Valentinstag

Küssen auf Kommando

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Leonie Löw und Thorsten Stichweh von der Gruppe „Theater Total“ blenden beim Kuss auf der Bühne Gefühle aus. Berührungsängste gebe es schon. „Das gehört aber zur Rolle dazu. So wie Lachen oder Weinen“, sagen die beiden professionell. Unter Regie von Tanja Garlt präsentiert „Theater Total“ von 28. bis 30 März in der Dudenhöfer Gärtnerei Fischer „Gefährliche Liebschaften“ - ein raffiniert erotisches Intrigenspiel im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Kartenverkauf: Gärtnerei Fischer und Bücherstube Jügesheim.

Rodgau - Valentinstag: Heute tauschen Verliebte mit einem Prickeln im Bauch wieder jede Menge Bussis aus. Wie ist’s aber beim Küssen auf Kommando? Wir widmen uns einem besonderen Kuss: dem auf der Bühne im Theater. Und wir fragen Paare nach ihrem ersten echten Kuss.

Heute wird unter Verliebten wieder auf Teufel komm raus und von Herzen gebusselt. Welche Probleme es hingegen beim Falsch-Küssen auf Kommando geben kann, verrät Theaterfrau Tanja Garlt aus Jügesheim. Sie führte schon in der renommierten Frankfurter „Schmiere“ und den Bad Homburger Hofspielen Regie. Redaktionsleiter Bernhard Pelka sprach mit ihr. Zu Wort kommen auch verheiratete Paare. Sie erzählen kurz von ihren Erinnerungen an ihren ersten (richtigen) Kuss.

In einer Notenskala von Eins bis Zehn - wie schwer ist der Bühnenkuss?

Der Kuss ist sicher eine der schwierigsten Sachen. Danach kommt das Weinen. Auch dabei muss man tief in sich wühlen, um dieses Gefühl authentisch rüberzubringen.

Und für Sie als Regisseurin? Ist das ein schwieriges Thema?

Nicht wirklich, weil ich - wann immer es geht - auf Kussszenen verzichte. Über eine gewisse Körperdistanz kann man prickelnde Gefühle viel besser ausdrücken. Außerdem ist der Kuss etwas sehr Intimes. Ich arbeite zum Beispiel gerne damit, dass der Mann hinter der Frau steht und beide ins Publikum schauen und mit Mimik und Gestik arbeiten. Wenn man dann den Hauch verspürt, dass er sich nach ihr verzehrt und vielleicht jetzt gleich ihren Nacken küssen könnte, ist das oft viel erotischer als ein Kuss. Der Moment vorm Kuss ist sowieso viel spannender.

Sie bauen also lieber einen Spannungsbogen auf.

Wer ist das verliebteste Paar der Region? Wir haben Vorschläge, Sie können abstimmen!Ja, genau, bis zum Kuss. Und den muss man dann eigentlich gar nicht mehr ausführen, weil völlig klar ist, dass diese Nähe zwischen den beiden Personen auf der Bühne schon längst entstanden ist. Vielleicht arbeite ich auch deshalb so wenig mit Kussszenen, weil ich den echten Kuss zweier Liebender auch ein bisschen schützen möchte. Vielleicht will ich an dieser Echtheit nicht rütteln. Über einen echten Kuss geht eben nichts drüber. Natürlich muss man für einen magischen Moment auf der Bühne das abstreifen und nur noch Rolle sein. Wenn das gut funktioniert, dann ist das der perfekte Bühnenkuss.

Haben Sie persönliche Erfahrungen mit dem Bühnenkuss?

Ja. Als 14-Jährige sollte ich eine Liebesszene spielen. Das fand ich ganz furchtbar schlimm. Da habe ich mich ganz unwohl gefühlt. Später, als ich schon Bühnenerfahrung hatte, war mir der Mensch, den ich küssen sollte, sehr nahe. Den fand ich sympathisch. Das war dann nicht schlimm, sondern sehr schön. Im Mai komme ich wieder in diese Situation. Ich spiele „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ Da sind Kussszenen dabei. Ich frage mich schon jetzt, wie das wird. Da bin ich schon nervös.

Was erwartet die Zuschauer denn bei Ihrem aktuellen Stück „Gefährliche Liebschaften“ in der Gärtnerei Fischer?

Da geht es sehr viel um Erotik und Verführung. Wir proben noch. Mal sehen, welche Ausdrucksformen wir finden. Das ist noch im Fluss.

Wie schwer ist es denn, Laienschauspieler zum öffentlichen Falsch-Küssen zu bewegen?

Ein Profi muss das können. Wenn ich dem sage: Küsst euch, dann muss das funktionieren. Bei Laienschauspielern muss die Chemie stimmen. Ich schaue, wie die beiden harmonieren. Wenn ich spüre, dass sie sich vielleicht schon eine Weile kennen, öfter miteinander gespielt haben und sich mögen, dann frage ich sachte, ob sie sich eine Kussszene vorstellen können. Das ist auch bei Berührungen so. Da gehe ich ganz vorsichtig damit um. Das ist etwas ganz Sensibles.

Es gibt sicher auch pragmatische Dinge, die stimmen müssen.

Ja, klar. Zum Beispiel die Größe. Beim Bühnenkuss ist es - genauso wie im richtigen Leben - schwierig, wenn der Mann sehr groß ist und die Frau viel kleiner.

Einsendungen unserer Leser zum Valentinstag

Kussbilder und verliebte Paare aus der Region

Quelle: op-online.de

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