Bürgerhaus: „Was soll da noch zeitgemäß sein?“

Dudenhofen - Sechs Modelle für die Zukunft der Gaststätte im Bürgerhaus Dudenhofen stellte Gastronomie-Berater Rainer Plappert (Dietzenbach) in einer Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses vor. Dem Stadtparlament steht keine einfache Entscheidung bevor.

Doch erst einmal ist am 4. September die Meinung der Bürger gefragt.

„Etwa 350.000 Euro wären notwendig, um die Bürgerhaus-Gaststätte technisch und optisch auf den aktuellen Stand zu bringen. Neben einem neuen Zuschnitt der Räume gehört dazu auch eine Wärmedämmung, die die immensen Energiekosten auf ein erträgliches Maß senken soll.

Seit vielen Jahren habe die Stadt das Bürgerhaus Dudenhofen nicht modernisiert, so Plappert: „Was soll da noch zeitgemäß sein?“ Damit gastronomische Betriebe attraktiv bleiben, müssten die Betreiber regelmäßig investieren: alle fünf bis sieben Jahre in Angebot und Mitarbeiter, alle sieben bis zehn Jahre in Optik und Ausstattung, alle zehn bis 15 Jahre in das Mobiliar und alle 15 bis 20 Jahre in Küche und Lüftungstechnik.

Bloße Renovierung ist keine Dauerlösung

Damit die Stadt als Vermieterin nicht draufzahlt und die Umbaukosten innerhalb von zwölf Jahren wieder hereinbekommt, müsste ein Pächter 2 500 Euro im Monat bezahlen. Dazu kommen noch die Verbrauchskosten für Energie. So viel Geld lässt sich nach Ansicht des Gutachters nur erwirtschaften, wenn ein erfahrener Profi alle Möglichkeiten ausnutzt. Dazu gehören neben dem Café- und Restaurantbetrieb auch die Vermietung von Gesellschaftsräumen und die Bewirtung bei sämtlichen Saalveranstaltungen. Die Vereine hätten dann mit Speisen und Getränken keine Arbeit mehr, aber auch keine Einnahmen. Zudem müssten sie Veranstaltungswünsche rechtzeitig anmelden. Bei einem Terminkonflikt zwischen Vereins- und Hochzeitsfeier entscheidet der Wirt, womit er mehr verdient. Plappert: „Das ist so üblich. Es sei denn, man hat vorher reserviert.“

Kann sich Gastronomie mit einem derart hohen Pachtzins überhaupt lohnen? Ja, antwortete Rainer Plappert auf die Frage von Winno Sahm (Grüne). Als Beispiel nannte er den „Goldenen Apfel“ in Hofheim. Beim Bürgerhaus Dudenhofen denke er nicht etwa an gehobene Gastronomie, sondern an eine Speisekarte wie im Bahnhof Heusenstamm.

Mit einer bloßen Renovierung der vorhandenen Gaststätte könnte die Stadt nach Ansicht des Gutachters lediglich Grundbedürfnisse erfüllen. Eine Dauerlösung sei das nicht: „Es bleibt alles beim Alten, es wird nur schlimmer. Weil die Technik sich abnutzt, weil das Mobiliar sich abnutzt, weil nicht investiert wird.“ Zudem müssten die Vereine auch bei dieser Einfachvariante auf Bewirtungseinnahmen verzichten.

Caterer eine Lösung?

Auch eine Art „Vereinsgaststätte“ hat der Gutachter untersucht, aber auf rein theoretischer Basis. Mit der Interessengemeinschaft der Ortsvereine (IGEMO) habe er darüber nicht gesprochen, antwortete er auf eine Frage von Benjamin Schwarz (Grüne). Die Vereine müssten den Theken- und Küchendienst organisieren und Pacht bezahlen, könnten aber auch mit Einnahmen rechnen. Ein Umbau eröffne die Chance auf maßgeschneiderte, moderne Räume – allerdings wäre dann der Pachtzins höher. Die Sparvariante, auf einen Umbau zu verzichten, provoziere hingegen Konflikte: „Die Vereine werden im Lauf der Zeit unzufrieden, denn es ist ja nichts investiert worden.“

Als seinen persönlichen Favoriten bezeichnete Rainer Plappert die Vergabe des Bürgerhauses an einen Caterer – also an eine Großküche, die mehrere Verbrauchsstätten versorgt. Einen Restaurantbetrieb gebe es dann nicht mehr, aber eine gute Grundversorgung bei Veranstaltungen im Saal. Vereine hätten die Möglichkeiten, kleinere Veranstaltungen weiterhin in Eigenregie zu bewirtschaften. Den Zulieferern gehöre die Zukunft, so Plappert. Als Beispiel nannte er das Frankfurter Varieté-Theater „Tigerpalast“: Zwischen 23 und 5 Uhr nachts würden dort die Speisen für mehrere Flughafenrestaurants produziert.

„Nichts ist mehr so wie vor vier, fünf Jahren“, sagte der Gutachter zum Gaststättenmarkt. Nur noch gute Objekte mit einem Stamm an Gästen fänden Pächter und Finanziers. Dass es auch für Bürgerhäuser eine Chance gebe, zeige das Beispiel Dietzenbach: „Dort ist eine Kulturaufgabe realisiert und diese Kulturaufgabe bringt auch Gäste.“ Für die Zukunft erwartet der Fachberater allerdings ein weiteres Sterben an gastronomischen Betrieben, „weil sie ihre Pacht nicht mehr bezahlen können“.

Was nun? Die Stadtverordneten müssen Chancen, Risiken und viele Interessen gegeneinander abwägen. Lediglich die Fraktion „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) hat sich bereits festgelegt. Ihr finanzpolitischer Sprecher Otto Melzer konstatierte am Dienstag, die Stadt habe in den drei Jahrzehnten seit Einweihung des Bürgerhauses keinerlei Vorsorge getroffen: „Wir haben das Vermögen der Bürger von Dudenhofen abgewirtschaftet. Die Stadt muss einen Ausgleich herstellen, auch wenn es wehtut. (…) Der Investitionsstau muss aufgelöst werden.“ Trotz des hohen Haushaltsdefizits werde sich dafür eine Lösung finden lassen.

„Es gibt viele Modelle, aber keines ohne Risiken“, fasste Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP) zusammen. Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) bezeichnete es als notwendig, in Verantwortung für die ganze Stadt eine tragfähige Entscheidung zu treffen. Was auch immer dabei herauskomme: „Nicht alle werden sich darin wiederfinden.“

eh

Quelle: op-online.de

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