Rodgau wehrt sich

Viele Überflieger stören Nachtruhe

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Weiskirchen (eh) - Die Stadt Rodgau wehrt sich weiter gegen eine übermäßige Belastung der Bürger mit Lärm. Die Lärmmessstation auf dem Dach des Christian-Zang-Hauses hat zahlreiche Überflüge nach 23 Uhr registriert - trotz Nachtflugverbot.

Allein im Juli und August wurden 33 Überflüge nach 23 Uhr verzeichnet - der späteste sieben Minuten vor Mitternacht. Dabei wurden Lärmwerte zwischen 53 und 70 Dezibel (A) gemessen. Bei den Spätflügen handelte es sich nicht immer um Einzelfälle; in manchen Nächten wurde die Ruhe gleich mehrfach gestört. Besonders heftig war die Belastung am 19. August, einem Sonntag mit vier Überflügen nach 23 Uhr. Zwischen 23.44 und 23.48 Uhr donnerten die ankommenden Jets aus Süden im Zwei-Minuten-Takt über Weiskirchen.

Besonders betroffen ist Rodgau von einem satellitengestützten Anflugverfahren, bei dem ankommende Flugzeuge erst spät auf die Grundlinie einschwenken. Dieser gekrümmte Landeanflug („Segmented Approach“) bedeutet mehr Flüge über Rodgau. In einer Stellungnahme zum Lärmaktionsplan des Frankfurter Flughafens lehnt der Magistrat eine Ausweitung des gekrümmten Anflugs ab, um die Bürger nicht noch mehr zu belasten. Bisher sei nicht einmal nachgewiesen, dass dieses Anflugverfahren zu einer Entlastung in Offenbach und Hanau führe.

Anflugverfahren nach 23 Uhr

Als nicht korrekt bezeichnet die Stadt die Aussage, dass der gekrümmte Anflug am Flughafen Frankfurt eingestellt sei. Ein Abgleich mit den Daten der Lärmmessstation habe eindeutig den Nachweis erbracht, dass dieses Anflugverfahren nach 23 Uhr genutzt werde.

Im Interesse der Bürger fordert die Stadt, im Lärmaktionsplan Hessen alle Lärmquellen zu berücksichtigen. Gerade Weiskirchen leide bereits am Autolärm der Autobahn 3 und der Bundesstraße 45. Die Stadt fordert, den Lärmaktionsplan nicht nach einzelnen Lärmquellen aufzuteilen (Straße, Schiene, Flug), sondern den Gesamtlärm zu beurteilen. Nur so sei es möglich, die Belastungen der Bevölkerung ganzheitlich zu bewerten: „Eine sektorale Betrachtung (...) kann dazu führen, dass die Grenzwerte für jede einzelne Lärmart gerade noch eingehalten werden, in der Summe aber eine erhebliche Belastung darstellen.“

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Im Entwurf des Planes hat die Stadtverwaltung auch formale Fehler entdeckt. So fehle eine aktuelle Lärmkartierung, die laut EU-Richtlinie spätestens bis zum 30. Juni hätte vorliegen müssen. Die Auswirkungen der Nordwestlandebahn fehlten völlig, die Maßnahmen zum aktiven Schallschutz seien nur unzureichend in der Lärmkartierung enthalten. Zudem seien die Zahlenwerte wegen unterschiedlicher Berechnungsmethoden nicht vergleichbar. Die Stadt fordert, „die Lärmsituation aktuell und realitätsnah darzustellen“. Laut Bürgermeister Jürgen Hoffmann hat die Stadt mit ihrer Stellungnahme deutlich gemacht, „dass wir uns gegen eine ungerechte Verteilung des Fluglärms zu wehren verstehen“.

Quelle: op-online.de

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