Bestes Heimspiel seit Jahren

Weiskircher haben beim Adventskonzert einen echten Lauf

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Stark waren beim Adventskonzert die Trompeten- und Percussions-Sektionen der Weiskircher. Bei Steve Wonders „Sir Duke” waren allen voran die Blechbläser gefragt und gefordert.

Die Erwartungen des Publikums im vollen Bürgerhaus waren hochgesteckt. Als beim Adventskonzert 2019 des Musikvereins Weiskirchen schließlich der Vorhang fiel, waren sie so erfüllt worden, dass das Auditorium alles gab und damit drei Zugaben herausholte.

Weiskirchen - Somit dauerte dieser große Abend nahezu drei Stunden. Er begann gleich erfreulich mit dem seit vielen Jahren unter der Leitung von Anja Schrod stehenden Nachwuchs. Das stattliche, 35 köpfige Jugendorchester, startete sehr schön mit einem James-Curnow-Arrangement von Edvard Griegs Suite „Peer Gynt” - und steigerte sich danach Schritt für Schritt. Von „Les Misérables”, einem Arrangement von Michael Sweeney, bis hin zum „Clarinet Boogie” von James D. Ployhar plus Zugabe.

Dann, ohne Pause, fliegender Wechsel zum 55-köpfigen Blasorchester des Vereins. Maestro Dietmar Schrod bestieg sein Podest und startete mit einer kreisenden Handbewegung aus der Hüfte einen Auftritt, der beständig und unablässig Fahrt aufzunehmen schien. Auch die Konzertpause nach drei Stücken stoppte die Intensität, Wucht und Eindringlichkeit dieses Höhenflugs nicht. Sie unterbrach ihn lediglich für zwanzig Minuten zum Verschnaufen.

Das Adventskonzert trug die Überschrift „Von Grafen, Prinzessinnen und anderen Hoheiten”. Da aber, wie sich zeigte, eine jede Interpretation im Detail und als Ganzes so dermaßen ausgeprägt für sich stand und sprach, war das Motto nachgerade nebensächlich. So hielt sich Bastian Korff auch nicht groß mit Moderieren und Verknüpfen von roten Fäden auf. Er plauderte stattdessen zwischen den Stücken immer ein wenig mit dem Publikum, augenzwinkernd und humorvoll, was sehr gut ankam.

Rodgau-Weiskirchen: Orchester mit reichlich Swing

Das Orchester-Set enthielt reichlich Swing, Soul und Jazz. Von Billy Strayhorns „Take the ‘A’ Train” und Duke Ellingtons „Caravan” über Count Basies „Jumpin’ at the Woodside” als erste Zugabe bis hin zu Steve Wonders „Sir Duke”. Und, ums ohne Umschweife auf den Punkt zu bringen, die Weiskircher präsentierten das in Sound, Rhythmik und Schwung wie eine hoch motivierte professionelle Bigband.

Spontane Stand-up-Comedy mit vollem Körpereinsatz zum Schluss des Konzerts: Moderator Bastian Korff (links) und Vereinsvorsitzender Sebastian Wilhelm.

Bei inhaltlich gehaltvollen, interessanten und spannenden Klangbildern, Filmmusiken, Soundtracks und Musical-Storys wie das vom Klarinettisten Lukas Massoth fließend dirigierte Stück aus „The Beauty and the Beast”, im Toshio-Mashima-Arrangement, „The Count of Monte Cristo” von Otto M. Schwarz und Hans Zimmes „The Dark Knight” waren die Weiskircher noch besser. Sorgfältig arbeiteten sie Details in all ihren Konturen heraus und stellten die ganz großen Tutti-Akkorde in den Raum, ohne jemals Krach zu machen.

Rodgau-Weiskirchen: Adventskonzert mit originellem Sound

Der Sound blieb auch im monumentalsten Fortissimo transparent, geschmeidig und im Rahmen. Und egal wie sich das Blasorchester in der jüngeren Vergangenheit verändert und verjüngt hat, das konnten die Weiskircher schon immer: Stücke mit originellen, raffinierten Final-Parts heraussuchen, um sie mit geballten, stimmigen Schlussakkorden zu krönen, die ihnen so kaum jemand in der Region nachmacht. Auch am Samstag wieder mehrfach.

So bleibt unterm Strich ein Heimspiel der Weiskircher, das eines, wenn nicht das beste war im 21. Jahrhundert und darüber hinaus. Dabei ist letztlich egal, was sie spielten. Wie überzeugend, ja, überwältigend sie es taten, allein das zählt. Und das war ziemlich durchgängig überragend, ein echter Lauf. Dabei waren selbst die abschließenden Danksagungen vom Vorsitzenden Sebastian Wilhelm zusammen mit Moderator Korff noch ein kleines Highlight. Sie gerieten zu einem spaßigen Stückchen spontanem Stand-up-Comedy, das das Publikum erheiterte. Wilhelm: „Ich blicke freudig in die Zukunft.” Das kann er getrost – vor allem nach diesem Abend.

VON MANFRED MEYER

Quelle: op-online.de

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