Unterwegs im rollenden Schneckenhaus

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Mit seinem robusten Unimog könnte Arno Kleinhanß die Wand hochfahren. Schöne Reisen reichen ihm allerdings. Südamerika reizt den Globetrotter am meisten.

Hainhausen (fma) - Arno Kleinhanß hat sich einen Kindheitstraum erfüllt. Mit einem umgebauten Unimog unternahm der Familienvater in den 1990er-Jahren abenteuerliche Reisen durch Europa und Südamerika.

Nachdem sein ungewöhnliches Gefährt zwecks Familiengründung einige Jahre still stand, fängt der 47-Jährige nun langsam wieder damit an, Pläne für weitere Touren zu schmieden.

Als Arno Kleinhanß noch ein kleiner Junge war, bekam er von seinen Eltern einen Unimog in Kleinformat geschenkt. Unimog, das steht für „Universelles Motorgerät“, einen allradgetriebenen Kleinlastwagen, der vor allem in der Forstwirtschaft und beim Militär zum Einsatz kommt.

Schnell wurde der kleine Laster zu einem seiner liebsten Spielzeuge, und später, als Jugendlicher, sah er dann ein ähnliches Modell in Worms am Wegesrand stehen, an dem zusätzlich ein Wohnaufsatz montiert worden war. „Ich weiß noch, wie ich davor stand und mir gedacht habe: So einen musst du auch haben. Von da an ist die Begeisterung immer weiter gestiegen“, erinnert sich der 47-Jährige.

Ungefähr 4000 Arbeitsstunden

Allerdings stellte sich schnell heraus, dass das Vorhaben nicht so einfach werden würde wie erhofft. Denn ein Unimog kostete schon damals mehrere Hunderttausend D-Mark, und so beschloss Arno Kleinhanß, das Gefährt „ganz einfach“ selber zu bauen. Parallel zu seinem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik sammelte er Material und fertigte Skizzen an, ehe er nach etwa zwei Jahren in Bremen auf einen Händler traf, der einen eigentlich schrottreifen Unimog im Angebot hatte. Sofort griff der Student zu und begann mit den Umbauarbeiten, schließlich hatte der begeisterte Backpacker schon damals Pläne für eine große Weltreise. „Die Bauphase hat mich ungefähr 4000 Arbeitsstunden gekostet.“

Am Ende hatte Kleinhanß ein flexibles Gerät mit integriertem Herd, einer Dusche und mehreren Schlafplätzen zusammengeschustert, das für nahezu jedes Gelände geeignet ist.

Noch bevor die Arbeiten abgeschlossen waren, unternahm Kleinhanß mit seinem Schmuckstück kürzere Reisen in die Alpen und nach Norwegen. Die Pläne für eine Weltreise wurden dagegen bis auf weiteres ad acta gelegt, denn mittlerweile hatte er einen Job bei der Lufthansa angenommen, wo er noch heute im Bereich Engineering beschäftigt ist. Stattdessen beschloss er, den geplanten Trip in Etappen zu absolvieren. Erste Station sollte Südamerika sein, seine große Leidenschaft. Doch es stellte sich die Frage, wer ihm bei seinem durchaus waghalsigen Reisewunsch begleiten würde. „Ich habe damals eine Annonce in alle möglichen Zeitungen gestellt. Meistens haben sich dann aber Frauen gemeldet, die mit mir irgendwie anbändeln wollten“, erinnert sich der zweifache Vater, der schon damals mit seiner Ehefrau Isabel zusammen war. Die war zunächst skeptisch und ließ sich erst später von der Begeisterung ihres Lebensgefährten anstecken. „Dann hat sich auch noch die Redaktion von Bärbel Schäfer gemeldet, die mir meine Begleitung im Rahmen der Talkshow vermitteln wollte. Denen habe ich dann nur gesagt, dass ich nicht unbedingt mit Leuten unterwegs sein möchte, die sich diese Sendung anschauen.“

Unimog außerordentlich zuverlässig

Ende der 90er konnte der Trip dann aber doch wie erhofft stattfinden. Drei Wochen dauerte die Überfahrt des Unimogs von Hamburg nach Buenos Aires, von wo aus das junge Pärchen gemeinsam mit einem Freund an die Südspitze des Kontinents aufbrach.

Später ging es dann entlang der Anden nach Norden, wobei sich der Unimog als außerordentlich zuverlässig erwies. Pannen ließen sich trotzdem nicht immer vermeiden: Ausgerechnet in der chilenischen Atacama-Wüste, einem der trockensten Orte der Welt, löste sich die Kühleraufhängung. „Zum Glück hatte ich das nötige Werkzeug dabei, deshalb ist das Ganze glimpflich ausgegangen“, erzählt der Reisefan. Ganz andere Probleme ergaben sich in Ecuadors Hauptstadt Quito, wo Kleinhanß und sein Freund von Banditen ausgeraubt wurden. Geld, Kreditkarten und Ausweise waren zwar futsch, doch immerhin konnte Arno Kleinhanß seine eigene Kamera auf dem Schwarzmarkt „zurück kaufen“. „Der Film war noch drin, und außerdem hatten sich die Deppen selber gefilmt.“ Es ist ein Urlaubsandenken der besonderen Art…

Zurück in Deutschland, beschlossen Arno Kleinhanß und Isabel Moessinger zu heiraten. Und nachdem die beiden Söhne Pascal und Fabian auf die Welt kamen, folgten nur noch ein paar kleinere Ausflüge nach Schottland und Skandinavien, bevor der Unimog einige Jahre ein ruhiges Dasein in der Garage fristete. Nun, wo die beiden Sprösslinge ein wenig älter geworden sind, bricht das Reisefieber bei den Kleinhanß’ aber so langsam wieder aus.

Die nächste Reise soll wieder nach Südamerika führen, wo sich der Unimog-Fan noch einen weiteren Traum erfüllen möchte: Er will die Transamazonica durchfahren, eine Straße, die von Caracas (Venezuela) durch den Regenwald bis nach Rio de Janeiro führt. „Als ich den Unimog damals gebaut habe, wollte ich ein Auto, mit dem ich querfeldein dahin fahren kann, wohin ich möchte. Das Tolle ist, dass man einfach irgendwo aussteigen und die Natur genießen kann. Und danach geht es einfach wieder in den Unimog. Der ist wie ein kleines Schneckenhaus.“ Wer mehr über den Unimog und Arno Kleinhanß erfahren möchte, bekommt unter www.papaauto.de weitere Infos. Dort finden sich die Kontaktdaten des Familienvaters, der sich gut vorstellen kann, den geplanten Südamerika-Trip mit einem interessierten Leser zu wagen.

Quelle: op-online.de

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