Vieles schluckt Wasser

+
Zum Autowaschen lieber in die Waschhalle (wie hier in Jügesheim). Denn dort wird das Abwasser gereinigt, bevor es im Kanal davon fließt.

Rodgau ‐ Mit Hochdruck zischt feiner Sprühnebel aus der Reinigungsdüse, schießt den Schmutz und das letzte Winter-Salz von der Motorhaube. Und schon glänzt das heilige Blechle, als wär‘s gerade erst aus der Ausstellungshalle beim Autohändler gerollt.  Von Bernhard Pelka

Frühlingszeit ist Waschstraßenzeit. „Wasser spielt hier eine große Rolle“, sagt Frank Büttner. Der Inhaber von „Franks Car Wash“ lässt nichts unversucht, um kostbares Nass einzusparen - und damit die Kosten zu reduzieren und die Natur zu entlasten. Pro Auto fließen in der Selbstwaschanlage im Jügesheimer Industriegebiet 20 bis 30 Liter Frischwasser. Bevor sie nach der Wagenwäsche den Kanal erreichen, werden sie gründlich gereinigt.

In Büttners Dietzenbacher Waschstraße spült hingegen wieder aufbereitetes Brauchwasser die Kundenfahrzeuge blitzeblank. Düsen und rotierende Bürsten verwirbeln 1.000 Liter Brauchwasser bei einem einzigen Waschgang. Nur 32 Liter davon werden aber tatsächlich verbraucht. Der Rest wird erneut aufwändig bis zur Badewasserqualität biologisch geklärt und dann erneut zur Wagenwäsche verwendet. Auch das in einer Zisterne gesammelte Regenwasser speist in Dietzenbach diesen Kreislauf.

Tausende Liter pro Tag und Kopf

Bei den 20 Liter Pro-Kopf-Verbrauch fürs Auto bleibt es am Tag natürlich nicht. Und auch nicht beim Durchschnittstagesverbrauch von 126 Liter, die der Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach angibt. Im Gegenteil. Jeder von uns verbraucht täglich tausende Liter Wasser - zumindest wenn man den so genannten virtuellen Wasserverbrauch zu Grunde legt. Dieser gibt Auskunft darüber, wie viel Wasser bei der Erzeugung eines Produkts verwendet wird, verdunstet und verschmutzt. Es war der Londoner Professor John Anthony Allan, der 1994 diese Berechnungsmethode einführte. Sie bringt verblüffende Ergebnisse hervor.

Einige Beispiele: Für ein Rindersteak von 300 Gramm werden demnach zum Beispiel 4.500 Liter Wasser eingesetzt. Weshalb? Eingerechnet ist die Flüssigkeit, die das Rind trinkt; ebenfalls das Wasser, das zur Herstellung von Rinderfutter nötig ist. Schnell kommt man bei einem Kilo Hühnerfleisch auf mehr als 3000 Liter.

Bis die 125-Milliliter-Tasse heißer Kaffee auf dem Tisch steht, sind 140 Liter Wasser geflossen; auf ein Kilogramm Reis kommen gut 3.000 Liter. Und für einen Liter Milch sind 1.000 Liter Wasser nötig. Einer der größten Wasserverbraucher ist nach dieser Berechnungsmethode das Automobil. Die gesamte Produktionskette verschlingt bis zu 450.000 Liter pro Mittelklasse-Pkw. Das meiste Wasser schluckt aber die Landwirtschaft, nicht die Industrie.

Infos gibt es auch im Internet

Quelle: op-online.de

Kommentare