Soziale Medien und das Recht auf Privatsphäre

Die Schwachstelle im Internet ist der Mensch

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Sicherheit im Internet ist sein berufliches Anliegen: Kriminalhauptkommissar Markus Wortmann arbeitet im Offenbacher Polizeiladen als Präventionsfachberater für „Cybercrime“.

Jügesheim - Für einen bewussten Umgang mit persönlichen Daten im Internet warb Kriminalhauptkommissar Markus Wortmann vor rund 90 Zuhörern in der Aula der Georg-Büchner-Schule. Auch zum Schutz vor Straftaten könne jeder Nutzer etwas tun.

„Wer hat schon mal seine Eltern gegoogelt?“ Im Saal gehen die Hände hoch. Manche Eltern schauen verdutzt. Mit Suchmaschinen könne man bis zu 80 Merkmale über eine Person herausfinden, berichtet Markus Wortmann. Umso wichtiger sei es, möglichst wenig eigene Daten preiszugeben. Das ist in doppelter Hinsicht eine Sache der Einstellung. Es kommt sowohl auf die persönliche Haltung als auch auf das Justieren der Technik an. „Wenn Eltern ihrem zwölfjährigen Kind ein 700-Euro-Handy überlassen, tragen sie auch die Verantwortung für die Grundeinstellungen“, betont der Kripo-Bbeamte.

Es sei wichtig, dass sich Eltern und Kinder auf Augenhöhe begegnen und gemeinsame Absprachen treffen. Beispiel: Am Smartphone wird der WLAN-Zugang ausgeschaltet, wenn man aus dem Haus geht – dann hält auch der Akku länger. „Was haben wir eigentlich früher ohne Whatsapp gemacht?“, fragt Markus Wortmann. Eine Mutter meldet sich: „Ich wollte kein Whatsapp, aber mein Sohn spielt Fußball. Sonst wird ein Spiel abgesagt und wir erfahren es nicht.“ Dafür muss sie jede Menge Geplapper in Kauf nehmen: „Allein heute habe ich 100 Nachrichten aus der Fußballgruppe bekommen.“

Soziale Medien machen es einfach, Informationen mit anderen zu teilen. Die Privatsphäre bleibt leicht auf der Strecke. Wortmann erklärt das am Beispiel von Fotos. „Darf ich ein Foto von dir machen?“, fragt ein Freund. „Na klar!“ Sobald der Freund das Bild aber an andere Personen weiterleitet, ist das eine Veröffentlichung: Er muss den Abgebildeten um Erlaubnis fragen. Aber wer tut das schon?

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Fotos im Netz können sich als Bumerang erweisen. Jugendliche, die Partyfotos einstellen, denken nicht daran, dass sie sich irgendwann um eine Arbeitsstelle bewerben wollen. Auch Kinderfotos können später peinlich werden. Der Kommissar weiß von einer 17-Jährigen, die ihre Eltern deshalb erfolgreich auf Schadenersatz verklagte. Zurückholen kann man so ein Foto kaum: „Das Internet vergisst nichts und macht an keiner Landesgrenze Halt.“ (eh)

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Quelle: op-online.de

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