Erwähnung schon im Jahr 1215

Weiskirchen älter als gedacht

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Arnold Haag (links) und Helmut Trageser entdecken bei ihren Recherchen in alten Urkunden immer wieder Neues über ihren Heimatort Weiskirchen.

Weiskirchen - Dem Spürsinn und der Ausdauer von Helmut Trageser und Arnold Haag vom Heimat- und Geschichtsverein ist eine kleine Sensation zu verdanken: Weiskirchen ist viel älter als bisher belegt. Haag und Trageser haben eine Urkunde entdeckt, die das beweist. Von Bernhard Pelka 

Diskret und bescheiden wie die beiden Heimatforscher nun einmal sind, haben sie das bisher nicht an die große Glocke gehängt. „Intern war das manchen Vereinen allerdings bekannt, was wir herausgefunden haben“, sagt Helmut Trageser. 2011 fanden Trageser und Haag bei Recherchen im Staatsarchiv Darmstadt eine Urkunde aus dem Jahr 1215, in der der Name Weiskirchen vorkommt. Bei der Übersetzung aus dem Lateinischen stellte Arnold Haag fest, dass es sich um eine Ersterwähnung von Weiskirchen handelte. So ist nicht das Jahr 1287 - wie bisher gedacht -, sondern das Jahr 1215 als älteste Erwähnung Weiskirchens beurkundet.

Damals schenkte ein gewisser „Hartliebus de Wiezenkchirchen“ der Kirche in Patershausen Grundbesitz. Das wurde schriftlich festgehalten. Die Urkunde ist in Lateinisch verfasst und ein Schenkungsregister der Patershäuser Kirche. Darin heißt es übersetzt: „Hartlieb von Weiskirchen übertrug uns ein Gut seiner Mutter, das einen Schilling jährlich einbringt.“

Schenkungen aus unserer Region

Erwähnt sind auch weitere Schenkungen aus unserer Region: „Hermann von Offenbach und seine Frau Kunigunde übertrugen uns ein Grundstück und Haus auf dem Markt, wo man Getreide verkauft, das 2 Schillinge jährlich einbringt.“ Und: „Gerlind und Mechthild, zwei Schwestern aus Heusenstamm, übertrugen dieser Kirche ein Haus ebenda, das jährlich 6 Pfennige einbringt.“

Weiskirchen kann also im nächsten Jahr sein 800-jähriges Bestehen feiern. Zur Einstimmung auf die Geschichte des Orts zeigt Helmut Trageser am Sonntag, 2. Februar, im Heimatmuseum einen Bildervortrag. Die Veranstaltung beginnt um 14.30 Uhr. Anschließend werden die Besucher mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Schon bald wird sich in der Gemeinschaft der Ortsvereine Weiskirchen ein Festausschuss konstituieren, um das Jubiläumsjahr zu planen. „Es steht noch nicht fest, wie das Ganze ablaufen soll. Aber es soll wohl übers ganze Jahr verteilt Veranstaltungen geben“, sagt Trageser. Als Höhepunkt könnte er sich ein großes Fest vorstellen nach dem Motto „Weiskirchen feiert auf der Gass“ - mit einer großen Festtafel durch den ganzen Ort.

Die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereinsvereins recherchieren regelmäßig in Archiven, um Neues über Weiskirchen zu entdecken. Das lohnt sich immer. Denn Hinweise darauf, dass der Landstrich schon vor Tausenden Jahren besiedelt war, gibt es viele. Nahe dem heutigen Gelände des Kleintierzuchtvereins wurden bereits etwa 4000 Jahre alte Scherben aus der Zeit der Schnurkeramikkultur gefunden. Und im Turm der Kirche findet sich ein dort wieder verarbeiteter Türbogen aus der Karolingerzeit.

Historische Entdeckungszüge

Bei ihren historischen Entdeckungszügen stoßen Arnold Haag und Helmut Trageser regelmäßig auf Verblüffendes. Zuletzt zum Beispiel im Staatsarchiv Marburg. Im vergangenen November gruben die zwei Hobbyhistoriker dort eine Urkunde von 1455 aus, in der es um die Abgaben der Hanauer Untertanen an den Pfarrer Andreas Rücker „zu Wyssenkirchen“ geht. Das Papier ist gleichsam die Eidesstattliche Versicherung, dass diese Abgaben zu fließen haben - urkundlich besiegelt und damit unverrückbar.

In der Schrift tauchen erstmals die Weiskircher Namen Horch und Winter auf. Und auch die Sandmühle wird erwähnt (die spätere Grabenmühle). „Das ist älter als alles Bisherige, was wir über die Sandmühle wussten“, freut sich Haag. Mit jedem Ausflug in ein Archiv stoßen Trageser und Haag ein weiteres Fenster in die Geschichte auf. „Von daher kann es sein, dass wir schon bald eine Urkunde finden, die beweist, dass Weiskirchen noch älter ist.“ Wie spannend.

Quelle: op-online.de

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