Spende für Vereinsraum

Festkonzert in Nieder-Roden hat viele Glanznummern

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Jürgen K. Groh führte wie gewohnt gekonnt durchs Konzertorchester-Programm, von dem er eine Hälfte dirigierte. Die andere Hälfte leitete seine Kollegin Marleen Maria Martiny.

Nieder-Roden - Volles Bürgerhaus am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags. Und: volles Programm des Musikvereins Nieder-Roden. Anlass war das traditionelle Festkonzert. Den Anfang machte das Jugendorchester. Ihm folgte nach der Pause das Konzertorchester, 25 Damen und 21 Herren. Von Manfred Meyer 

Nach einem Wasserschaden im Proberaum muss der Fußboden renoviert werden. Dafür konnte Vereinssprecherin Else Knaf zwei Spendenschecks entgegen nehmen. Der größere, 2 500 Euro, kam vom Schlagzeuger Johannes Kunze.

Hätte „Paris Montmartre” nicht am Programmschluss gestanden, wo die Kraft der Ausführenden des Konzertorchesters natürlich zur Neige ging, und wäre das Stück etwas kürzer, seine Nieder-Röder Interpretation wäre in vollem Umfang die Glanznummer des Festkonzerts geworden. So konnte der aufgebaute große, hohe Spannungsbogen lange, nicht aber ganz bis zum finalen Akkord ganz oben gehalten werden. Was wenig ausmachte, gelang die Umsetzung davor zu mehr als zwei Dritteln doch geradezu weltklasse. Allein die hervortretenden Dialoge von Querflöten und Klarinetten: überwältigend. Überdies war der Abend ohnehin gespickt mit sehr Erfreulichem. Das begann schon beim Erscheinen des Konzertorchesters mit „Adventure!” von Markus Götz. Dabei packten besonders die treibend schnellen, kantig rockenden, wirbelnden Passagen mit den staubtrocken geblasenen, galoppierenden Posaunen. Mit ihnen in vollem Lauf: die Klarinetten, die es dabei noch schafften, stabil dagegen zu halten. Die sich anschließende „Arabesque” von Samuel R. Hazo ist vom Charakter her stellenweise fast schon klischeehaft orientalisch. Kein Problem für die Nieder-Röder, die sie so lebendig, akzentuiert, farbenprächtig und prall ausmalten, dass sie ihre pulsierende Darstellung zum Highlight des Konzerts machten und mit einer umwerfenden Portion Karawanen-Fortissimo krönten.

Die Krone des Abends teilen muss sich das Hazo-Werk mit der Nieder-Röder Version des vielgespielten „Jungle Book” von George Bruns. Sie dürfte somit die amtierende Rodgauer Referenz-Darbietung dieser Komposition geworden sein. Keine Extreme oder Rekorde in Sachen Rhythmik, Strahlkraft oder Phonstärke, eher moderat musiziert. Aber mit dieser Vorgabe transparent, schlank und letztlich optimal gelungen. Davor: ein konzertanter Ruhepunkt, ein Schlaflied für seine Töchter, „Goodnight”, von Thomas Doss. Und dann folgte vom 31-jährigen Hanauer Dirk Mattes ein Neue-Musik-Schmankerl. Aus „Drei Briefmarken für Blasorchester” der „Dialog der Nasobeme”, den Trompeter Daniel Burkhardt und Britta Sauer auf ihrer Klarinette ausfochten.

Gäbe es eine Krone für die Musikerin des Abends, Britta Sauer hätte sie verdient für Team- und Leader-Fähigkeit und Leistungsträgerschaft. Es war ein Quell der Freude, ihr zuzuhören - und: ihr zuzusehen, wie sie beim Spielen fast mittanzte im Sitzen. Sie führte eine ohnehin starke Holzbläser-Abteilung an, als deren Säulen sich die Klarinetten erwiesen. Abwechslungsweise leitete das Dirigenten-Tandem Marleen Maria Martiny und Programmgestalter Jürgen K. Groh. Er präsentierte sich in Sachen Mimik, Gestik, Outfit und Dirigat ganz als nicht selten augenzwinkernder Maestro. Kollegin Martiny gab den Ausführenden eher mit wenig Körpersprache, aber mit ausladenden Armbewegungen ihre Zeichen und Anweisungen.

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Auch dem Jugendorchester im ersten Teil standen zwei alternierende Dirigenten vor. Leicht torerohaft Christian Ott und kerzengerade Isabella Kohls, die später im Konzertorchester bei den Klarinetten mannschaftsdienlich brillierte. Der konzentriert agierende Vereinsnachwuchs zeigte, dass er gut sein wollte. Was im insgesamt gelang, mit Wohlklang, „Norse Legend” (Elliot Del Borgo), konsonanter/dissonanter Programmmusik, „Robinson Crusoe” (Bert Appermont), mit Soundtrack-Evergreen „Indiana Jones” (John Williams) sowie - kurz und knackig - mit „Rock the Night” von Markus Götz. Das Publikum applaudierte, johlte und pfiff vor Vergnügen - beim Konzertorchester trampelte es noch. Dafür der Lohn: Zugaben beider Orchester.

Quelle: op-online.de

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