Verein munavero hatte zum Aktionstag geladen

Mit Passion für die EU, um Laden zu retten

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Bei der Europahymne erhoben sich die Besucher, nahmen sich an die Hand und stimmten ein. Die Idee von Gemeinschaft war auf einmal spürbar. 

Nieder-Roden - Passend zum Europatag lud am Sonntag der Verein für multinationale Verständigung Rodgau (munavero) zu pro-europäischem Kabarett und Musik ins Bürgerhaus Nieder-Roden ein.

Unter dem Motto „Hauptsache Europa – jetzt erst recht“ vereinten Sebastian Schnoy aus Hamburg, Autor von drei Spiegel-Bestsellern, und das Ensemble „Saitensprung“ von Charli Rothman geleitet Hymnen und Witz für die europäische Idee. Als die Europahmyne und Schillers Zeilen „Freude schöner Götterfunken“ zu Beethovens „Ode an die Freude“ erklangen, erhoben sich alle und stimmten ein. Zuvor hatte Rudolf Ostermann den Wert der europäischen Idee anhand seiner persönlichen Geschichte verdeutlicht. „Europa war für mich nie selbstverständlich“, erklärte er. Denn seine Mutter habe während ihrer Schwangerschaft mit ihm aus dem Sudetenland fliehen und somit noch jene Zeiten erleben müssen, als die Einigkeit auf dem Kontinent noch nicht so greifbar gewesen sei.

Dementsprechend sei es mehr als bedauerlich, dass Solidarität innerhalb der EU wieder ein Fremdwort geworden und Schimpf und Beleidigung wieder auf die Tagesordnung gesetzt worden seien. Der Nationalpatriotismus habe stark an Popularität gewonnen. Jürgen Hoffmann, Bürgermeister der Stadt Rodgau, betonte mit der Metapher von der EU als Baum, dass eine gute Idee, der Pflege bedürfe, da sie sonst eingehe oder wie im Falle des Brexits, wichtige Äste einbüße.

Rodgau sei in Sachen Pflege internationaler Beziehungen durchaus vorbildlich, beteuerte Carsten Müller, Kreisbeigeordneter des Kreises Offenbach. Der politische Hauptredner des Abends, Tuna Firat, stellvertretender Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt in der SPD, vertrat nicht minder den Standpunkt, dass man sich auf den Errungenschaften vorheriger Generationen und auf der Demokratie selbst zu sehr ausgeruht habe und dass man sich wieder mehr engagieren sollte. Die EU sei zu wichtig, um sie aufzugeben, da endlich nationale Grenzen aufgebrochen worden seien und damit auch die leidige Herkunftsfrage in den Hintergrund gerückt sei. „Es sollte mehr zählen, in welcher Sprache man träumt und denkt und nicht, wo man geboren ist“, sagte er nicht ohne Pathos.

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Dies machte das Ensemble „Saitensprung“ vor, denn mit modernen Kirchenliedern und multinationaler Folklore zeigten sie, wie harmonisch ein internationales Zusammenspiel sein kann. Letztlich reihte sich aber auch der künstlerische Höhepunkt des Abends ein. „Jetzt braucht es leidenschaftliche Europäer, die den Laden noch retten“, meint der Kabarettist Sebastian Schnoy: „Aufklärung ist eine Kulturpflanze, die täglich neu gegossen werden muss. Hass und Dummheit hingegen wachsen wie Unkraut ganz von selbst.“ (pjs)

Quelle: op-online.de

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