Bei Hitze

Klär-Bakterien im Dauerstress

Sachgebietsleiterin Sylvia Grethe am Belebungsbecken. Sie versichert: „Der Betrieb läuft trotz Hitze reibungslos“. Fotos: pelka

Wenig Wasser, viel Hitze: Mit der aktuellen Witterung hat für die Belegschaft auf der Kläranlage Weiskirchen eine spezielle Zeit begonnen. Die Superhitze beschert zwar keine Probleme, die Anlage der Stadtwerke läuft reibungslos.

Weiskirchen – Im Belebungsbecken bauen Bakterien beim Reinigungsprozess lösliche organische Stoffe ab. „Wenn ich bei der Affenhitze einen Dauerlauf mache, schnaufe ich auch mehr als sonst“, erläutern Sachgebietsleiterin Sylvia Grethe und Elektromeister Thomas Larisch die Lage. „So geht’s auch unseren Bakterien. Sie brauchen zum Arbeiten zurzeit mehr Luft als sonst“. Ansonsten sei die Hitze aber kein großes Thema. „Grundsätzlich mögen’s Bakterien eher warm. Schwieriger wird es für uns erst wieder im Winter“, sagt die Kläranlagen-Chefin. Trotzdem wünscht sie sich keine Dauertemperaturen von 40 Grad und mehr.

Sollte es auch in den nächsten Jahren extreme Hitzeperioden geben, müsse man sich eventuell Gedanken darüber machen, die Kühlung der empfindlichen Steuertechnik noch auszubauen. Die Warte auf der Kläranlage, die Server und der Großteil der Schaltschränke, sind zwar klimatisiert. Das reiche in Zukunft aber womöglich nicht mehr aus, blickt Larisch voraus. „Zurzeit sammeln wir mit Hitzejahren und den Folgen ja erst noch Erfahrungen. Das geht ja erst seit etwa zwei, drei Jahren so extrem.“

Die volle Aufmerksamkeit der Betriebsleitung gilt aber nicht nur der Anlage, sondern vor allem auch den Mitarbeitern. „Die Flüssigkeitszufuhr muss bei dieser Hitze nicht nur im Klärbecken stimmen, sondern auch bei der Belegschaft“, umschreibt Sylvia Grethe einen wichtigen Aspekt im Scherz. Körperlich schwere Arbeiten würden in die Vormittagsstunden verlegt. „Zum Beispiel, wenn wir Maschinen warten oder mal eine Pumpe auseinanderbauen.“ Auch achte jeder darauf, zwischendurch mal Pause zu machen. Und es stehen zusätzliche Getränke bereit – wobei die Mitarbeiter die Kostenübernahme und die Besorgung unter sich regeln.

Richtig spannend wird es in der Kläranlage wohl erst wieder beim nächsten Starkregen. Der spült dann geballt an, was jetzt schon seit geraumer Zeit in den wenig genutzten Abwasserkanälen liegt und auf den Abtransport wartet.

Sorgen bereiten dem Team in Weiskirchen besonders die feuchten Toilettentücher, die immer mehr in Mode kommen. Gegenüber herkömmlichem Toilettenpapier haben sie den Nachteil, dass sie sich nicht zersetzen. „Dann müssen unsere Rechen und Pumpen in der mechanischen Reinigung Schwerstarbeit leisten.“ Manches Teil geht dabei kaputt – und die Reparaturkosten steigen.

Die mechanische Reinigung entfernt über den Rechen, einen belüfteten Sand- und Fettfang und das Vorklärbecken aber noch mehr ungelöste Stoffe aus dem schmutzigen Wasser: etwa Lappen, Papier, Hygieneartikel, Ohrenstäbchen, Gemüsereste und Glas.

VON BERNHARD PELKA

Quelle: op-online.de

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