Keine Verschnaufpause in Sicht

Unterkunft für Obdachlose und Flüchtlinge bleibt große Aufgabe

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Baugerüst und Kran prägen das Bild der künftigen Gemeinschaftsunterkunft. Der Bauherr wollte längst fertig sein.

Nieder-Roden - Die neue Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Borsigstraße 35 ist immer noch nicht fertig. Der Magistrat hofft darauf, dass die ersten Bewohner im Juli einziehen können.

Dadurch sollen Wohnungen frei werden, die die Stadt in Zeiten größter Not als vorübergehende Bleibe angemietet hatte. Wird die Unterkunft am Bedarf vorbei gebaut? Das Gegenteil sei der Fall, versichert der städtische Sozialdezernent Michael Schüßler. Nach wie vor kämen Zuflucht suchende Menschen im Kreis Offenbach an, wenn auch lange nicht so viele wie im Jahr 2015. Die Stadt Rodgau erhalte momentan keine Neuankömmlinge zugewiesen. Der Grund: „Die Belegung in Rodgau ist immer noch nahe am Höchststand und seit einem Dreivierteljahr relativ stabil.“

Mehr als 670 Geflüchtete sind derzeit in Rodgau untergebracht. Auch Asylanten, die längst anerkannt sind, leben weiterhin in Gemeinschaftsunterkünften: Sie finden einfach keine Wohnung. Das betrifft sowohl Familien als auch Alleinstehende.

Mit ihrer Anerkennung fallen Flüchtlinge automatisch aus dem Asylbewerberleistungsgesetz heraus. Sie erhalten dann zunächst Grundsicherung und müssen sich wie jeder Hartz-IV-Empfänger eine Wohnung suchen – egal ob in Rodgau oder anderswo. So weit die Theorie. In der Praxis verzichtet die Stadt aber darauf, den Auszug aus der Unterkunft durchzusetzen: Sie müsste die Betroffenen gleich wieder dorthin einweisen, um Obdachlosigkeit zu vermeiden. Gewonnen wäre damit nichts.

Angespannte Situation

„Das ist nach wie vor eine extrem angespannte Situation“, betont Erster Stadtrat Michael Schüßler. Ähnlich sei es in allen Städten und Gemeinden des Kreises Offenbach. Auch der Kreis bringe anerkannte Flüchtlinge vorläufig in seinen Gemeinschaftseinrichtungen unter, damit sie nicht auf der Straße stehen. Diese Aufgabe sozial verträglich zu bewältigen, sei das gemeinsame Ziel.

Von Obdachlosigkeit sind auch einige Einheimische bedroht. „Wir haben keine einzige Unterkunftsmöglichkeit mehr frei“, sagt Schüßler: „In dieses System bekommen wir nur Bewegung rein, indem wir Menschen mit geringer Bleibeperspektive aus einer Wohnung in eine andere Unterkunft umsetzen. Dafür brauchen wir händeringend eine Ausweichmöglichkeit, und zwar kurzfristig.“

Diese Ausweichmöglichkeit bietet ein Aschaffenburger Hotelier in der Borsigstraße 35. Er baut das Haus zu einer Gemeinschaftsunterkunft mit Mehrbettzimmern für bis zu 90 Personen um. Die Stadt mietet das Gebäude für vier Jahre. Die Kosten von 450.000 Euro pro Jahr sollen aus Bundesmitteln bestritten werden. Falls die Flüchtlingszahlen sinken, können dort auch andere Menschen eine notdürftige vorübergehend eine Bleibe finden. „Mit dem obersten Ziel, dass keiner auf der Straße steht“, betont der Sozialdezernent.

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Durch den Neubau hofft die Stadt, etwa zehn Wohnungen wieder „für den Wohnungsmarkt verfügbar zu machen“, wie Schüßler formuliert. Parallel dazu investiert die Stadt drei Millionen Euro in den Wohnungsbau. Am Mühlweg in Weiskirchen baut sie zwei Häuser mit zusammen zwölf Wohnungen in einfacher Ausstattung. Etwa 30 weitere Wohnungen sind am südlichen Ortsausgang Jügesheims denkbar. „Es vergeht keine Woche, in der ich keine Anfrage nach einer städtischen Wohnung auf den Tisch bekomme“, berichtet der Sozialdezernent. Die Stadt vergebe ihre Wohnungen nach der Warteliste an Bedürftige und Berechtigte.

Mietwohnungen sind Mangelware, obwohl an allen Ecken und Enden gebaut wird. „Wir hatten noch nie so eine hohe Anzahl an Baugenehmigungen und noch nie eine so hohe Nachfrage nach Baugrundstücken“, berichtet Schüßler. Es gelte dringend Wohnraum zu schaffen, „und zwar in allen Segmenten“. Dem starken Siedlungsdruck begegnet Rodgau mit der Ausweisung neuer Baugebiete. Mit den drei Zuwachsflächen in Nieder-Roden, Dudenhofen und Rodgau-West steht die Stadt derzeit an der Spitze im Rhein-Main-Gebiet. (eh)

Quelle: op-online.de

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