„Wasserschlange“ nimmt Gestalt an

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„Schnitzen im Großen“: Mit Axt und Kettensäge bearbeitet Christian Rösner das Holz der rund 150 Jahre alten Eichen. Fotos:

Jügesheim (eh) - Die Kettensäge dröhnt im Rodau-Park. Werden da etwa alte Parkbäume gefällt? Nein. Die Säge gehört einem Bildhauer. Christian Rösner aus Nürnberg hat mit der Arbeit begonnen.

An der Konrad-Kappler-Straße modelliert er eine riesige Holzskulptur mit dem Namen „Wasserschlange“. Ganz Rodgau kann ihm dabei zusehen. „Für mich ist das Schnitzen im Großen“, sagt der 42-Jährige. Statt feiner Details bevorzugt er grobe Strukturen. Axt und Kettensäge sind seine „Schnitzmesser“.

Das Material ist eine der wetterbeständigsten Holzarten, die in Rodgaus Wäldern wächst: Eiche. Etwa 150 Jahre alt sind die beiden Bäume aus dem Wald zwischen Nieder- und Ober-Roden. Der eine fiel einem Sturm zum Opfer; den anderen fällten Waldarbeiter vor einem Jahr, um für Verkehrssicherheit zu sorgen.

Aus dem harten Holz schlägt und sägt der Künstler fünf Menschenfiguren und die Teile eines Schlangenkörpers. Eine Bleistiftskizze verrät, wie das fertige Werk aussehen soll: Fünf Menschen unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Alters tragen eine Schlange.

Die symbolische Bedeutung für Rodgau ist klar: Wie eine Schlange windet sich die Rodau durch die fünf Stadtteile. Das Wasser ist ein verbindendes Element, obwohl sich die Stadtteile ihre Unterschiede bewahrt haben. Die „Wasserschlange“ ist eine Auftragsarbeit für den Kreis Offenbach. Eine Jury hatte den Entwurf von Christian Rösner unter neun Bewerbungen ausgewählt. Der Wettbewerb „Kunst vor Ort“ war mit 15.300 Euro dotiert.

Zugehörigkeitsgefühl durch Kunst

Kunstinteressierte können dem Künstler zusehen und miterleben, wie sein Werk wächst. Rösner ist noch heute und morgen im Rodau-Park zugange, dann erst wieder in der nächsten Woche vom 26. bis 30. September.

Auch Schulklassen aus den drei Grundschulen in Jügesheim und Hainhausen wollen dem Künstler im Park einen Besuch abstatten. Gemeinsam mit Annemarie Pötzelberger vom Kunstforum Seligenstadt werden sie Fische aus Balsaholz anfertigen. „Sie sollen sehen, dass Kunst richtig Arbeit ist“, sagt die Künstlerin und Galeristin. Die Begegnung mit Christian Rösner soll auch ein Gefühl der Zugehörigkeit wachsen lassen. Dies sei bisher an allen Standorten von „Kunst vor Ort“ gelungen, so Pötzelberger: „Die Arbeiten stehen mitten im öffentlichen Raum und die Menschen sehen sie als ,Ihres’ an.“

„Kunst im öffentlichen Raum signalisiert die Ortsbezogenheit der Kunst und die Einbindung von Kunstwerken in den Alltag der Menschen“, teilt Landrat Oliver Quilling zum Hintergrund von „Kunst vor Ort“ mit. Das Projekt entstand 1999 aus einer gemeinsamen Initiative der Sparkasse Langen-Seligenstadt und des Kreises Offenbach, um die Verbindung von Kunst, Region und Öffentlichkeit zu fördern. Seither wurden Kunstwerke in zehn Städten und Gemeinden realisiert, zuletzt die „Himmelsleiter“ von Sigrid Siegele an der Kilianusbrücke in Mainhausen. Die Kosten trägt die Sparkasse. Als drittletzte Kommune im Kreis Offenbach ist jetzt Rodgau an der Reihe. Nur Hainburg und Seligenstadt fehlen noch.

Quelle: op-online.de

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