Mehr als 24 000 Quadratmeter suchen einen Käufer

Wohnhäuser statt Industriebrache

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Graffiti und eingeschlagene Scheiben: ZmB-Stadtverordnete fühlen sich an die Bronx erinnert.

Weiskirchen  - Aus dem alten Fabrikgelände an der Brückenstraße könnte ein neues Wohngebiet für fast 100 Familien werden. Doch für die 24 000 Quadratmeter, die von zwei Lärmschutzwällen eingerahmt werden, hat sich noch kein Käufer gefunden. Von Ekkehard Wolf

Fast wie in der Bronx fühlt sich die Stadtverordnetenfraktion „Zusammen mit Bürgern“ beim Blick auf die verlassenen Bauten. Das Gelände wäre ihrer Ansicht nach „eine gute Location für den Dreh eines Rap-Videos“. Eingeschlagene Scheiben, kaputte Türen, Graffiti-Schrift auf dem Pförtnerhäuschen: Das zweistöckige Bürogebäude und die lang gestreckte Werkshalle strahlen den Charme einer Industriebrache aus.

Ältere Weiskircher nennen das Areal das „alte Atlas-Gelände“. Damals war es eine gute Industrielage – nur durch eine Wiese von der Autobahn 3 getrennt und über den Kreisverkehr an der Udenhoutstraße an die B 45 angebunden. So nah an der Autobahn hätte niemand wohnen wollen. Für die nächsten Nachbarn hatten die Industriegebäude sogar einen Vorteil: Die lang gestreckten Hallen schirmten die Häuser wenigstens ein bisschen vom Autolärm ab.

Schandfleck und Gefahrenquelle für Kinder

Nach dem Auszug von Atlas gab es weitere Nutzer, unter anderem die Rohé Tankanlagentechnik und eine Spedition. Heute sehen die ZmB-Politiker darin einen Schandfleck. Böhm: „Eine Gefahrenquelle für spielende Kinder, aber viel schlimmer ist das Erscheinungsbild, das dem Bild der Stadt Rodgau abträglich ist.“

Die ZmB-Fraktion sieht den Magistrat in der Pflicht, den unschönen Zustand zu ändern: „Wurde Kontakt mit dem Eigentümer aufgenommen, um im Rahmen der Gefahrenabwehr etwas zu unternehmen?“

Die Stadtverwaltung sieht keinen Handlungsbedarf. „Es ist ein Privatgrundstück, da haben Kinder sowieso nichts verloren“, sagt Pressesprecherin Sabine Fischer. Schon vor Jahren habe die Stadt den Eigentümer angesprochen, daraufhin sei das Gelände eingezäunt worden: „Warum das Tor offen steht, wissen wir nicht.“ Eine Gefahrenabwehr sei auch nicht notwendig, da weder vom Grundstück noch von den Gebäuden eine Gefahr ausgehe.

"Riesiges Abriss-Grundstück" 

Von einer Industriebrache will die Stadt nicht sprechen. „Das Gelände scheint verpachtet zu sein, da scheint auch regelmäßig Betrieb zu sein“, so Fischer. Was in Zukunft aus dem Areal werde, sei allein Sache des Eigentümers.

Die städtische Wirtschaftsförderung sehe keine Möglichkeit, das Gelände zu vermarkten: „Das mag anders gewesen sein, als es die Kreisel noch gab.“ Die Anwohner der Brückenstraße würden von zusätzlichem Gewerbeverkehr wohl nicht begeistert sein.

Auf einem Immobilienportal im Internet wird das Gelände Als „riesiges Abriss-Baugrundstück im Rodgau“ annonciert. Die 24 433 Quadratmeter sollen 3,9 Millionen Euro kosten. Der Kaufpreis liegt laut Makler weit unter dem Bodenrichtwert: 159 statt 390 Euro pro Quadratmeter.

Eine genehmigte Bauvoranfrage gebe es auch: 38 Doppelhäuser, zehn Einzelhäuser mit jeweils zwei Wohnungen und Parkplätze für 135 Autos. Derzeit werde versucht, eine Baugenehmigung für zwei Drittel Reihenhäuser und ein Drittel Doppelhaushälften zu erhalten, wie der Makler schreibt.

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Das ist auch im Rathaus bekannt. Eine Wohnbebauung sei offensichtlich mit dem Kreisbauamt abgestimmt, berichtet die städtische Pressesprecherin Sabine Fischer. Das sei laut Paragraph 34 des Baugesetzbuchs auch ohne Bebauungsplan möglich.

Fischer: „Wir haben zwar einen Bebauungsplan in Aufstellung, er wird aber nicht abgeschlossen, so lange nicht feststeht, was da entstehen soll.“ Der Plan mit der Nummer W 16 sah ursprünglich eine Mischbebauung für Wohnen und Gewerbe vor.

Quelle: op-online.de

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