Grabung geht nächstes Jahr weiter

Burgmauer wird zugeschüttet

+
Bei der Grabung wurde offenbar Fundamente der Ringmauer freigelegt. Links im Bild wird der Burghof vermutet, rechts ist „außen“.

Hainhausen (eh) - Die Grabung nach der Wasserburg Hainhausen soll im Sommer 2013 weitergehen. Zunächst wird die Grabungsstelle aber wieder zugeschüttet, damit die Mauerreste im Winter keinen Schaden nehmen.

Morgen, Samstag, ist die vorerst letzte Gelegenheit, die Funde zu besichtigen. Nach der umfangreichen Grabung vom Sommer haben Helfer der Bodendenkmalpflege in den vergangenen zwei Wochen weitere Teile freigelegt. Dagmar Kroemer, eine der Archäologinnen des Kreises Offenbach, spricht von „ziemlich sensationellen Funden“: „Die Burg hat wirklich Spannendes zu bieten.“ Sicher sind sich alle Beteiligten, dass es sich bei den Funden um Reste der Wasserburg der Herren von Haginhusen (Hainhausen) handelt. Diese Adelsfamilie wurde 1108 erstmals erwähnt. Bereits im 19. Jahrhundert wurden bei der Vertiefung des Mühlgrabens Reste eines runden Wohnturms von elf Meter Durchmesser entdeckt.

Lesen Sie zur Wasserburg in Hainhausen auch:

Eichenholzpfahl aus 12. Jahrhundert entdeckt

Fortschritte an der Wasserburg

Graben nach der Geschichte

Suche nach Wasserburg beginnt

Wo stand einst die Wasserburg?

Östlich des Mühlgrabens ist nun ein 19 Meter langer Teil einer Mauer zu sehen, die von Nordwest nach Südost verläuft und dann nach Südwesten abbiegt. „Wir haben die Fundamente der Umfassungsmauer entdeckt“, berichtet Dagmar Kroemer. Die erste Annahme, es handele es sich um einen Teil des Bergfrieds, also des Turms, habe sich nicht bestätigt. Ein Eichenholzrost unter der Mauer sollte offenbar das Gewicht verteilen. Im feuchten Erdreich der Rodau-Niederung hat sich organisches Material erhalten, das bei anderen Bodenverhältnissen längst verrottet wäre. So fanden sich Geweihstücke und sogar Lederreste.

Hainhausen: Teilerfolge bei Ausgrabungen

Die Ausgrabungen der Hainhausener Wasserburg sind im vollen Gange. Zwei Archäologen und viele weitere freiwillige Helfer beteiligen sich an dem Projekt. Mittelalterliche Funde weisen bereits auf ein „herrschaftliches Anwesen“ hin.

Zum Video

Ein eindrucksvolles Fundstück ist ein 1,90 Meter hoher Eichenpfosten, der anhand der Jahresringe exakt datiert werden konnte. Der Baum wurde demnach im Jahr 1158 gefällt. Ein erstaunlich spätes Datum: Wenige Jahrzehnte danach, spätestens um 1180/90, erhielt Gerhard III. von Hainhausen die Burg Eppstein als Lehen und verlegte seinen Stammsitz dorthin. Sein Sohn Gottfried I. blieb in Hainhausen. Die Burg in Hainhausen wurde wohl um 1300 endgültig aufgegeben, als der Amtsmittelpunkt des Eppsteiner Besitzes in der östlichen Dreieich nach Steinheim am Main verlegt wurde.

Die Funde der Grabung passen zum Inventar eines begüterten Haushalts. Fenster wurden im Mittelalter meist mit Holzläden oder Leder verschlossen, eine in Hainhausen entdeckte Butzenglasscheibe weist aber auf höheren Wohnkomfort hin, ebenso Bodenfliesen aus Ton. Neben der damals üblichen grauen Glimmerware für Koch- und Vorratsgefäße gab es Kannen und andere Behälter aus rot bemalter Pingsdorfer Ware. Auch die Geweihreste im Abfall passen in dieses Bild: „Wild zu schießen, war im Mittelalter dem Adel vorbehalten“, so Kroemer.

Ein Turm und eine Ringmauer mit Wassergraben, außerhalb davon die Nebengebäude: So ähnlich könnte die Wasserburg ausgesehen haben, erläutern Archäologin Dagmar Kroemer und Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger.

„So lange ich denken kann, gab es schon immer Gerüchte und Geschichten, dass hier eine Burg gestanden hat“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger gestern vor der Presse: „Aber ich hätte mir nie träumen lassen, was hier zum Vorschein gekommen ist.“ Nur gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen und dem Geschichts- und Kulturverein Hainhausen (GKH) sei die Grabung möglich gewesen. Nun wird die Fundstelle erst einmal mit wasserdurchlässigem Geovlies abgedeckt und mit dem Erdaushub aufgefüllt. „Die Mauer geht kaputt, wenn man sie offen liegen lässt“, warnt Dagmar Kroemer. GKH-Vorsitzender Roland Schlitt ergänzt: „Der mittelalterliche Kalkmörtel hat jetzt schon gelitten.“

Quelle: op-online.de

Kommentare