Wie vertont man bloß einen Fluss?

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Konzentrierte Könner: Das Orchester des Musikvereins Dudenhofen begeisterte sein Publikum am Totensonntag.

Dudenhofen - Am Anfang war das Wort. Um den guten Ton noch interessanter, noch attraktiver zu machen. Bei den Dudenhöfern sowieso. Seit 33 Jahren haben sie den regionalen König der Conférenciers, Heinz Karnbach, an Bord. Von Manfred Meyer

Bei ihnen gehört Musik und Karnbach’sche Moderation untrennbar zusammen. Sie verschafft der Musik einen beträchtlichen Mehrwert. Diesmal kam der Entertainer nicht auf die Bühne, um das herbstliche Orchesterkonzert des symphonischen Blasorchesters zu eröffnen. Das tat ein ehemaliger Vorsitzender, Fagottist Waldemar Nowak. Willi Kratz, der aktuelle Vereinschef, war der nächste Ansager am Sonntag im vollen Bürgerhaus. Es folgten weitere Instrumentalisten im Lauf des fast dreistündigen Abends, die mit ihren launigen Wortbeiträgen zeigten, dass sie nicht nur musizieren können.

Der Lacher des Abends aber war eine Art Sketch. Der junge André Dietrich trat ans Sprechermikrofon und erklärte, dass er schon wisse, was ein Fluss ist, er sei sogar mal in einen gefallen, aber nun seine Frage: Wie, um Himmelswillen, vertont man bloß einen Fluss? „Vielleicht so”, meldete sich Maestro Rainer Fenchel aus dem Bühnen-Halbdunkel. Trommelwirbel - und ein Mordsbassdrum-Bums aus dem Background! „Das ist die Stelle”, so Fenchel weiter, „wo du reingefallen bist.” Die komische Kurzkonversation leitete über zum Filetstück des Konzerts, zu „Thames Journey”, einer Premiere. Das Werk war in Dudenhofen bislang noch nicht aufgeführt worden. Dabei ist Komponist Nigel Hess handwerklich ähnlich vorgegangen wie Smetana bei seiner „Moldau”. Der Zuhörer „schippert” auf dem Wasser und erlebt akustisch mit, was rechts und links an den Ufern dieser Flüsse zu sehen ist.

Das sind auch bei Hess’ Themse-Trip Gebäude, Geographie, aber auch (Kultur-) Geschichte in Klängen und Rhythmen. Wenn Rainer Fenchel einen solchen komplexen Soundtrack - in der Vergangenheit von „Moby Dick” bis zu den „Bildern einer Ausstellung” - dirigiert, macht sein Tutti daraus stets ein Ton-Event. So auch am Sonntag.

Interessant auch Eric Whitcares „Lux Aurumque”, eine Art virtueller Chor, den die Dudenhöfer allerdings analog und instrumental zum Besten gaben. Die verbale Einführung in das Stück, das sich wie von selbst aufzubauen scheint und dabei beständig wächst, hatte Tubist Christian Sonnen besorgt. Davor waren die Dudenhöfer mit zweimal Franz in ihr Heimspiel 2012 gestartet, mit komischer Oper und Operette, von Lehár und von Suppé. Auch das Ende war leichte Muse - volkstümliche nun: „Mir sein die Kaiserjäger” von Karl Mühlberger.

Noch ein Novum; ein Vorsitzender, der als Moderator-Mitvertretung eine Programmnummer auf offener Bühne nicht ansagt, sondern ansingt. Die offizielle Zugabe war in Form der Dudelsack-Melodie „Highland Cathedral” kantabel und hymnisch. Davor hatten es die Dudenhöfer anhand der Jubiläums-Ouvertüre von Otmar Máche schostakowitsch-mäßig krachen und bollern lassen sowie Steinmans „Tanz der Vampire” aufgeführt. Ein interpretatorisches Glanzlicht danach: das moderate „Arsenal” von Blasorchester-Spezialist Jan van der Roost.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte das Blechbläserensemble des Vereins London-Miniatürliches von Gordon Langford getänzelt und demonstriert, wie Albert Hammonds Welthit „One Moment in Time” (Whitney Houston) tönt, wenn er verbrasst daherkommt, von zwölf „Blechnern” in Szene gesetzt.

Am Ende eine stehende Ovation des Publikums - und Heinz Karnbach war immer noch nicht erschienen. Mit einer kurzen Anmerkung zerstreute Willi Kratz Befürchtungen und gab Entwarnung. Dem beliebten Moderator war es eine Zeitlang kreislaufmäßig nicht ganz so gut gegangen. Man war übereingekommen, dass er mal ein Jahreskonzert lang pausiert. Bei den Kamelienkonzerten im März 2013 will Heinz Karnbach wieder an Bord sein.

Quelle: op-online.de

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