Verletzte Rentnerin liegen gelassen

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Eine verletzte Rentnerin wurde einfach liegen gelassen.

Rodgau - (th) „Mir fehlen die Worte, so etwas Dreistes ist unglaublich.“ Richterin Anke Daubner war fassungslos vom Auftritt der Rodgauerin Natalie N. vor dem Amtsgericht Seligenstadt.

Wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Körperverletzung musste sich die 38-Jährige dort verantworten.

Was war passiert? Im Juli 2007 war die Hausfrau mit ihrem Hund unterwegs. In Höhe eines Parkplatzes stürmte das nicht angeleinte Tier plötzlich auf eine 67-jährige Radfahrerin los, die daraufhin stürzte. Dabei verletzte sich die Rentnerin schwer, brach sich ein Bein. Die Geschädigte vor Gericht: „Ich bat die Frau dann um Hilfe, weil ich merkte, dass der Knochen gebrochen war.“ Sie habe um einen Notarzt gebeten, der letztendlich aber von anderen Zeugen gerufen worden sei: Die Hundebesitzerin Natalie N. habe sich nicht um sie gekümmert, sondern sei ihrem Hund hinterhergelaufen. Zehn Tage Krankenhaus und vier Wochen Laufen an Krücken waren das schmerzhafte Resultat des Unfalls.

Die Angeklagte schilderte eine andere Version. Der Hund habe nichts mit der Sache zu tun. Sie habe nicht gesehen, wie die 67-Jährige gestürzt sei. Auch sei sie nicht nach dem Unfall mit ihrem Hund weggegangen - was wiederum die Geschädigte vor Gericht aussagte.

Die Staatsanwaltschaft glaubte der Angeklagten nicht. 40 Tagessätze in Höhe von je 30 Euro lautete die Strafbefehl-Forderung wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Körperverletzung. „Meine Mandantin hat doch andere Zeugen gebeten, Hilfe zu holen“, begründete die Verteidigung den Antrag auf Freispruch.

Dem wollte Richterin Daubner aber nicht nachkommen und erhöhte die geforderten 40 Tagessätze auf 60: Es habe keine Entschuldigung der Angeklagten gegeben und zudem sage sie nicht die Wahrheit. „Sie lassen eine verletzte ältere Frau auf der Straße liegen und lügen uns an“, fand sie harte Worte in ihrem Urteil.

Quelle: op-online.de

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