Neues Stadtzentrum

Kritik von Stadtplaner Gregor Fröhlich

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Stadtplaner Gregor Fröhlich fordert mehr Weitblick beim Umbau von Jügesheim. Er ist Mitglied des städtischen Zukunftsrats.

Rodgau Die Stadt begeht bei der Planung des neuen Einzelhandelszentrums im Jügesheimer Ortskern womöglich gravierende Fehler. Davor warnt der erfahren Architekt und Stadtplaner Gregor Fröhlich (Hainhausen).

Er vermisst eine Risikoanalyse, eine unabhängige Machbarkeitsstudie und mehr Vorsicht bei dem Großprojekt. Der frühere Leiter der Offenbacher Stadtplanung und Stadtentwicklung reklamiert, die Stadt Rodgau lasse sich bei dem Vorhaben von Investoren vor sich her treiben. Deshalb regt Fröhlich an, dass die Stadt - analog zu der bereits vorgestellten Marktanalyse - eine unabhängige städtebauliche Machbarkeitsstudie in Auftrag gibt. Eine solche Studie sei in sechs Monaten zu bekommen. Kosten: 50.000 bis 100.000 Euro.

Die Machbarkeitsstudie soll die städtebaulichen Grenzen einer Verkaufsflächenkonzentration in Jügesheim aufzeigen. Dabei müsse deutlich werden, ob und wie weit der innere Bereich von Jügesheim seine heutige noch dörflich-kleinteilige Prägung aufgeben und diese durch eine Konzentration großformatiger Baukörper ersetzt werden soll. „Es ist daher notwendig, dass die städtebaulich zu untersuchende Fläche deutlich über den derzeit diskutierten Entwicklungsbereich für Einzelhandel in Jügesheim zwischen Hintergasse und Ostring hinausgeht“, appelliert Fröhlich.

Die Studie solle marktwirtschaftliche Aspekte außen vorlassen, den Investoren klare Grenzen aufzeigen und Vorstellungen formulieren, wie sich die Stadt Rodgau die Zukunft des Jügesheimer Ortskerns als Stadtzentrum und dominanter Rodgauer Einzelhandelsstandort vorstellt. Noch überhaupt nicht geklärt sei zum Beispiel die Frage, wie sich die Neubauten des Einzelhandelszentrums in die bestehende Bebauung einfügen sollen. „Wem mutet man in den Randzonen zum Beispiel die nicht attraktiven Bereiche von Ver- und Entsorgung zu? Wie sollen die Nahtstellen zwischen Alt und Neu aussehen? Welche Fußwegeverbindungen müssen unbedingt erhalten bleiben?“, wirft Fröhlich weitere Fragen auf. Die Stadt dürfe sich nicht dem Diktat der Investoren unterwerfen. Diese würden alle Aspekte rein wirtschaftlich betrachten, in ihrem Sinne lösen und dann als den einzig gangbaren Weg darstellen. „Die versprechen das Blaue vom Himmel.“ Die Verantwortlichen bei der Stadt sollten deshalb „ihre eigene Urteilskraft schärfen“.

Adventsmarkt in Jügesheim

Adventsmarkt in Jügesheim

Die Grundüberlegung zu dem Projekt findet der Stadtplaner richtig: Kaufkraft in Rodgau binden. Im sensiblen Ortskern bedürfe es aber einer ebenso sensiblen Planung. Wie berichtet, hat die Rathausmehrheit der Kooperation jüngst den Ausbau des Ortskerns von Jügesheim zum Stadtzentrum beschlossen. Zwei Fachausschüsse sollen nun aus den vier Vorschlägen von Investoren den besten auswählen und der Stadtverordnetenversammlung vorschlagen. Das alles soll in Abstimmung mit den Grundstücksbesitzern geschehen. Sollten die Pläne realisiert werden, wird der Ortskern von der Kirche bis zum Ostring eine Großbaustelle. Ohne Abbruch alter Bausubstanz ist das neue Einzelhandelszentrum nicht zu haben.

Fröhlich ist Rodgau nicht nur als Wohnort vertraut, sondern auch aus fachlicher Sicht. Von 1971 bis 1979 wirkte sein Ober-Röder Planungsbüro ASR mit an der Regional- und Bauleitplanung für Rodgau. ASR gewann den von der damaligen Regionalen Planungsgemeinschaft Untermain ausgelobten Wettbewerb zur städtebaulichen Zukunft von Rodgau. Parallel arbeitete Fröhlich im Frankfurter Stadtentwicklungsamt, um 1979 nach Offenbach zu wechseln. Seit 2007 ist der Stadtplaner im Ruhestand. Das Thema fesselt ihn freilich noch immer.

(bp)

Quelle: op-online.de

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