Kunst und Natur begegnen sich

Vier Wochen „Naturkultur“ im Wald bei Nieder-Roden

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Produktiver Störfaktor im Grenzbereich zwischen Natur und Kultur: Kunst im Wald ist noch bis zum 7. Juli bei Nieder-Roden zu sehen. „(T)Raumschiff“ heißt diese Plastik.

Nieder-Roden - Gibt es eine Grenze zwischen Natur und Kultur – und falls ja, wo verläuft sie? Hinter dem Don-Bosco-Heim können Kunst- und Naturfreunde seit Sonntag selbst auf die Suche nach Antworten gehen.

Unter dem Titel „Naturkultur“ zeigen 22 Künstler und mehrere Projektgruppen bis zum 7. Juli ihre Werke im Waldgebiet Langenloh. Zur Vernissage begrüßte Christian Münch, Leiter des Forstamts Langen, mehr als 100 Besucher. Das freute nicht nur Gerd Steinle, Rodgauer Künstler und vor zehn Jahren Initiator des seinerzeit einzigartigen Waldkunstpfads. Auch Kulturdezernent Winno Sahm gab sich inspiriert vom kollektiven Aufbegehren gegen die „schlampige Selbstverständlichkeit“. Die ortet Sahm überall, wo sich gewohnheitsmäßiger Kunstkonsum als Minderheitenphänomen offenbart. Auf wenige Wochen beschränkt, komme die Ausstellung im Wald als „bewusst nur vorübergehende Veränderung“ demokratisch und als „soziale Veranstaltung“ daher.

Der Waldkunstpfad ist leicht zu finden.

Dass sie Zugangsschwellen auf Waldweg-Niveau senkt, gefällt dem Kulturstadtrat an Steinles Aktion besonders gut. 1,8 Kilometer lang ist der Rundkurs durchs Grüne, der laut Sahm nicht nur romantische Kulisse, sondern selbst integriertes Kulturgut ist. Das Einzigartige dieser Präsentation liege im Verhältnis der Bedeutungsfelder: Wie die Artefakte sei auch der Wald an dieser Stelle weitgehend von Menschenhand gestaltet. Kunst wirke dort zunächst als Störfaktor „ähnlich wie ein Sack Müll“, lehre aber produktiv den Umgang mit Fremdem und breche Selbstverständlichkeiten auf.

Fragen stellen, Antworten suchen – noch bis zum 7. Juli ermuntern dazu 22 Künstler und mehrere Projektgruppen auf dem Waldkunstpfad, der am Sonntag im Langenloh hinter dem Don-Bosco-Heim eröffnet wurde. Die Tafeln voller Warum-Fragen stammen von Manfred Dreimann.

Den Anspruch zu intervenieren, nach der lateinischen Wortbedeutung dazwischen zu gehen, nahm nicht nur der Kulturdezernent wahr. Mit Themen wie Menschenrechte, Umwelt- und Klimaschutz wirke die Naturkultur diesmal politischer als sonst, fand eine Besucherin. Darüber hinaus soll der Kunstpfad, den er alle zwei Jahre im Grünen inszeniert, nach Worten von Gerd Steinle als Konstante im Rodgauer Kultursommer wirken. Verbindungen schaffen unter anderem zwei Workshops. Am 1. Juli können Interessierte ab 14 Uhr mit der Künstlerin Dagmar Horch Naturbilder malen. An der Wimpelkette, die Birgit Mayer-Tauber von Weiskirchen bis Rollwald durch die Stadt ziehen will, wurde bereits am Eröffnungstag gemeinschaftlich gearbeitet.

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Wer die Kunstmeile im Wald unter sachkundiger Anleitung erkunden will, schließt sich am besten Winno Sahm bei einem von zwei Rundgängen am Freitag, 15. Juni, um 19.30 Uhr oder am Samstag, 30. Juni, um 16 Uhr an. Eine weitere Führung bietet Gerd Steinle mit seinen Mitstreitern Iris Husermann, Silvia Wenzel und Friedhelm Meinass am Sonntag, 24. Juni, um 14 Uhr an. Abgesehen von diesem Quartett haben die Künstler Christine Rowland, Jörg Böhme, Ilse Dreher, Lothar Steckenreiter, Thorsten Fischer, Gilbert Witte, Matthias Meissner, Kathrin Sachse, Alois Linduschka (†), Melina Hermsen, Sylvia Baumer, Irene Rekus, Gabriele Pfeiffer, Sonja Schilling-Zimmer, Angelika Ullrich, Klaus-Jürgen Guth, Manfred R. Dreimann, Khaled Hussein und Dagmar Horch mitgearbeitet.

Projektarbeiten steuerten neben Wimpel-Näherin Mayer-Tauber die Geschwister-Scholl-Schule, die Werkstätten Hainbachtal, die Jugendkunstschule Offenbach, der Waldkindergarten „Die Wühlmäuse“ und der Künstler Joachim Harbut mit einer sozialen Plastik bei. (zrk)

Quelle: op-online.de

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