Wasser fließt in neuen Rohren

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Die Baufirma musste den Austausch der Wasserrohre im Frühjahr auf Anweisung der Stadt Rodgau unterbrechen, weil der Kanalbau Vorrang hatte.

Nieder-Roden/Rollwald (eh) ‐ Der Winter hat noch nicht richtig begonnen und trotzdem häufen sich derzeit die Wasserrohrbrüche. Schuld daran sind zum Beispiel in Nieder-Roden die alten Leitungen aus Faserzement. Dieses Material gilt aus heutiger Sicht als kritisch, weil es Druckschwankungen nicht ausgleichen kann.

Etwa 140 Rohrbrüche ereignen sich jährlich im Versorgungsgebiet des Zweckverbandes Gruppenwasserwerk Dieburg (ZVG), davon 20 bis 25 in Nieder-Roden und Rollwald. Der jüngste Rohrschaden in Rollwald liegt erst wenige Tage zurück. Wenn eine Hauptleitung platzt, löst das in der zentralen Schaltwarte Alarm aus. Rohrbrüche vor Ort können die Kunden rund um die Uhr unter Tel.: 06073 603-0 melden.

Damit solche Ereignisse seltener werden, investiert der Zweckverband seit sieben Jahren verstärkt in sein Leitungsnetz. Das kostet rund vier Millionen Euro im Jahr. Damit werden jährlich 1,6 bis 1,8 Prozent der Rohre erneuert. Bei mehr als 1 000 Kilometer Rohrleitungen im Verbandsgebiet sind das 16 bis 18 Kilometer pro Jahr.

„Bei uns ist das im Wasserpreis mit drin.“

Im Leipziger Ring sowie in der Breslauer und Stettiner Straße hat das Wasserwerk allein in diesem Jahr rund 300 Meter Hauptleitung ausgetauscht. Schadhafte Hausanschlüsse wurden gleich mit erneuert. Den Anliegern entstünden dadurch keine Zusatzkosten, betont Wolfram Wittwer, technischer Betriebsleiter des ZVG: „Bei uns ist das im Wasserpreis mit drin.

Die Baufirma musste den Austausch der Wasserrohre im Frühjahr auf Anweisung der Stadt Rodgau unterbrechen, weil der Kanalbau Vorrang hatte. Im Herbst wurden die Arbeiten an gleicher Stelle fortgesetzt.

Gerade bei den Hausanschlüssen wurde in der Vergangenheit gespart. Oft seien Polyethylen-(PE)-Rohre mit einer Lebensdauer von nur 40 bis 50 Jahren eingebaut worden, so Wittwer. Nun gebe es dieses Material in besserer Qualität. Moderne PE-Leitungen, wie sie in Neubaugebieten verwendet werden, sollen rund 70 Jahre halten.

Der nächste Schwerpunkt der Sanierung werden die Altorts la gen. Dort gibt es noch alte Graugussrohre vom Beginn der öffentlichen Wasserversorgung im Jahr 1930. „Die haben das Problem, dass sie sich zusetzen“, erklärt Wolfram Wittwer. Der Zweckverband habe das ehrgeizige Ziel, in den nächsten 15 Jahren auch die Leitungen in diesen historischen Bereichen zu erneuern, wie zuletzt in Babenhausen. Dabei orientiere sich der ZVG an ohnehin notwendigen Baumaßnahmen bei Kanalisation oder Fahrbahnerneuerung, um die Anwohner möglichst wenig zu belasten.

Im Leipziger Ring und seinen Nebenstraßen ist das nach Anwohnermeinung allerdings misslungen. Dort wird seit Monaten - mit Unterbrechungen - immer wieder gegraben. Eine Baustelle jagt die andere.

Vorwiegend Leitungen aus Faserzement verlegt

Nicht nur die Anwohner werden aufatmen, wenn die jahrelangen Bauarbeiten im Gebiet Leipziger Ring endlich vorbei sind. Auch das Gruppenwasserwerk Dieburg hat Grund zur Freude, wie Betriebsleiter Wolfram Wittwer sagt: „Wir haben das ganze Viertel in den letzten vier fünf Jahren komplett erneuert. Das war unser Sorgenkind.“ Aber auch im Gebiet nördlich der Rodgau-Ringstraße (Münchner, Stuttgarter und Seestraße gilt es die vorhandenen Leitungen in den nächsten Jahren zu erneuern.

Die Rohre dort sind Anfang der 60er Jahre gelegt worden“, erklärt Clemens Geiß, der als Abteilungsleiter für das Rohrnetz des ZVG zuständig ist. Nicht das Alter der Rohre sei das Problem, sondern das Material. Im neuen Ortsteil von Nieder-Roden wurden vorwiegend Leitungen aus Faserzement verlegt. Sie halten 60 bis 80 Jahre, sind aber sehr druckempfindlich. Bei mechanischer Beanspruchung bersten sie in tausend Stücke.

Das war vor drei Jahren anschaulich zu erleben, als am 15. November ein armdickes Rohr in der Stuttgarter Straße kaputtging. Es wurde auf sechs Metern Länge zerfetzt. Der schlagartig erhöhte Druck im Wasserrohrnetz brachte am anderen Ende der Gartenstadt eine weitere Leitung zum Bersten, 900 Meter Luftlinie entfernt.

Quelle: op-online.de

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