Wasserflugtreffen am Badesee

Überflug mit 50 Sachen

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Rainer Luniak ist seit gut 40 Jahren Vereinsmitglied und kann seine Flugzeugmodelle fast schon nicht mehr zählen. Sein Eigenbau einer Canadair CL-415 ist gut in Schuss.

Rodgau - Einmal im Jahr erproben die Mitglieder des Flug- und Modellbauclubs Dietzenbach auf dem Badesee vor Publikum ihre Wasserflugzeugmodelle. Diesmal setzten Wind und Wetter Mensch und Maschinen mächtig zu. Es gab bei der Flugschau sogar einen Absturz. Von Bernhard Pelka 

Vorsitzender Ralf Kaiser war nach dem schönen Sonntagnachmittag mit der Veranstaltung trotzdem zufrieden. „Das Wetter können wir uns nun mal nicht aussuchen.“ Der Cessna-Nachbau torkelt gewaltig. Windböen packen die leichte Styroporkonstruktion, schütteln sie durch, lassen sie in Luftlöcher fallen. Zeitweise wackeln die Tragflächen wie ein Hundeschwanz. Pilot Jörg Schmahl braucht viel Geschick, um die kleine Maschine abzufangen. Vollgas ist angesagt. Und bloß das Steuer nicht vernachlässigen. Mit Mühe gelingt die Landung auf der aufgewühlten Wasserfläche. Doch dann drückt ein Windstoß das Modellflugzeug auf den Rücken. Auf den Tragflächen statt auf den Schwimmern treibt es auf dem See. Einsatz für Peter Albert und Jürgen Noah im Rettungsboot.

Sofort hüpfen sie vom Ufer aus in ihre kleine Nussschale und steuern zielstrebig auf die Cessna zu. Schnell ist das Flugzeug erreicht und auf die Schwimmer gedreht. Da der Motor noch läuft, wagt Pilot Jörg Schmahl einen Neustart – was sich Sekunden später als Fehler erweisen wird.

Die Propellermaschine hebt zwar kontrolliert ab, fällt dann aber plötzlich wie ein Stein vom Himmel: Sturzflug in den Badesee! Das Wasser muss die Elektronik mehr beschädigt haben, als Jörg Schmahl dies vermutet hatte. ,,Es war zu riskant, noch mal zu starten“, ärgert sich Schmahl über sich selbst.

Wieder sind Peter Albert und Jürgen Noah gefragt. Mit ihrem Boot bergen sie den Patienten. Den hat es übel erwischt. Die Nase und der Motor fehlen, die Tragfläche ist vom Rumpf abgerissen, die Schwimmer gebrochen. ,,Totalschaden“, stellt Schmahl konsterniert fest.

Bilder: Wasserflugschau am Badesee

Der vom Wetter und einem technischen Fehler beeinflusste Unfall bleibt am Flugwochenende die Ausnahme. Viele Piloten lassen ihre Maschinen unbeschadet aufsteigen und sausen mit bis zu 161 km/h über den See, lassen die Modelle Pirouetten drehen und Steilflüge machen. Ständiger Begleiter ist dabei das unsichere Wetter – weshalb (bis auf den Sonntagnachmittag) weniger Zuschauer kommen als in den vergangenen Jahren bei dieser Veranstaltung. Zugleich bleiben für den Verein rund 500 Euro Fixkosten für die zwei Flugtage – Miete für den städtischen See und alle Genehmigungen inbegriffen.

Aber vielleicht lassen sich 2018 aus ähnlichen Terminen mehr Einnahmen erzielen. Die Dietzenbacher Modellbauer haben mit der Stadt Rodgau einen neuen Mietvertrag über eine Nutzung des Sees auch an herkömmlichen Tagen abgeschlossen. „Dafür sind wir Bürgermeister Jürgen Hoffmann und dem Strandbadmanager Thomas Dursun dankbar. Wir sind jetzt einer der wenigen Vereine, die regelmäßig auf eine so tolle Wasserfläche dürfen“, ist’s Vorsitzender Ralf Kaiser zufrieden.

Wasserflugzeug-Treffen am Badesee Nieder-Roden: Fotos

Künftig solle es einmal vor der Badesaison und einmal nach der Badesaison Flugtage geben. Der Termin im Frühjahr sei als Seminar ausgelegt, bei dem es Tipps für Neueinsteiger gibt. „Gäste sind aber immer willkommen.“ Gedacht wird überdies an einen Flugbetrieb auch unter der Woche nach dem Ende der Öffnungszeiten ab 20 Uhr. „Das muss dann aber immer mit dem Vorstand abgestimmt werden.“

140 Mitglieder hat der Verein derzeit, darunter 40, 45 Aktive. Zu ihnen gehören auch Wolfgang Steinbacher und Rainer Luniak. Während Steinbacher für seine Modelle aus einer blauen Plane einen provisorischen Regenschutz bastelt, schraubt Luniak an einem Doppeldecker die Streben zwischen den Tragflächen fest. Sein kritischer Blick richtet sich auf den dunklen Himmel. „Zu viel Wind. Und später wahrscheinlich auch noch Regen. Schade.“ Dem erfahrenen Modellbauer ist das Risiko zu groß. Sein imposanter Nachbau eines Löschflugzeugs bleibt am Boden. Der Eigenbau hat eine Spannweite von 2,35 Meter und wiegt neun Kilogramm. Zwei kräftige Elektromotoren schieben es in den Himmel.

Modellflieger-Rennen am Badesee

Im Original kann die Canadair CL-415 von Bombardier sechs Tonnen Löschwasser während des Tiefflugs über einen See aufnehmen. Der Tank in Luniaks Eigenbau fasst einen Liter. Der Rumpf ist aus Isolierschaumplatten, die Tragflächen aus einem von Balsaholz überzogenen Styroporkern.

Nicht nur Luniaks Löschflugzeug hebt zumindest am Samstag nicht ab. Auch andere Vereinskollegen gehen auf Nummer sicher. Zum Aufwärmen gehen sie ins beheizte Zelt, trinken einen heißen Kaffee und essen eine Wurst. Derweil nimmt Astrid Steinbacher weitere Pilotenmeldungen entgegen. Wie viele Maschinen letztlich aufsteigen werden, ist aber ungewiss. Es ist eben kein wirklich gutes Flugwetter.

Quelle: op-online.de

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