Vier Sprayer von Polizei gefasst

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Auf Brücken, wie hier an der Hauptstraße, hinterlassen Sprayer reihenweise ihre Visitenkarten, die so genannten „Tags“. Von den Plexiglasscheiben geht die Sprühfarbe kaum noch ab.

Rodgau ‐ Unerwarteten Besuch von der Polizei bekamen vier Jugendliche von 16 und 17 Jahren. Sie stehen im dringenden Verdacht, als „Sprayer“ fremdes Eigentum beschädigt zu haben. Bei der Durchsuchung der Wohnungen fanden die Beamten zahlreiche Belege für diesen Vorwurf. Von Ekkehard Wolf

Die vier jungen Leute aus Rodgau standen schon seit geraumer Zeit im Blickpunkt der Beamten des Sachgebiets „Sprayer“. Die Ordnungshüter werfen dem Quartett rund 60 einzelne Taten vor.

Immer wieder die gleichen Symbole („Tags“) prangten im gesamten Stadtgebiet an Fassaden von Stromhäuschen, Unterführungen, öffentlichen Gebäuden, Brücken, Garagen und Grundstücksmauern. Auch das Clubheim der TGH-Tennisabteilung am Sportfeld in Hainhausen und eine Metalltür am Heimatmuseum Weiskirchen wurden beschmiert. Ein Schwerpunkt der Graffiti-Aktivität lag zwischen August und Dezember letzten Jahres.

Diese „Tags“, quasi die Unterschriften der Sprayer, waren stets von gleicher Machart. Akribische Recherchen führten schließlich auf die Spur des Rodgauer Quartetts. An den Ermittlungen wirkte auch die Bundespolizei aus Frankfurt mit, da sich Graffiti-Sprayer oft auch an Bahnanlagen betätigen. Über die Staatsanwaltschaft erwirkte die Polizei richterliche Durchsuchungsbeschlüsse. In den Wohnungen fanden die Beamten Beweise: Notizen und auch Übungsmaterial.

Schadenssumme von weit über 30.000 Euro

Sprayer führen Aufzeichnungen über das, was sie tun“, erklärt Polizeipressesprecher Henry Faltin, „im besten Fall machen sie sogar Fotos. Die Eitelkeit macht uns da das Leben einfacher.“

Drei der vier Jugendlichen mussten zur Polizeiwache mitkommen, wurden dort fotografiert und mussten Fingerabdrücke abgeben. Der vierte Junge war nicht zu Hause. Bei ihm wird die „erkennungsdienstliche Behandlung“ nachgeholt.

Neben Strafanzeigen wegen der Sachbeschädigungen drohen den Tatverdächtigen auch Regressforderungen. Die Schadenssumme liegt nach vorsichtigen Schätzungen weit über 30.000 Euro.

Zu den Tatorten zählten unter anderem ein Stromhäuschen an der Burgstraße, ein Rotkreuz-Kleidercontainer am Goetheplatz, eine Bäckerei in Hainhausen, eine Telefonzelle an der Hauptstraße und eine Brücke in Weiskirchen. Von der Plexiglasverkleidung der Brücke lässt sich die Sprühfarbe nicht so ohne weiteres entfernen: Die Scheiben müssen ausgetauscht werden.

Wenn sich der Tatvorwurf bestätigt, dürfte die Aufklärungsquote auf diesem Sektor der polizeilichen Kriminalstatistik sprunghaft in die Höhe schnellen. Letztes Jahr wurden in Rodgau 142 Sachbeschädigungen (ohne die Beschädigung von Autos) angezeigt, aber nur 17,3 Prozent davon aufgeklärt. Sollten nun 60 weitere Fälle als gelöst gelten, wäre das ein Sprung nach vorn.

Quelle: op-online.de

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