Stadt schaltet Strafrechtsexperten ein

Umwelt-Anwalt kümmert sich um Rußfabrik

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Hainhausen - Die Stadt erwartet für September Ergebnisse aus den Bodenproben auf dem Gelände der ehemaligen Rußfabrik. Dann soll beraten werden, wie damit umzugehen ist und welche Sanierungsmaßnahmen einzuleiten sind.

Wie berichtet, lässt das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) das im September 2015 stillgelegte Betriebsgelände auf Schadstoffe untersuchen. Dazu zählen Rammkernsondierungen und vier zusätzliche Grundwassermessstellen. Eine Grundwassersanierung läuft bereits seit 1996.
In der Bürgerfragestunde der jüngsten Stadtverordnetenversammlung formulierte das Anwohnerehepaar Doris und Klaus-Michael Bott seine großen Sorgen bezüglich der Altlasten und des Umgangs damit. Klaus-Michael Bott berichtete, nach Aktenlage solle das Gelände wohl „einfach versiegelt werden“. Die möglichen Gefahren für die Bürger würden damit freilich nicht beseitigt, sondern blieben unterschwellig bestehen.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann bestätigte diesen Eindruck. Er berichtete, die Stadt habe inzwischen einen Fachanwalt für Umweltstrafrecht eingeschaltet, um die Ansprüche der Stadt und der Bürger in dem anstehenden Sanierungsverfahren besser wahren zu können. Nach Gesprächen mit dem RP als der zuständigen Kontrollbehörde sowie den früheren und den aktuellen Besitzern des Geländes dränge sich die Vermutung auf, nicht alle Beteiligten seien „auf demselben Weg“. Der Bürgermeister appellierte: „Lediglich eine Verwahrung des bestehenden Zustands darf es nicht geben.“ Die Stadtverordnetenvorsteherin Annette Schweikart-Paul versicherte den Eheleuten Bott: „Sie können sicher sein, dass Ihre Sorgen auch unsere Sorgen sind.“

Aus für Rußfabrik in Hainhausen: Bilder

Im November 2016 hatte es beim RP zusammen mit der Stadt, dem heutigen Geländeeigentümer, dem amerikanischen Chemiekonzern Albemarle Corporation, respektive dessen holländischer Tochter Albemarle Netherlands, eine Anhörung gegeben. Es ging darum, wie man Gefahren erkundet, die von Altlasten auf dem Grundstück ausgehen. Verabredet wurden Rammkernsondierungen zur Ermittlung des Schadstoffpotenzials und die Einrichtung der vier zusätzlichen Grundwassermessstellen.

Mehr als 80 Jahre lang wurde in der Hainhäuser Rußbude Flammruß für Lacke, Farben und zur Einfärbung von Beton produziert. Im Grundwasser blieben vom Produktionsprozess krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) zurück. Der letzte bekannte Messwert hatte mit 10.000 Mikrogramm pro Liter um das Hunderttausendfache höher gelegen als der in der Trinkwasserverordnung festgelegte Höchstwert. (bp)

Quelle: op-online.de

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