Wahrlich königlich glänzend

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Facettenreich präsentierte sich das Orchester.

Dudenhofen ‐ Auch die Besten können nicht alles - beziehungsweise nicht alles gleich gut. Der Musikverein Dudenhofen, der am Wochenende mit seinen beliebten Kamelienkonzerten zweimal hintereinander das Pflanzenzentrum Blumenau der Familie Fischer füllte, steht für begeisternde sinfonische Blasmusik. Von Manfred Meyer

Er kann ebenso kammermusizieren, cool sonnenbebrillt bluesbrother-zwölftakten, bigband-jazzen, hinreißend hemdsärmelig volkstümeln und knorrig scheppernd brecht/weill-ig dreigroschen-opern. Allein Barockes und Sakrales im Kirchenraum (selbstverständlich nicht die Königsdisziplin von Musikvereinen, deren Orchester in aller Regel keine Spezialisten, sondern Allround-Ensembles sind) setzten in der Vergangenheit nicht immer alle Beteiligten so einfühlsam und behutsam um wie ihr bei derlei Anlässen meist trompetender Maestro Rainer Fenchel.

Eingebettet in ein Meer der Blüten, gab das Orchester des Musikvereins Dudenhofen sein Bestes.

Umso gespannter konnte der Dudenhöfer-Kenner sein, wie sie ihre fünfteilige Suite aus Georg Friedrich Händels „Wassermusik“ darstellen würden. Tadellos - konnte nach dem Schlussakkord des „Allegro“ konstatiert werden. Man war hier schließlich nicht im Gotteshaus, sondern inmitten einer festlich illuminierten Pflanzenpracht - und man konzertierte nicht in kleiner Early-Music-Besetzung, sondern ließ den bezwingenden Händel‘schen Barock-Flow als ganzes, konzentriert gestaltendes Tutti großdimensioniert, aber schlank im Sound „swingen“ und rollen. Somit war das Jubiläum „100 Jahre Musikverein Dudenhofen“ - wahrlich gar königlich glänzend - konzertant eröffnet. Dem setzte die Formation zu Beginn der zweiten Hälfte der insgesamt über zweieinhalbstündigen Abende mit Edward Elgars grandiosem „Pomp & Circumstance“ (hier die „Nr. 1“) noch ein weiteres Krönchen auf.

Rainer Fenchel und seine Musiker rollten klanglich den Roten Teppich zum Jubiläum aus.

Somit war klangprächtig der Rote Teppich für die Festivitäten des Jahres gelegt und hin zur Ruhmeshalle der geplanten Festlichkeiten auch beschritten. Mit den anderen Programmparts der Kamelienkonzerte präsentierte Rainer Fenchel weitere Facetten seines stattlichen Klangkörpers. Dabei machte er zweierlei deutlich. Er ging bei der neunten Kamelienhaus-Doppelausgabe back to the roots und kehrte wieder mehr den ursprünglichen Serenadenkonzert-Charakter der Veranstaltung hervor. Er manifestierte sich - Punkt zwei der Fenchel-Intention - in Volksnahem, Volksmusikalischem, Folkloristischem und Operettenhaftem. Dabei wurde der Schmackes in Suppés „Pique Dame“ ebenso hervorgeholt, wie Moderator Heinz Karnbach das zuvor angekündigt hatte. Und bei Tschaikowskys „Slawischem Tanz“ ging das Orchester - insbesondere die Schlagwerker-Sektion - an den obersten Rand der Dynamik-Leiter, ohne den Klang zerbersten zu lassen.

Ganz dicht gewoben gelang Williams‘ „English Folk Song Suite“ mit den schönen Trompetenstellen am Schluss, im Marsch „Folk songs from Somerset“. Leichte Lincke-Muse und Märsche beschlossen die heftig beklatschten Abende, die in ihrer Mitte wiederum eine halbe Stunde Platz geboten hatten für Smalltalk und die Beschäftigung mit der Kunst der Malerin und Kamelien-Expertin Heide Jakob, die anwesend war. Ausgefallen hingegen war Steffen Zankl, der „Blue bells of Scotland“ solistisch posaunen sollte. „Darüber kann man echt froh sein“, sagte der Dudenhöfer Ortsvorsteher Karl-Heinz Kühnle begeistert und augenzwinkernd zu seinem Sitznachbarn. Denn so kam das Auditorium in den Genuss von Walter Tuschlas „Posaunen-Express“, den die sechs Blasorchester-Posaunisten derart publikumswirksam aufführten, dass sie dies gleich nochmal tun mussten.

Quelle: op-online.de

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