Mit vollem Herzen bei der Sache

Bei Fahrrad Ott in Heusenstamm lässt Andreas Rottstedt sein Rad warten. Ohne seine Sponsoren könnte der 41-Jährige seine großen Herausforderungen nicht meistern - die Kosten wären zu hoch.

Hainhausen - (fma) Das 24-Stunden-Radrennen auf dem Nürburgring gehört zu den härtesten Herausforderungen, denen man sich als Radsportler stellen kann. Körperliche Ausdauer und ein eiserner Wille sind für dieses Rennen unabdingbar. Kaum zu glauben, dass bei dem Spektakel am 1. und 2. August mit dem Rodgauer Andreas Rottstedt auch ein Herzkranker an den Start gehen wird.

Der 40-Jährige braucht sich vor den Strapazen des Rennens nicht zu fürchten, denn er hat bereits eine wahre „Tour der Leiden“ hinter sich.

Die Geschichte von Andreas Rottstedt beginnt im Oktober 2007. Bei einem Autounfall wird der damals 37-jährige, 145 Kilo schwere Kettenraucher verletzt und fällt ins Koma. Die Ärzte diagnostizieren einen Lungenschaden und operieren den selbstständigen Versicherungskaufmann umgehend. Doch dann ergeben sich Komplikationen, Rottstedt wacht nicht mehr aus dem Koma auf. „Die Ärzte haben meiner Frau schon geraten, sich mit meinem Tod abzufinden“, sagt der Rennsportler. Seine Überlebenschance wird auf etwa fünf Prozent geschätzt.

Dennoch erwacht Rottstedt nach sechs Wochen tatsächlich aus der Bewusstlosigkeit. Was folgt, sind weitere Tiefschläge: Bakterien gerieten über die Lunge in sein Herz, die Ärzte erklären ihm, es handle sich um einen irreparablen Muskelschaden. Das Herz von Andreas Rottstedt erbringt zu diesem Zeitpunkt nur noch 25 Prozent seiner möglichen Leistung, seine Lebenserwartung beträgt etwa eineinhalb Jahre.

Die Mediziner raten ihm zu einer Transplantation, aber Andreas Rottstedt wählt einen anderen Weg. Er fängt an zu trainieren, fastet unter ärztlicher Aufsicht 18 Wochen am Stück und verliert so 55 Kilogramm Gewicht. Parallel dazu beginnt er, auf dem Ergometer zu trainieren. Sein Herz stabilisiert sich, was sogar die Ärzte erstaunt.

Es ist schon eine Ironie des Schicksals: „Vor meinem Unfall bin ich nie aufs Rad gestiegen, hatte nur einen alten, klapprigen Drahtesel“,erzählt der Hobbyrennfahrer mit einem Lächeln auf dem Gesicht. „Und jetzt hat mir dieser Sport das Leben gerettet.“ Heute fährt er pro Woche mindestens 400 Kilometer durch das Rhein-Main-Gebiet und geht dazu regelmäßig ins Fitnessstudio.

Richtig gesund ist Andreas Rottstedt aber auch heute nicht. Die Ärzte befürworten zwar seine sportlichen Aktivitäten, raten jedoch gleichzeitig dazu, es etwas langsamer anzugehen. Er selbst gibt zu: „An manchen Tagen geht einfach gar nichts, da kann ich unmöglich trainieren und fühle mich einfach nur schlapp.“

Ausruhen kommt für den Hobbysportler dennoch nicht in Frage: „Vor dem 24-Stunden-Rennen bin ich bei der Trans Germany am Start, dem härtesten Mountainbikerennen Deutschlands“, sagt er. „Ich will anderen kranken Menschen ein Beispiel geben, wie es auch geht.“

Teilnehmen kann er an den Rennen nur dank der Unterstützung seiner Sponsoren. Der Fahrradhersteller Bergamont und das Team von Fahrrad Ott stellen Rennräder zur Verfügung und kümmern sich um deren Wartung. Vor allem helfen sie Andreas Rottstedt dabei, die hohen Teilnahmebeträge für die Veranstaltungen zu stemmen.

Die beiden Wettfahrten in diesem Jahr sollen im Übrigen der Auftakt für weitere Herausforderungen sein: „Ich will in zwei Jahren mit dem Fahrrad zum Nordkap fahren - das wäre ein Traum.“

Quelle: op-online.de

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