Idylle des Waldes ist trügerisch

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Förster Bernhard Gerstner (links) erläuterte der Gruppe auch die Gefahren, die für den Wald von Pilzbefall ausgehen.

Rodgau - Die Stille und der Friede im Wald sind manchmal trügerisch. Denn wo immer Menschen unterschiedlicher Interessen aufeinandertreffen, ist Streit programmiert. Von Bernhard Pelka

Das zeigte auch die jüngste Walderkundung des Ortsbeirats Hainhausen. Noch bevor die Radtour mit Förster Bernhard Gerstner an der Spitze begonnen hatte, erlebten die 15 Teilnehmer am Sammelpunkt Waldfreizeitanlage zwei klassische Konfliktfelder. Ein Hundebesitzer, den die Gruppe an den Leinenzwang im Wald erinnerte, reagierte äußerst angestochen auf den Hinweis. Und zwei Reiterinnen waren mit Pferden unterwegs, die keine Kennzeichen trugen.

Förster Gerstner riet aus eigener Erfahrung, bei Streitgesprächen mit Hundebesitzern unbedingt Zeugen dabei zu haben. „Sonst wird man womöglich der Nötigung bezichtigt.“ Der Waldexperte schnitt ein weiteres brisantes Thema an, das immer drängender werde: Unfallgefahr durch viel zu ehrgeizige und sportliche Radfahrer. Vor drei Jahren sei eine Frau bei einem Zusammenstoß auf einem Waldweg an einer Kreuzung unweit der Freizeitanlage schwer verletzt worden. „Sie leidet noch heute an den Folgen“, berichtete ein Teilnehmer der Rundfahrt, der das Unfallopfer kennt.

Die Zwei-Stunden-Tour führte allerdings hauptsächlich die schönen Seiten des Waldes vor Augen. Mehrfach machte die Gruppe Halt, um typische Merkmale des lokalen Baumbestands kennen zu lernen. Buchen mischen sich unter die Kiefern, die Douglasie ist wegen ihrer enormen Wuchsleistung auf dem Vormarsch. Außerdem verträgt sie den Klimawandel besser.

„Spitzenpreise“ für Kiefer

Gerstner sprach ausführlich über Vor- und Nachteile der Holzsorten, erläuterte die Nährstoffaufnahme von Bäumen, berichtete über die Forstwirtschaft und nannte dabei die aktuellen „Spitzenpreise“ für Kiefer: 70 bis 80 Euro pro Festmeter. Das gilt natürlich nicht für minderwertiges Industrieholz.

In einem Bestand mit 138 Jahre alten Kiefern und mächtigen Buchen erfuhr der Ortsbeirat Interessantes über die Bedeutung der vielen Zeichen, die Forstmitarbeiter mit Farbe auf die Rinde von Bäumen sprühen. Striche in grellen Neonfarben bedeuten: der Baum wird bald gefällt. Einen schwarzen Ring hingegen tragen ausgesprochen hochwertige Zukunftsbäume, die noch eine Weile stehen bleiben, um die Gewinnspanne zu maximieren. Weiße Balken markieren die Begrenzungen der so genannten Rückestraßen. Auf diesen bewegen die Forstleute ihre Ernte-Maschinen.

Zahlen und Buchstaben kennzeichnen so genannte Beobachtungsbäume. Diese dienen über Jahrzehnte hinweg als Anschauungsobjekte, wenn es um die Folgen der Schadstoffbelastungen geht. Eine der letzten Stationen war der Schmitt-Graben an der Gemarkungsgrenze zu Heusenstamm, ein früherer Zufluss zum Bieberbach, der heute trocken liegt. In diesem Wasserschutzgebiet sprach Gerstner ein weiteres Reizthema an. Angesichts des enormen Wasserverbrauchs in der Region wäre es wichtig, im Sinne einer nachhaltigen Wasserwirtschaft dem Oberflächenwasser bei Sturzregen und Hochwasser Möglichkeiten der langsamen Versickerung zu schaffen. Das Wasser werde heute meist „viel zu schnell abgeleitet“.

Quelle: op-online.de

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