Vereine müssen zusammenrücken

Rodgau - Der Magistrat erwartet zunehmende Konflikte um die Nutzung städtischer Gebäude. Die Nachfrage von Vereinen steigt, doch der Platz bleibt begrenzt. Zudem laufen die Kosten davon: Die Energiekosten steigen und der Sanierungsstau von Jahrzehnten wird spürbar. Von Ekkehard Wolf

„Das ganze Gefüge kracht an allen Ecken und Enden“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) gestern vor der Presse. Neue Regeln zur Raumvergabe seien ebenso unumgänglich wie eine Beteiligung der Nutzer an den Kosten. „Damit steigt man natürlich nicht in der Beliebtheitsskala“, so Hoffmann, „aber wir müssen da durch. “

Seit wenigen Monaten ist die Verantwortung für die städtischen Immobilien in einer Hand - ein Ergebnis der Verwaltungsreform. Das so genannte „Facility Management“ zählt zum Baudezernat des Stadtrats Michael Schüßler (FDP). Früher waren für ein Gebäude fünf verschiedene Stellen zuständig. Erst jetzt habe man im Rathaus einen Überblick über die Lage gewonnen, räumt Schüßler ein. Es sei „hoch komplex“ und Zeit raubend, die Einzelheiten aufzudröseln. Viele Nutzer beriefen sich auf alte Absprachen.

Abschied von der lieb gewordenen Gewohnheit

Bei der Vergabe ihrer Räume könne sich die Stadt nicht mehr „dem Diktat der Nutzer unterwerfen“, betont Stadtrat Schüßler. Für die Zukunft schwebt ihm ein klares und eindeutiges Reglement vor, das in allen Stadtteilen gleichermaßen gilt.

Alle Vereine müssen sich künftig darauf einrichten, enger zusammenzurücken. Für manche bedeutet das den Abschied von der lieb gewordenen Gewohnheit, einen quasi „eigenen“ Raum allein und kostenlos zu belegen. „Wir wollen unsere Räume allen zur Verfügung stellen“, kündigt Bürgermeister Hoffmann an. Er betont: „Es gibt kein Privateigentum an öffentlichen Räumen.“

Das „Haus der Vereine“ im alten Rathaus Hainhausen könnte nach Ansicht von Bürgermeister und Stadtrat ein Vorbild für alle Stadtteile sein. Auch in Dudenhofen sei der Magistrat mit der Interessengemeinschaft der Ortsvereine „auf einem sehr guten Weg“, so Hoffmann. Vor einem Umzug des Polizeipostens seien aber noch letzte Gespräche notwendig.

Stadt trägt die vollen Nebenkosten

In einem Fünf-Stufen-Plan übernehmen die Hainhäuser Vereine nach und nach die Verbrauchskosten für Heizung, Wasser, Strom und Müllabfuhr. „Wir wollen niemanden überfordern“, sagt Stadtrat Michael Schüßler. Auch in den Bürgerhäusern führe in Zukunft kein Weg an einer Kostenbeteiligung vorbei. Bisher bezahlen Vereine dort nichts. Die Stadt trägt die vollen Nebenkosten von 42 Euro pro Stunde.

Vereine, die eigene Clubheime und Hallen besitzen, müssen seit jeher mit diesem Kostenblock kalkulieren. Manche sind darauf angewiesen, ihre Räume zeitweise zu vermieten. „Und wir sind die Billigkonkurrenz“, ärgert sich Jürgen Hoffmann, „das finde ich unfair.“

Quelle: op-online.de

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