, schreibt Oliver Dick aus Linz: „Ich empfehle 180 pro Minute.“ Kurze Zeit später startet „Running GU“ zu einem Zehn-Kilometer-Lauf und twittert das Ergebnis: „Perfekt - war das ein herrlicher Lauf! Sonne, minus sechs Grad, dünne Schneeunterlage, kein Wind.“

„Das Training muss erledigt werden“

Gleich am nächsten Morgen spielt André Pristaff den Wecker: „Ding Dong Ding Dong … Raus mit euch! Das Training muss erledigt werden!“ Und so geht‘s munter weiter. Markus Fabri trabt in Nordrhein-Westfalen 25 Kilometer durch den Matsch („Tempo etwas zu langsam. Schön war es.“). Der Sportfreund aus Oberösterreich lobt den Trainingsfleiß: „Ich sehe, Sie nehmen die Sache ernst... denn es wird todernst, gnadenlos weit und eiskalt!“ Drei Tage später meint er nachdenklich, „dass 50 Kilometer im Winter doch heftig sind“. Da hat Thorsten Firlus-Emmrich sein unangenehmes Erlebnis in durchnässten Schuhen schon hinter sich: „Der widerlichste Lauf des Jahres. Und das zwei Mal?“

„Solange Rodgau 50 nicht gelaufen ist, geht die Welt nicht unter“, meint Claus Berthold optimistisch. „Juan Antonio Gonzalo“ sieht den RLT-Ultramarathon skeptischer: „Ähm, zehn Runden mit je fünf Kilometer? Da wirste doch bekloppt!“ „Weiß eigentlich der Veranstalter, was da auf ihn zukommt?“ fragt Thorsten Firlus-Emmrich und bemerkt keck: „Verpflegungsstation mit Linzer Torte?“

Täglich weitere Anmeldungen

Beim Rodgau-Lauftreff gehen täglich weitere Anmeldungen ein. „Heute endlich für Rodgau 50 angemeldet“, twittert Bärbel Hasenjaeger vom MRRC München am 7. Januar. Nach den Feiertagen findet André Pristaff wieder zu seiner alten Form zurück: „Das Gewicht geht langsam runter, die Zeiten werden besser, das Atmen klappt wieder ganz gut usw.“ Vielleicht wird der Lauf doch nicht ganz so hart.

„Noch jemand ohne Unterkunft?“, fragt Heiko Bartlog und bietet eine Wohngemeinschaft für Twitter-Läufer in Frankfurt an.

Unterdessen denkt „Ludwig“ aus München schon an die Zeit nach dem 26. Januar, denn er muss schon eine Woche später einen Halbmarathon bei der Winterlaufserie Ismaning laufen: „Welcher Depp hat den Plan erstellt?“

Auch liebevolle Kabbeleien gehören dazu

Auch liebevolle Kabbeleien gehören dazu. Ein Twitter-Dialog vom Mittwochabend: „Ich glaube in Rodgau 50 laufen nur Supermänner und Superfrauen! Und ich.“ Die Antwort: „In Rodgau 50 laufen nur Geisteskranke! Also ich. Und eben du.“

twitter.com/#rodgau50

www.rlt-rodgau.de

Auf den letzten Meilen vor dem Start optimieren die Läufer sogar ihren Luftwiderstand. Wolfgang Schoch kündigt gestern früh sein persönliches Aerodynamiktuning an: „Friseurtermin für morgen ausgemacht.“ Die Twitter-Gemeinde tritt am 26. Januar sogar als eigene Gruppe auf. Unter den Vereinen mit den meisten angemeldeten Läufern liegt der #Twitterlauftreff auf einem der vordersten Plätze.

Quelle: op-online.de

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