Ich war früher eine Dose

„Up-Cycling-Treff“ lockt begeisterte Bastelfans an

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Alter Karton wird zur neuen Weihnachtskarte: Geschenkverpackungen entstehen zum Beispiel aus beklebten Konservendosen oder aus Klopapierrollen, die an beiden Enden einfach zusammengedrückt werden.

Nieder-Roden - Aus Abfall noch was machen und Gebrauchtes nicht einfach wegwerfen: Die Idee gefällt den Schülern. Deswegen beteiligen sie sich an dem schulübergreifenden „Up-Cycling-Treff“ an der Heinrich-Böll-Schule (HBS). Von Simone Weil 

Alle vier Woche kommen sie zusammen, um Klopapierrollen, Dosen und Kartons in Geschenkverpackungen oder Weihnachtskarten zu verwandeln. Die Mädchen sind völlig aus dem Häuschen, als Petra Carbon ihre Schatzkisten auspackt: Die kleinen Glitzerdöschen ziehen begeistertes Quietschen nach sich. Die Lehrerin freut sich: „Eine Nachbarin der Schule hat eine ganze Tüte voll Klopapierrollen vorbeigebracht, super!“ Schnell zeigt die Pädagogin den Kindern, was sie mit den Resten machen können: Sauerkraut- oder Erdnussdosen beispielsweise werden mit Geschenkpapierresten beklebt und bekommen in Ermangelung eines Deckels einen Stoffeinsatz, der innen fixiert wird und dann einfach zusammengebunden werden kann. „Toll, ich brauche zwei Wichtelgeschenke, da habe ich schon eine Verpackung“, ruft eines der Mädchen begeistert.

Verzückt verfolgen die Schülerinnen wie Petra Carbon Pappsterne per Stempel verziert und schnell goldfarbenen Staub darüber schüttet. Das überschüssige Pulver wird aufgefangen, der Glitzer klebt dort, wo die feuchte Stempelfarbe war. Wenn dann noch heiße Luft mit einer Art Föhn ins Spiel gebracht wird, bekommt die Farbe Struktur und wird gleichzeitig fixiert. So können tolle und ganz individuell gestaltete Karten fabriziert werden. Beim vorhergehenden Basteltreff sind Windlichter aus alten Konservendosen entstanden, die den Besuchern des jüngsten Schulkonzerts den Weg zum Schulgebäude erhellten. Mit Nägeln wurden kleine Löcher ins Aluminium gehämmert. „Die haben wir daheim nachgemacht“, sagt Vera Krapp. Allerdings habe sie ihr Mann auf die Idee gebracht, die Bohrmaschine zu nehmen. Die Mutter ist hergekommen, um ihre beiden Töchter Fiona und Mareen zu unterstützen und selbst ein wenig zu basteln: „Anderthalb Stunden habe ich Zeit.“

Petra Carbon ist begeistert: „Es gibt 1000 Möglichkeiten, ich habe so viele Ideen“, erzählt die Pädagogin. Mit ihrer Begeisterung steckt sie die Schüler an. „Wir bekommen demnächst noch ausrangierte Teedosen aus dem Handel, daraus kann man einen Kinderhocker machen“, sagt sie. Was auf den ersten Blick nach „Basteln“ aussieht, hat inhaltlich ganz schön was im Schlepptau, findet die Lehrerin. Die Aktion ist nicht nur kreativ, sie stärkt auch den Teamgeist und vermittelt Handwerk und diverse Techniken wie etwa das „Embossing“, bei dem ein Pulver aufgebracht und erhitzt wird.

Selbstgebastelt - So gelingt der Adventskranz

Damit es keine Schweinerei gibt, wird Zeitungspapier untergelegt, bevor Kleber ins Spiel kommt. Außerdem verraten die Expertinnen sich gegenseitig Tipps. Zum Beispiel kann man aus ausgebrannten Teelichtern wunderbare Metallsterne basteln: Dazu wird der erhöhte Rand eingeschnitten und zurechtgebogen. Besonders gut gelingt das zwischen zwei alten Handtüchern. Dann ist die Gefahr, sich dabei zu verletzen, fast gebannt. Fachbücher zeigen, beim Wiederverwerten von gebrauchtem Material ist noch Luft nach oben. Die Schüler sollen sich schließlich weiterentwickeln. Und Petra Carbon plant einen Basar mit Selbstgemachtem.

Quelle: op-online.de

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