Bis auf die letzte Schraube zerlegt

Freude am Oldtimer - Alfred Rücker und sein BMW Dixi 

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In ein Schmuckstück hat Alfred Rücker den BMW Dixi von 1927 verwandelt. Wenn Sie auch ein Lieblings-Fahrzeug für den Sommer haben, zu dem es etwas zu erzählen gibt, melden Sie sich unter red.rodgau@op-online.de oder z 06106 6682124.

Ein Schmuckstück ist das feuerrote Vorkriegsmodell, das am Bahnhof auf mich wartet. Alfred Rücker hat viel Zeit, Energie, Geld und Ehrgeiz in seinen BMW Dixi aus dem Jahr 1927 investiert, den er von Grund auf überholt hat.

Weiskirchen - Für den 56-Jährigen ist der Wagen kein Prestigeobjekt, sondern ein Kulturgut, das es zu bewahren gilt. Der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker wurde 1986 von dem Scheunenfund bei seinem Großvater nahe Deggendorf (Bayern) überrascht. Die Scheune sollte abgerissen werden, um einer Straße zu weichen, die durch den Ort gebaut werden sollte. Dabei war die Familie auf das vergammelte Vorkriegsmodell aufmerksam geworden.

Kaum zu glauben, was aus diesem Haufen Schrott entstanden ist.

Kaum zu glauben, was Rücker aus dem Auto gemacht hat. Bis zur letzten Schraube und Niete hatte er das Gefährt zerlegt. Ein dicker Ordner belegt den Wiederherstellungsprozess, der 21 Jahre dauerte und 4000 Arbeitsstunden verschlungen hat. Gewerkelt wurde immer, „wenn Geld da war“, erzählt der gebürtige Aschaffenburger, der mit Frau und Kindern in Weiskirchen wohnt. Neben vielen Fotos hat der Bastler auch die Schenkungsurkunde des Großvaters aufbewahrt. „Die lückenlose Dokumentation der Herkunft steigert den Wert des Wagens“, erzählt der begeisterte Schrauber.

TÜV freut sich über seinen Besuch

Ihm selbst reicht die ideelle Bedeutung des Wagens. Gerade ist er mit dem Gefährt wieder beim TÜV erschienen. „Da  freuen sich alle immer wieder, wenn ich mit dem Auto komme“, erzählt er. Das Fahrzeug ist übrigens gar nicht so einfach zu fahren. Es muss zunächst per Kurbel angeworfen werden und braucht Zwischengas. „Da könnte keiner einfach so damit abhauen“, ist sich der Kraftfahrzeugexperte sicher. Es brauche viel Gefühl, Erfahrung und ein gutes Gehör, um den Wagen zu fahren.

Ein schönes, altes Schriftbild.

Richtig schnell ist der Wahl-Rodgauer, der sich auch im Heimat- und Geschichtsverein Weiskirchen engagiert, damit übrigens nicht unterwegs: Die 15 PS bringen nämlich nur eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. „Für manche Verkehrsteilnehmer wird man damit zum Hindernis“, erzählt der Autofahrer. Während die allermeisten Menschen sich freuen und mit dem Daumen nach oben zeigen, wenn sie das feuerrote Mobil sehen, zeigen einige Zeitgenossen doch überhaupt kein Verständnis für solch ein historisches Schätzchen, das sie am liebsten per Hupe zum schneller fahren bewegen würden. Vorausschauend sollte der Lenker des Wagens übrigens auch sein, denn die primitive Seilzugbremse ist nicht so richtig verlässlich oder zumindest extrem ungewohnt. Auch ein Blinker fehlt dem Fahrzeug, deswegen müssen wie auf dem Fahrrad deutliche Handzeichen gegeben werden.

Weitere Sammelstücke

Weil Rückers handwerkliche Fähigkeiten in seiner jetzigen Position als Technischer Leiter der Service-Abteilung der Firma Suffel nicht gefragt sind, ist das Schrauben am fahrbaren Untersatz und das Werkeln an Haus und im Garten ein wichtiger Ausgleich für den Hobby-Discjockey. Er hat weitere Fahrzeuge wie eine Harley-Davidson, ein Zündapp-Motorrad, eine alte Honda sowie einen Lanz Bulldog Traktor gesammelt und sucht nun nach dem nötigen Platz zum Unterstellen und auch zum Schrauben. Deswegen hofft er, dafür in Rodgau eine Scheune kaufen oder pachten zu können. Kontakt: z 06106 14004.

von Simone Weil

Quelle: op-online.de

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