Vergessenes Instrument

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Sue Ferrers hat ihr Leben der Musik verschrieben. Ganz besonders angetan hat es ihr ein Instrument, das wohl bereits im Mittelalter mit seinen Klängen die Menschen erfreute: die Nyckelharpa.

Rodgau (pul) - Sue Ferrers unterrichtet als Lehrerin der Freien Musikschule Rodgau und leitet das Streicher-Ensemble der Wilhelm-Busch-Schule. Im Surfer-Paradies „Gold Coast“ an Australiens Ostküste aufgewachsen, studierte sie in Brisbane Musik mit dem Hauptfach Geige.

Ihr heutiges Lieblingsinstrument ist von einer Geige gar nicht so weit entfernt. „Es ist eine Mischung aus Geige, Gitarre und Schreibmaschine“, scherzt Sue Ferrers (39). Mit dem Bogen streicht sie vier der meist zwölf oder 16 Saiten des hölzernen Instruments. Die restlichen Saiten sind Resonanzsaiten, erklärt sie.

Besonders angetan hat es ihr die tiefe Resonanz, der besondere Klang, den kein anderes Instrument hervor zaubert. Poetisch, melancholisch klingt das Stück aus dem Norden Skandinaviens, das sie gerne spielt. Es erinnert mit seinen Tönen an die Minnesänger im Mittelalter, als diese von Stadt zu Stadt gezogen sind.

Unterhalb des Armes drückt die gebürtige Neuseeländerin während des Streichens auf hölzerne Tasten. Dadurch stoppen die weißen Tangente die Saiten und beeinflussen so die Tonhöhe. Diese hallen sekundenlang nach. Eine Eigenschaft, die das auch „Schlüsselgeige“ oder „Tastenfidel“ genannte Folk-Instrument so beliebt macht.

Es galt als „ausgestorben“, bis es in Uppsala (Schweden) neu entdeckt wurde. Sue Ferrers Freundin hörte den Klang der Schlüsselfidel erstmals bei einem Aufenthalt in Skandinavien und zückte sogleich die Kreditkarte. Kaum hatte sie ihrer australischen Freundin die ersten Töne auf der Neuanschaffung vorgespielt, war es auch schon um die Australierin geschehen. „Ich habe mich total verliebt“ sagt Sue Ferrers. Seitdem besucht sie mehrfach im Jahr die Internationalen Nyckelharpa-Tage auf Burg Fürsteneck im Kreis Fulda. Dort lernt sie seit dem letzten Herbst die 90 Zentimeter lange Nyckelharpa noch besser zu beherrschen.

Nach Deutschland kam die Musikerin mit den neuseeländischen und australischen Wurzeln mit der australischen Rock-Band „Popproperly“ während einer fünfmonatigen Europatournee. Dabei lernte sie ihren Ehemann kennen. Seither ist sie in Münster sesshaft.

Morgen, Sonntag, tritt sie auf dem Dietzenbacher Altstadtmarkt auf und begeistert dabei sicherlich den ein oder anderen Musiker mit den Klängen der Schlüsselfidel.

Quelle: op-online.de

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