Dauerstau auf vielen Parkplätzen - Fernfahrer finden keine Stellplätze. Eindrücke von der A3-Raststätte Weiskirchen.

Wahnsinn auf der Autobahn

An erholsamen Schlaf ist hier nicht zu denken. Dicht an dicht stehen die Lkw auf der Raststätte Weiskirchen. Fotos: Gebhard

Rodgau - Lastwagen parken dicht an dicht, Ausfahrten sind blockiert, es ist kaum noch ein Durchkommen - das ist mittlerweile der normale Wahnsinn auf vielen Rastanlagen und Autohöfen an deutschen Autobahnen. Von Robin Gebhard

Die oft überfüllten Lastwagen-Parkflächen an deutschen Autobahnen sollen weiter ausgebaut werden. Seit 2008 sind mehr als 6300 zusätzliche Plätze entstanden, wie ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums sagte. Bis 2012 sollen es 11 000 sein. Sind schon Veränderungen spürbar? Wir haben an der A3 auf der Raststätte Weiskirchen bei Berufskraftfahrern nachgefragt:.

Friedrich Hüttner fährt seit 1979 Lkw. In den ersten Jahren ist er auch international unterwegs gewesen, heute fährt er nur noch innerhalb Deutschlands. Auf einer Raststätte stand er schon lange nicht mehr, das ist ihm zu stressig. Friedrich Hüttner bevorzugt es, bei den Kunden auf dem Hof zu übernachten, weil er da in Ruhe schlafen kann. Oft sind die Fahrer nämlich gezwungen in Richtung der Fahrspuren zu parken, an erholsamen Schlaf ist dabei nicht zu denken.

„Dabei ist es natürlich eine Sache der Einteilung meiner Fahrtzeit, nicht immer gelingt es, den Kunden innerhalb der zulässigen Zeit zu erreichen, da braucht nur ein Stau dazwischen kommen und ich muss meine Lenkzeit überziehen“ sagt der erfahrene Kraftfahrer, merkt aber an, dass die Polizei in solchen Fällen immer recht gnädig sei. Friedrich Hüttner sucht generell lieber länger nach einem freien Parkplatz und riskiert seine Fahrzeit zu überziehen, weil er auf einer Raststätte keine gefährlichen Situationen provozieren möchte. Der Fahrer kritisiert in diesem Zusammenhang Polizei und eigene Kollegen „Ich finde es unmöglich auf dem Verzögerungsstreifen oder in den Zufahrten der Raststätten zu parken, da braucht nur mal einer zu schnell abzufahren und muss dann abrupt bremsen und schon gibt es einen Unfall“. Von der Polizei fordert er, „dass die vordersten Parkplätze für Notfälle gesperrt bleiben“.

Viktor Nowokowski fährt seit 14 Jahren Lkw. Er kommt gerade aus der Dusche und ist froh darüber, dass er überhaupt duschen konnte „Hier gibt es nur eine einzige Dusche,“ bemängelt er, „generell lässt der Komfort auf den Raststätten und Parkplätzen zu wünschen übrig!“ Auch er kritisiert den mangelnden Lärmschutz zwischen Parkplatz und Autobahn.

Auf die Frage, ob er häufig in Gewerbegebiete ausweicht antwortet er, dass das nicht immer eine Alternative sei, „denn auch auf der Fahrt abseits der Autobahn läuft der Fahrtenschreiber mit, so verliere ich Zeit, die ich eigentlich auf der Autobahn verbringen müsste“. Außerdem herrsche in vielen Gewerbegebieten ein Halteverbot für Lkw.

Für Viktor Nowokowski stellen besonders Pkw, die auf Lkw-Parkstreifen stehen, ein großes Problem dar. „Wenn ein Auto vor mir auf dem Streifen steht und später weg fährt, kann ich nicht einfach vorfahren um Platz für die Lkw hinter mir zu schaffen, weil der digitale Fahrtenschreiber kleinste Bewegungen registriert.“ Dadurch würde die vorgeschriebene Ruhezeit unterbrochen. Der Kraftfahrer bemängelt auch, dass es auf vielen Raststätten unverhältnismäßig viele Parkplätze gibt , die für Lkw Fahrer tabu sind. „Die haben oft Brücken zur Höhenbegrenzung, da komme ich nicht drauf und nachts parken nur sehr selten Autos auf den Raststätten, das sind sehr viele verlorene Parkmöglichkeiten!“. Als Beispiel nennt er den Parkplatz Wonnegau auf der A61 bei Worms, hier gibt es 120 Pkw-Parkplätze und 60 Lkw-Parkplätze. Von intelligenten Parkleitsystemen hält er nicht allzu viel, lobt aber die Lösung der Raststätte Montabaur. Hier löst man beim Befahren einen Parkschein und gibt die gewünschte Verweildauer an, ein entsprechender Parkplatz wird dann zugeteilt. Das System besteht seit sechs Jahren und konnte die nächtliche Kapazität des Parkplatzes von 42 auf 84 Parkplätze erhöhen.

Kraftfahrer Andreas Meyer fährt Futtermittel für Tiere aus und ist der Meinung, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten zwar mitverantwortlich für das Parkproblem sind, generell aber zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Lkw-Fahrer geführt haben. „Früher haben die Speditionsunternehmer die Fahrer unter starken Termindruck gesetzt, die Erholung kam dabei oft zu kurz, das geht heute nicht mehr!“

Der Berufskraftfahrer parkt nur auf Raststätten oder bei Kunden, die eine Dusche zur Verfügung stellen. Überzeugt gibt er zu verstehen: „Ich habe ein Recht auf sanitäre Einrichtungen, deshalb stelle ich mich auf keinen wilden Parkplatz!“ Andreas Meyer sagt, dass die Parkplätze entlang der Autobahnen noch mehr überlastet wären, wenn das Parken beim Kunden nicht möglich wäre. Er bedauert aber, dass immer weniger Kunden eine Dusche zur Verfügung stellen.

Von den baulichen Maßnahmen der Länder hat übrigens noch keiner der Fahrer profitiert. „Man sieht zwar die Baustellen, spürt aber noch nichts“, sagt Friedrich Hüttner. Viktor Nowokowski gehen die Bauarbeiten zu langsam, und Andreas Meyer erzählt von einem Parkplatzneubau auf der A2, der gleichzeitig auf beiden Seiten der Autobahn durchgeführt wird, wodurch eine komplette Rastanlage wegfällt.

Quelle: op-online.de

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