Geheimnisse unter der Grasnarbe

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Auf der Suche nach elektrischem Widerstand im Boden: Prospektor Martin Posselt (rechts) und Roland Schlitt vom Geschichts- und Kulturverein (links).

Hainhausen (eh) - Wo stand die Hainhäuser Wasserburg? Eine Antwort auf diese Frage erhofft der Geschichts- und Kulturverein Hainhausen (GKH) von einer Ausgrabung, die für den Sommer geplant ist.

Auf der großen Wiese zwischen Burgstraße und August-Neuhäusel-Straße wird erstmals systematisch nach Mauerresten gegraben.

Wo die Forscher den Spaten ansetzen müssen, ist klar: südlich des Anwesens der Familie Kottek und östlich des ehemaligen Mühlgrabens. Bei einer geoelektrischen Untersuchung im Auftrag des GKH hat Martin Posselt (Mühltal) zwei so genannte Störkörper im Boden entdeckt, bei denen es sich um Steinbefunde handeln könnte. Besonders auffallend ist eine massive Fläche am Mühlgraben, die nur zum Teil von der Messung erfasst wurde. Sie weist eine Kantenlänge von bis zu neun Metern und einen rechten Winkel auf. Der GKH vermutet dort ein Turmfundament. Ob diese Annahme zutrifft, soll nun eine Ausgrabung klären.

„Wir wussten von der Wasserburg, konnten aber nicht sagen, wo sie lag“, beschreibt Dagmar Kroemer von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach das Dilemma: „Die Prospektion hilft uns, zu wissen, wo wir graben müssen.“

Zunächst werde sich die Grabung „auf relativ kleine Schnitte beschränken“, um die Wiese möglichst wenig zu beschädigen. „Wir haben gute Chancen, etwas zu finden“, meint Kroemer. Ihren Optimismus begründet sie mit bereits vorliegenden Bodenfunden aus dem 9. bis 13. Jahrhundert.

Suche nach Sponsoren

Ebenso gespannt wie die ehrenamtlichen Heimatforscher ist die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger: „Das ist die einzige Burg im Kreis Offenbach, von der wir wissen, an der noch nicht gegraben wurde.“ Dennoch muss Jäger den Tatendrang etwas bremsen. Noch sei die Wiese zu nass, um mit dem Graben zu beginnen. „Das geht nur im Hochsommer, weil auch der Naturschutz eine Rolle spielt.“ Bei der Ausgrabung unter Leitung der beiden Kreis-Archäologinnen werde man auch ehrenamtliche Helfer einsetzen: „Wir könnten das gar nicht alleine.“

Die Grabung ist zunächst auf eine bis zwei Wochen angelegt. Die Genehmigung der Landesdenkmalbehörde ist auf den Bereich östlich des Mühlgrabens beschränkt. Wie es danach weitergeht, hängt laut Dagmar Kroemer davon ab, was man im Boden vorfindet: „An Mauern kann man sich auch entlanghangeln“, deutet sie an.

Plan

Die Helfer müssen nicht allzu tief graben, um auf Steine zu stoßen. Die geoelektrische Untersuchung reicht laut Martin Posselt etwa einen Meter tief: „Wir hätten auch sehr viel tiefer hineinschauen können, aber dann hätten wir eine viel schlechtere Auflösung erhalten.“ Selbst mit teurem Bodenradar wäre man nicht viel weiter gekommen: „Elektromagnetische Wellen werden spätestens am Grundwasserhorizont reflektiert.“ Für die Suche nach der Wasserburg hat der GKH bisher rund 2 200 Euro ausgegeben, wie Vorsitzender Roland Schlitt berichtet. Nun suche der Verein nach Sponsoren, um die Grabung zu finanzieren.

Quelle: op-online.de

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