Tischtennisabteilung gegen Hauptvorstand

TG Nieder-Roden: Vereinsstreit vor Landgericht

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Rodgau/Darmstadt - Ist der Ausschluss der Tischtennisabteilung der TG Nieder-Roden aus dem Hauptverein rechtens oder nicht? Am ersten Verhandlungstag vor der Zivilkammer des Landgerichts Darmstadt gab es dazu weder eine Antwort noch ein Urteil. Urteilsverkündung soll nun am 30. April sein.

In einer gut einstündigen Sitzung machte Richter Carsten Tauber den Klägern von der Tischtennisabteilung wenig Hoffnung auf eine Rücknahme des Vereinsausschlusses zum 30. Juni seitens des beklagten Vorstands. Der Ausschluss der 68 Mitglieder starken Abteilung war in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 27. August 2013 beschlossen worden. Die Gründe des „Rauswurfs“ wurden im Vorfeld der Zusammenkunft nicht offen gelegt.

Tauber zweifelt außerdem grundsätzlich die Rechtsfähigkeit der Tischtennisspieler an, da eine Abteilung eines Vereins eigentlich nicht selbst klagen oder beklagt werden kann. So publiziert auch der Landessportbund Hessen auf seinem Vereinsberater-Portal Abteilungen als juristisch unselbstständige Untergliederungen. Nun könnte es darüber hinaus natürlich eine wohlwollende Einigung beider Parteien mit oder ohne Gericht geben. Stattdessen scheinen sich die Fronten verhärtet zu haben. Der Vorstand der TGN - vertreten durch den Vorsitzenden Alfred Rausch, dessen Frau und Schatzmeisterin Erika, den 2. Vorsitzenden Horst Reichenbach und deren Anwalt Werner Elb - und der frühere Abteilungsleiter Gerd Bukow mit Anwältin Annika Biscas stehen sich wohl unversöhnlich gegenüber. Dazu passte der räumliche Abstand zwischen den Parteien im großen ehemaligen Schwurgerichtssaal sehr gut.

29 Vorwürfe aufgeführt

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Als Gründe für den Ausschluss hatte Rausch im vergangenen August 29 Vorwürfe aufgeführt. Dazu Anwältin Biscas: „Die Anschuldigungen sind durchzogen von Unwahrheiten und nicht belegbaren falschen Unterstellungen!“ Sie sieht die Rede einzig als Propaganda gegen die Abteilung und insbesondere gegen Gerd Bukow. Eine einzelne Person vom Verein auszuschließen sei aber wohl schwieriger als eine ganze Abteilung. Vorgeschoben werde stattdessen beispielsweise Steuerhinterziehung, die die Gemeinnützigkeit des Hauptvereins gefährden würde: Nachdem der Hauptverein Gelder für die Abteilung gestrichen hatte, gründeten die Tischtennisspieler einen eigenen Förderverein, der nun unter anderem Fahrtkosten für die Spieler begleicht. Der Vereinsvorstand reklamiert, dass diese Gelder nur beim Förderverein und nicht bei der TG verbucht worden seien. Dazu der Richter: „Die Vereinssatzung sieht kein eigenes Budgetrecht der Tischtennisabteilung vor. Wenn der Verein mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden ist, wird’s problematisch!“

Leider nahm sich Richter Tauber aber auch nicht die Zeit, die von Biscas zusammengetragenen Beweise zur Unrechtmäßigkeit der Vorwürfe ausführlich anzuhören. Bei der Beibehaltung des Ausschlusses stehen die Spieler vor mehreren Problemen. Die 60 Aktiven brauchen eine Halle zum Trainieren. Sie brauchen neues Material, wenn ihnen der TG die kostenlose Übernahme der zwölf Tischtennisplatten versagt und müssen um ihre Spielklassen kämpfen. Um diese zu behalten, muss der Hauptverein erst die Freigabe erteilen. Der Vorstand hatte bei der letzten Hauptversammlung signalisiert, sich dem nicht zu widersetzen.

Die erfolgreichsten Mannschaften spielen in der Regional- und Oberliga. Zu alledem reißen die Prozesskosten ein großes Loch in die Kasse. Der vorläufige Streitwert der Klage beträgt 12.500 Euro, dieser Betrag entspricht dem Jahresbudget der Abteilung im Hauptverein und bestimmt die Höhe der Gerichtskosten. So ist ein Neuanfang als eigenständiger Verein ausgerechnet vom Wohlwollen der TG abhängig. Eine schnelle Einigung in Form eines Vergleichs scheint nicht in Sicht. Die Beschlussverkündung meldete Tauber für den 30. April an. Fällt sie für die Abteilung negativ aus, überlegt man, in die nächste Instanz zu gehen. Parallel zur Vereinsklage läuft eine Verleumdungsklage Gerd Bukows gegen Alfred Rausch.

gel

Quelle: op-online.de

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