Wagenräder vor Holzwurm gerettet

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Die Wagenräder von Günter Kratz haben gut und gerne 100 Jahre auf dem Buckel und glänzen wie neu.

Dudenhofen (pul) ‐ Schön anzusehen sind sie allemal und dekorativ dazu. Die vier Wagenräder von Günter Kratz (70) gehörten zu einem russischen Ponywagen und stammen aus dem Ersten Weltkrieg.

Nun überlegt der Dudenhöfer, ob ein Heimatverein oder Museum Interesse daran haben könnte. Über die Jahrzehnte hinweg perfekt gepflegt, schmücken sie bei der Familie Kratz die gemütliche Grillecke. Die vier Prachtstücke aus längst vergangenen Zeiten stehen neben dem Kamin, gemeinsam mit dekorativen Kuhglocken und der Wildschweinhaut an der Wand.

„Mein Großvater war im Ersten Weltkrieg“, erinnert sich Günter Kratz an die Erzählungen seiner Oma. Als Großvater Johann Adam Petzinger nach den Kampfhandlungen zu Hause wieder die Landwirtschaft betreiben wollte, fehlten dort die Fuhrwerke. Sie waren für die Armee eingezogen worden.

Kurzerhand nach Hanau auf den Markt gefahren, kam Großvater Petzinger mit einem Pferd und einem gebrauchten Ponywagen aus russischer Produktion zurück. Das Vehikel rollte auf den Rädern, die heute an der Raiffeisenstraße stehen.

Die Jahrzehnte vergingen, der Wagen leistete gute Dienste, aber auch die Holzwürmer hatten daran ihre Freude. Als ein Traktor im Hause Kratz den Ponywagen ablöste, hieß es für das Fuhrwerk: Ab in die Abstellkammer.

Heute haben die vom Wagen verbliebenen vier Räder gut ein Jahrhundert auf dem Buckel. Etwa 40 Kilogramm schwer und aus Eiche gefertigt, sind die Holzräder top in Schuss. Günter Kratz hat neue Eisen aufziehen lassen, teils ist das alte Metall darunter erhalten geblieben. Die Speichen werden noch immer von acht der zwölf originalen Schrauben und Muttern an der Narbe gehalten.

Günter Kratz sind die vier Schmuckstücke ans Herz gewachsen. Wenn aber ein Heimatverein oder -museum bei ihm anklopft, ist er für Gespräche offen.

Quelle: op-online.de

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