Geplantes Einkaufszentrum in Jügesheim

„Wo sollen die Autos hin?

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Ein Mitarbeiter der Ten-Brinke-Gruppe erläutert Stadtverordneten ein Modell des Ortskerns mit Einkaufzentrum.

Jügesheim - Der Straßenverkehr wird eines der großen Probleme beim Bau eines Einkaufszentrums in der Jügesheimer Ortsmitte. Das wurde jetzt deutlich, als drei Projektentwickler ihre Ideen den Stadtverordneten vorstellten. Von Ekkehard Wolf 

Die meisten Fragen der Parlamentarier drehten sich um Durchgangsverkehr, Parkplätze und Anlieferung. Zwischen Nikolauskirche und TGS-Halle möchte die Parlamentsmehrheit ein großes Einkaufszentrum etablieren. Die Rodgau-Passage und die halbe Schwesternstraße sollen dafür plattgemacht werden. Dahinter steht die Absicht, „den Kaufkraftabfluss zu verringern“. Auf Deutsch: Die Rodgauer sollen wieder mehr in Rodgau einkaufen – und nicht in Offenbach, Hanau, Frankfurt, Darmstadt oder Dietzenbach.

Architekt Jens Thormeyer (Düsseldorf) will den Durchgangsverkehr auf die B 45 und die Rodgau-Ringstraße verdrängen. Für den Investor HBB hat er einen so genannten „Stadtplatz“ vor der Alten Schule geplant, der den Verkehr bremst, aber nicht aussperrt: „Man kann noch durchfahren, aber es wird kein gutes Gefühl mehr sein.“ Für das Einkaufszentrum seien nur 2000 bis 2400 Fahrzeugbewegungen pro Tag zu erwarten. Die größte Belastung der Anwohner seien „die Gewohnheitsfahrer, die nicht bereit sind, die Umgehungsstraße zu benutzen.“

Stellplätze könnten jederzeit aufgestockt werden

„Der Durchgangsverkehr wird auf dem Ostring landen“, befürchtete Jan Böttcher (FDP). Jedes Auto weniger im Ort bedeute auch einen potenziellen Kunden weniger. Eine Verdrängung der Autos auf andere Ortsstraßen sei nicht beabsichtigt, entgegnete HBB-Projektentwickler Jens Elfers. Rodgau habe das Potenzial für ein funktionierendes Einkaufszentrum, ohne auf Zufallskundschaft angewiesen zu sein. Die besondere Stadtstruktur gab Renate Seib (CDU) zu bedenken. Viele Kunden von Weiskirchen bis Rollwald benutzten lieber ihr Auto als Bus und S-Bahn: „Wo sollen die ganzen Autos hin?“ Architekt Thormeyer antwortete, er rechne nicht mit langen Warteschlangen vor der Parkplatzauffahrt: „Das wird passen.“ Zudem könnten die 280 geplanten Stellplätze jederzeit um eine weitere Ebene aufgestockt werden.

Der andere Investor, Ten Brinke, glaubt sogar mit nur 215 Parkplätzen auskommen zu können. Das seien „im Grunde mehr als man braucht“, sagte Architekt Alf Prasch (Hamburg). Die Auswirkungen des Einkaufszentrums auf den inner- und überörtlichen Verkehr hat Ten Brinke noch nicht untersucht. „Wir wissen, dass wir ein Verkehrsgutachten machen müssen“, sagte ein Ten-Brinke-Vertreter. Da das innerörtliche Straßensystem funktioniere, wolle man keinen Verkehr auf andere Straßen verlagern. Die Anlieferungszonen seien „eingehaust“, um die Lärmbelästigung zu verringern.

Stadt muss sich über grundlegende Fragen klarwerden

Noch umfassender will die IS-Projektentwicklung (Wiesensteig) auf die Wünsche aller Beteiligten eingehen. Geschäftsführer Guido Berndt verspricht nicht weniger als „das passende Projekt für Rodgau“. Die frühe Festlegung auf einen bestimmten Investor sei der falsche Weg. Die Stadt müsse sich zuerst über grundlegende Fragen klar werden: „Was will ich eigentlich erreichen? Welcher Immobilientyp erfüllt meine Ziele?“ In herkömmlichen Einkaufszentren treffe man immer wieder die gleichen Mode-, Drogerie- Schuh- und Elektronikmärkte an. Neben solchen „Shopping-Centern mit Mall“ seien auch Hybrid-Center oder gemischt genutzte Immobilien denkbar. Es gebe typische Unterschiede, unter anderem bei Ladenmiete, Sortiment und Einzugsbereich. Wichtig für Rodgau ist für Berndt die Aufwertung der Ortsmitte, die Nutzungsvielfalt und die Sicherung der vorhandenen kleinteiligen Einzelhandelsstruktur.

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Im Gegensatz zu HBB und Ten Brinke präsentiert Projektentwickler Guido Berndt der Stadt Rodgau und ihrer Bevölkerung keine fertigen Pläne. Stattdessen setzt er auf den Dialog mit allen Beteiligten. Am Ende stehe ein abgestimmtes und mehrheitsfähiges Konzept, für das er nur noch einen Investor gewinnen müsse. Auch die Projekte der Investoren haben ihre Risiken. Das größte Risiko für Ten Brinke ist laut Architekt Alf Prasch der Grunderwerb: Wenn auch nur ein Eigentümer nicht mitziehe, sei das ganze Projekt gestorben, sagte er auf Anfrage von Karin Wagner (Grüne). HBB-Projektentwickler Jens Elfers stellte seine Planung als flexibler dar: Sowohl auf einzelne Gebäudeteile als auch auf zweigeschossige Läden könne man gut verzichten.

Quelle: op-online.de

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