Weiskircher Kerb im Ort verstreut

Weiskirchen - (eh) Drei Wochen vor der Weiskircher Kerb ist die örtliche Vereinswelt im Aufruhr. Die bisherige Kerbwiese steht nicht mehr zur Verfügung und zwei Alternativen scheiterten am Widerstand von Anwohnern.

Das Ende vom Lied: Mindestens zwei von sechs Vereinen machen nicht mehr mit, das Kerbgeschehen verteilt sich auf mehrere Stellen im Ort.

Ausgerechnet in der Pizzeria „Pompei“ brach der Vulkan aus: Wie die Lavaströme des Vesuv gingen die gesammelten Proteste der Hauptstraßen-Anwohner vor wenigen Tagen über den Vereinsvertretern nieder. Lärmbelästigung bis tief in die Nacht, betrunkene Nachtschwärmer und Urinpfützen an den Häuserwänden wurden befürchtet. Am Ende fühlten sich die Ehrenamtlichen wie zwischen Schutt und Asche. „Wir stehen vor einem Scherbenhaufen“, schildert Dieter Horch von der Freiwilligen Feuerwehr.

Angefangen hatte alles damit, dass der Eigentümer einer Wiese an der Pfarrgasse einen Zaun zog. Die Ortsvereine akzeptierten seine Entscheidung, schließlich hatte er das Gelände gut zwei Jahrzehnte lang kostenlos als Kerbplatz zur Verfügung gestellt. Im Lauf der Jahre hatte sich offenbar viel Ärger aufgestaut. „Aber nicht wegen der Kerb“, wie mehrere Vereinsvorstände betonen. Parkende Autos und Müllablagerungen seien der wahre Grund gewesen. Gegenüber unserer Zeitung lehnte der Eigentümer jegliche Stellungnahme ab: „Das ist eine Privatangelegenheit.“

Bei der Suche nach Alternativen hatten die Kerbvereine bisher kein Glück. Vor dem Heimatmuseum an der Bahnhofstraße würde ihr Zelt die Zufahrt einer Firma blockieren, die jeden Tag Warenlieferungen erhält. Als zweite Möglichkeit war die Hauptstraße 66 bis 78 im Gespräch: neben dem Kinderkarussell und vor dem Haus von Wehrführer Horch. Doch da erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Anwohnerin Marie Fecher schickte dem Ordnungsamt einen Protestbrief mit 39 Unterschriften.

Seit der lebhaften Auseinandersetzung im Nebenzimmer des „Pompei“ ist klar, dass es kein Miteinander gibt. „Jetzt hat sich die Kerb etwas zerstreut“, berichtet Herbert Paul, der Vorsitzende der Gemeinschaft der Ortsvereine Weiskirchen (GOW). Die Feuerwehr eröffnet die Kerb am Gerätehaus, die Rodgau Rangers bleiben in ihrem Hof an der Hauptstraße, der Kirchenchor kommt am Kerbsonntag im Museum unter, der Heimat- und Geschichtsverein schenkt wie eh und je sein Dunkelbier am Kerbdienstag vor dem Museum aus. Auf der Strecke bleiben dabei der Musikverein (der bisher die Bewirtung am Sonntag übernahm) und die Sängervereinigung (Montag). Die Alten Herren der Sportvereinigung denken noch über eine Lösung des Dilemmas nach.

Die professionellen Schausteller bleiben an ihrem vertraglich festgelegten Platz: auf der Hauptstraße. „Die Kerb findet statt“, betont Peter Stein (Urberach), der seinen Autoscooter wieder direkt vor der Kirche aufbauen wird. Er weiß aber auch, dass beide Seiten voneinander profitieren: „Es ist natürlich schöner und gemütlicher mit den Vereinen. Jeder Verein zieht seine Leute an. Die Leute fühlen sich eingeladen.“ Eine räumliche Nähe von Vereins- und Schaustellerkerb werde allen Generationen gerecht: „Die Älteren sitzen gemütlich bei ihrem Verein und die Kinder haben bei uns ihren Spaß.“

Es ist jetzt 29 Jahre her, dass man die Kerb wieder in die Ortsmitte geholt hat“, ruft Peter Stein in Erinnerung: „Jetzt ans Bürgerhaus zu gehen, wäre der verkehrte Schritt.“ Der Pächter aller Rodgauer Kirchweihfeste zeigt sich überzeugt, „dass nächstes Jahr wieder alles im Lot ist“. Auch GOW-Vorsitzender Herbert Paul ist optimistisch: „Wir lassen uns nicht unterkriegen und setzen uns zusammen, um für nächstes Jahr eine befriedigende Lösung zu finden. Die Kerb ist ja eine Traditionsveranstaltung und sie ist nur einmal im Jahr.“ Helmut Trageser vom Heimat- und Geschichtsverein spricht ihm aus der Seele und appelliert an alle Kerb-Anwohner: „Ich finde es sehr schade, dass man so eigennützig denkt. Wegen der paar Tage geht doch die Welt nicht unter.“

Quelle: op-online.de

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