Waldkindergarten muss nachbessern

Mehr Wärme für die Waldzwerge

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Nieder-Roden - Der Waldkindergarten „Wühlmäuse“ muss seine beiden Hütten in der Nähe des Don-Bosco-Heims versetzen und mit einer Heizung versehen. Früher durften Bauwagen oder Hütte nur als Lagerraum und keinesfalls als Unterschlupf bei schlechtem Wetter dienen.

Nun fordert der Kreis Offenbach einen warmen Aufenthaltsraum für den Winter. Der Trägerverein der „Wühlmäuse“ muss in den nächsten Monaten fast 20.000 Euro investieren. Für die Elterninitiative ist das viel Geld - zu viel Geld.

„Das Hauptproblem ist, dass es beheizbare Aufenthaltsmöglichkeiten für die Kinder geben muss“, berichtet Brigitte Stern-Gerstner, die Vorsitzende des Vereins für Waldpädagogik. Außerdem sollten die Hütten nicht in der unmittelbaren Nähe von Bäumen stehen. Nach vielen Gesprächen mit dem Forstamt, der Unteren Naturschutzbehörde und der Kita-Fachaufsicht des Kreises hätten alle Beteiligten im März eine gemeinsame Lösung entwickelt. Demnach soll der Verein die Hütten versetzen, einen Stromanschluss legen lassen und eine Elektroheizung einbauen. „Das wollen wir bis zum 30. September umsetzen“, kündigt Brigitte Stern-Gerstner an.

Für anhaltend klirrende Kälte ist Vorsorge getroffen

Für die Zwergengruppe der Kinder unter drei Jahren gab es bereits im vergangenen Winter eine Übergangslösung: einen gebrauchten Bauwagen, der mit einer Elektroheizung ausgestattet war.

Der Waldkindergarten verfügte bereits in den Anfangsjahren 2004/2005 über einen Bauwagen. Doch für die Kinder galt „Betreten verboten“ - die Behörden wollten es so. Der Bauwagen, der später durch eine Hütte ersetzt wurde, durfte nur Geräte- und Materiallager sein. Die Erzieher/innen und die Kinder machten das Beste daraus: Getreu dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur ungeeignete Kleidung“ hielten sie sich auch bei Regen und Schnee im Freien auf.

„Wir gehen jeden Tag zu jeder Jahreszeit in den Wald“, schreibt der Waldkindergarten auf seiner Internetseite. Bei Gewitter oder Sturm stellen sich die Kinder am Don-Bosco-Heim unter; wenn es gar zu schlimm wird, werden sie von den Eltern früher abgeholt. Auch für anhaltend klirrende Kälte ist Vorsorge getroffen: Dank der Kooperation mit der städtischen Kindertagesstätte in der Alten Schule Nieder-Roden finden die „Wühlmäuse“ bei extremen Wetterlagen dort Asyl.

Aufwand von 20.000 Euro

Doch für die Kleinsten ist der Weg zur Turmstraße zu weit. Gerade für Kinder unter drei Jahren sei eine Aufwärmmöglichkeit aber zwingend vorgeschrieben, erklärt Kreis-Pressesprecherin Kordula Egenolf: „Da haben wir keinen Entscheidungsspielraum.“ Als der Trägerverein 2009 eine Gruppe für unter Dreijährige aufmachen wollte, habe die pädagogische Fachberatung pflichtgemäß die Voraussetzungen geprüft. Gemeinsam mit dem Trägerverein habe man eine gute Lösung gefunden, die nun auch genehmigt sei.

Nicht nur die Heizungsfrage musste geklärt werden. Die Forstverwaltung äußerte auch Sicherheitsbedenken: Bei einem Sturm könnten fallende Äste möglicherweise Kinder und Erzieher gefährden. Deshalb müssen die Hütten nun umziehen - die eine um etwa 100 Meter, die andere gut doppelt so weit. Heute wollen die Eltern damit beginnen.

Die Versetzung der Hütten und der Stromanschluss fordern die Elterninitiative bis weit über die Grenzen der finanziellen Belastbarkeit. Brigitte Stern-Gerstner beziffert den Aufwand mit annähernd 20.000 Euro Kosten, „die wir alleine nicht stemmen können“, wie Vereinskassiererin Claudia Schmidt sagt. Seit Monaten wirbt der Verein für Waldpädagogik deshalb um die Unterstützung von Stiftungen, Unternehmen und anderen möglichen Geldgebern. Doch ob das reicht? Die „Wühlmäuse“ sind auch auf Spenden von Privatpersonen angewiesen.

Auch aus der Politik kommt ein erstes Signal der Unterstützung. Ralf Kunert, der Vorsitzende der SPD-Stadtverordnetenfraktion, kündigt Hilfe beim Einwerben von Firmenspenden an. „Das Konzept des Kindergartens ist sehr spannend und eine tolle Ergänzung zu den klassischen Kindertagesstätten“, meinte der Vater einer sechsjährigen Tochter nach einem Besuch im Wald: „Der Verlust des Kindergartens wäre unverzeihlich.“

eh

Quelle: op-online.de

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