Vereine in der Kostenklemme

Rodgau - Führen die geplanten Nutzungsgebühren für Bürgerhäuser und andere öffentliche Räume zu einer Ausdünnung des Veranstaltungsangebots? Diese Sorge äußert die Interessengemeinschaft der Ortsvereine (IGEMO) Dudenhofen. Sie bezeichnet die Höhe der Gebühren als unzumutbar. Von Ekkehard Wolf

Viele Veranstaltungen seien künftig nicht mehr kostendeckend möglich.

„Die Nutzungskosten werden unsere Vereine und deren Publikum in Zukunft finanziell weit über den zumutbaren Rahmen hinaus belasten“, schreibt die Interessengemeinschaft in einer Pressemitteilung. Nach ihrer Berechnung belaufen sich die Zusatzkosten für eine Fastnachtssitzung auf sechs Euro je Besucher.

Auch in anderen Stadtteilen sorgen sich Vereinsvorstände um die künftigen Kosten. „Das trifft uns bis ins Mark“, sagt Horst Meier, der Vorsitzende der HEB Hobbyeisenbahner. Die Weiskircher Modellbahntage am Wochenende 24./25. November könnten die letzten sein.

Bei Großveranstaltungen schlagen vor allem die Vorbereitungszeiten zu Buche. Für sie soll der gleiche Tarif gelten wie für die eigentliche Veranstaltung, nämlich 50 Prozent der Vollkosten. Ein Beispiel: Vor dem Konzert am Totensonntag baut der Musikverein Dudenhofen bereits am Freitag ab 18 Uhr auf. Vorsitzender Willi Kratz: „Wenn man die Vorbereitungszeit mit zehn Prozent rechnen würde, könnte man damit leben.“

Noch stärker trifft es die Theatergruppe Großes Welttheater, die bei Bühnenbild und Technik einen großen Aufwand betreibt. Fünf Vorbereitungstage waren für das Musical „Emil und die Detektive“ nötig, der Abbau dauerte noch mal einen Tag.

Der Flohmarkt der HSG-Handballdamen im Bürgerhaus Nieder-Roden (nächstes Jahr zum 25. Mal) kann nach Einschätzung von Martina Pietschmann trotz der Gebühren stattfinden. Der Förderverein der Freiherr-vom-Stein-Schule hingegen hat seinen Flohmarkt bereits in diesem Jahr vorsorglich in die Schule verlegt.

Mit spitzem Stift rechnet die Kulturinitiative Maximal. „Wir müssen sicher sein, dass wir über 150 Euro Gewinn machen, sonst können wir nicht in die GBS-Aula gehen“, sagt Vorsitzender Dr. Heinz Haberzettl. Künftig werde es wohl mehr Veranstaltungen im eigenen Raum in der Eisenbahnstraße 13 geben.

Nach Ansicht der IGEMO Dudenhofen sollte die Stadt den Vereinen mehr Zeit geben, sich mit den geplanten Nutzungsgebühren auseinander zu setzen. Nach vagen Angaben vom Januar habe der Magistrat den IGEMO-Vorständen erst am 21. August konkrete Zahlen vorgelegt - „mit dem ausdrücklichen Wunsch, diese nur zur internen Beratung zu nutzen und auf keinen Fall mit den betroffenen Vereinen zu diskutieren“. Erst am 10. Oktober habe die Interessengemeinschaft ihre Mitgliedsvereine informieren dürfen.

Auch die Einführung der Gebühren zu 1. Januar erscheint der Dachorganisation der Dudenhöfer Vereine zu kurzfristig. Die IGEMO bittet, erst ab August Nutzungsgebühren zu erheben, da einige Vereine für 2013 bereits Verträge mit Dienstleistern, Trainern und Künstlern geschlossen hätten, ohne Gebühren in dieser Größenordnung einkalkulieren zu können.

Nicht nachvollziehen kann die Interessengemeinschaft die Aussage des Bürgermeisters, der Stadt stehe das Wasser finanziell bis zum Hals. Die Stadt habe das Budget ihres Kulturangebots in den letzten zwei Jahren um mehr als 50 Prozent auf fast 150.000 Euro aufgestockt.

eh

Quelle: op-online.de

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