Im Seniorenheim Haus Elfriede wird früher Weihnachten gefeiert

Ein bisschen Familie sein

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Die Bewohner verkürzten die Wartezeit mit Bewegungs- und Gesellschaftsspielen in der „guten Stube“. Ein guter Geist im Haus Elfriede ist Gerlinde Jung (rundes Bild mit Heimleiter Udo Albrecht). Die Weihnachtszeit genießt die 79-Jährige besonders.

Rollwald - Im ältesten Seniorenheim in Rodgau fängt Weihnachten einen Tag früher an. Bescherung ist im Haus Elfriede zwar wie überall an Heiligabend, gefeiert wird traditionell aber schon am 23. Dezember.

So halten es die Inhaber Gisela und Udo Albrecht, um noch bestehenden Familienbeziehungen nicht im Weg zu stehen: Knapp die Hälfte der aktuell 33 Bewohner bekommt zum Festauftakt oder über die Feiertage von Angehörigen Besuch. Rücksicht auf die Familien nehmen, für die Alleinstehenden unter den Schützlingen selbst Familie sein – das fügt sich nahtlos in das Konzept, das die Albrechts seit Übernahme der in den 1980er Jahren gegründeten Einrichtung im Jahr 2011 an der Lahnstraße in Rollwald fahren. „Es ist überschaubar, man kennt alle Bewohner und die Lebensgeschichten“, sagt Udo Albrecht. Auch Geschmäcker und Vorlieben, und so bekommt jeder und jede an Heiligabend von der Heimleitung ein individuelles Geschenk.

Wie die Gaben bei den Beschenkten ankommen, ist freilich nicht immer ganz klar. Viele der Bewohner in Haus Elfriede leiden unter Demenzerkrankungen. Auf den Umgang mit ihnen sei sein Haus spezialisiert, so Albrecht. Drei der 29 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien für die psychosoziale Betreuung besonders geschult. Weil die Integration in eine Gruppe – sonst die Regel – nicht bei allen Betroffenen möglich sei, würden einige einzeln betreut. Drei Demenz-Patienten tragen aktuell einen Weglaufschutz – ein kleines Gerät ähnlich einer Armbanduhr, das Alarm auslöst, sobald sein Träger das Haus verlässt. Für den Umgang mit Demenzerkrankten bekam die Einrichtung jüngst vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) eine glatte Eins.

Eine fröhliche Feier zu gestalten und möglichst alle einzubeziehen, erscheint unter solchen Bedingungen zwar nicht einfach, ist aber Routine für die Albrechts und ihr Team. Gefeiert werde im Haus Elfriede das ganze Jahr, sagt der Geschäftsleiter – die üblichen Feste wie Ostern und Weihnachten ebenso wie Geburtstage. Hinreichend Erfahrung hat das Ehepaar selbst mitgebracht. Ursprünglich Betriebswirt, hat Udo Albrecht lange im Sozialdienst gearbeitet und war zehn Jahre angestellter Leiter in einem großen Pflegeheim. Gisela Albrecht ist als gelernte Hotelfachfrau und langjährige Leiterin einer Pension Expertin für Hauswirtschaft und Dekoration.

Neben ihrem Pflegeteam stehen den Betreibern weitere kompetente Helfer zur Seite. In der hauseigenen Küche bereiten zwei Köche und vier Hilfskräfte täglich vier Mahlzeiten für die Bewohner zu. Zu Weihnachten sollen Gänsebrust in Orangensoße und zum Nachtisch Bratäpfel mit Marzipan-Nuss-Füllung auf den Tisch kommen. Neun der Bewohner sind laut Udo Albrecht noch in der Lage, das Festmahl gemeinsam im weihnachtlich dekorierten Speisesaal im Erdgeschoss zu genießen. Den übrigen werde der Schmaus auf den beiden oberen Etagen serviert.

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Verlassen können sich Betreuer und Bewohner auch auf Gerlinde Jung. Die 79-Jährige lebt seit einigen Jahren im Haus Elfriede und macht sich nützlich, wo immer sie kann. „Sie hatte ein schweres Leben“, weiß Udo Albrecht. Ihre Geschichte erzählt die geborene Jügesheimerin bereitwillig – von Hunger und Armut nach dem Krieg, ihrer Zeit als ungelernte Krankenpflegerin in Westfalen, Arbeiterin in der DDR und später als ausgebildete Schwester im Krankenhaus in Seligenstadt. Auch von zwei gescheiterten Ehen. Oft leide sie unter ihren Erinnerungen, weiß Albrecht, aber „die Weihnachtszeit tut ihr gut“: Da gebe es ständig zu tun und die festliche Dekoration überall schaffe eine besondere Atmosphäre.

Damit der Advent im Haus Elfriede spürbar wird und die Vorfreude wachsen kann, überlassen die Albrechts und ihre Mitarbeiter kaum etwas dem Zufall. Seit über drei Monaten plant der hauseigene Sozialdienst laut Udo Albrecht das Programm für die Weihnachtsfeier, die Feiertage und die Zeit davor. So gab es am 6. Dezember ein Nikolausfest, einige Tage später ein Adventssingen und am Montag dieser Woche noch einmal eine Adventsfeier. Vorbereitet wurden die Veranstaltungen in mehreren Team-Sitzungen. Häufig bekamen die Bewohner Besuch von ehrenamtlichen Helfern, die das ganze Jahr über mit ihnen Gesellschaftsspiele spielen, Kaffee trinken oder einfach zuhören.

Die Weihnachtsfeier heute soll am Nachmittag mit einer kleinen Andacht beginnen. Erwartet wird Besuch von einer Flötengruppe aus Darmstadt, die jedes Jahr kommt. Danach geht es im Aufenthaltsraum, der „guten Stube“, ganz gemütlich mit Liedern, Gedichten und Weihnachtsgeschichten weiter. Derweil plant das Festkomitee schon den nächsten Anlass: Auch Silvester findet eine kleine Feier im Haus Elfriede statt. (zrk)

Quelle: op-online.de

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