Ärger in Rodgau

Waldarbeiten mitten in der Brutzeit

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Rodgau - Waldarbeiten mitten in der Brut- und Setzzeit haben am vergangenen Wochenende Spaziergänger verärgert und irritiert. Eine Leserin reklamierte, unweit der Rodgauer Baustoffwerke seien am Samstag zehn bis zwölf Männer mit der Motorsäge zugange gewesen.

„Ihre Autos hatten polnische Kennzeichen.“ Hessen-Forst sind die Waldarbeiten bekannt. „Das ist ein Unternehmen, das für uns arbeitet“, sagt der stellvertretende Forstamtsleiter Michael Löber. Tatsächlich habe die Brut- und Setzzeit schon begonnen. Entsprechende Gesetze würden aber nicht für den Forstbetrieb und die Landwirtschaft gelten. Bedeutet: Hobbygärtner dürfen während der Brut- und Setzzeit ihre Hecken nicht zurückschneiden, um brütende Vögel nicht zu stören. Im Wald darf Hessen-Forst aber munter weiter Bäume fällen. „Die Landwirtschaft kommt derzeit ja auch nicht zum Erliegen“, erläutert Löber. Er versichert, die Waldarbeiten nahe den Baustoffwerken seien etwa bis Ostern beendet. Auf der fraglichen Fläche würden Ersatzaufforstungen aus den 80er Jahren für Baumaßnahmen von Opel und den Baustoffwerken „ausgedünnt“. Es handele sich um „Jungbestände von Kiefern“.

Viel früher als noch im vergangenen Jahr haben die Vögel heuer mit der Brut begonnen. Der Winter war einfach zu mild, das Frühjahr hat extrem früh begonnen. Meise, Amsel und Zaunkönig sind die Ersten. Viele nisten bevorzugt in Hecken. Wer wissentlich ihre Nester zerstört, verstößt gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Danach sind die Lebensstätten der Tiere geschützt. Werden die Vögel bewusst gestört, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer maximalen Geldbuße von 50.000 Euro geahndet werden kann.

Gärtner sollten deshalb, bevor sie mit dem Schnitt beginnen, das Gehölz kontrollieren. Falls sie fündig werden, müssen sie sich selbst mit kleinen kosmetischen Korrekturen gedulden. Die meisten Vögel brüten bis Ende Juli. Nur Grünfink, Hänfling und Gimpel benötigen Zeit bis August. Gänzlich verboten ist in der Brut- und Setzzeit die Radikalverjüngung von Hecken, das „Auf-den-Stock-setzen“. Letzte Frist für solche Aktionen war der 28. Februar.

(bp)

Quelle: op-online.de

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