Weltreise mit Liebe zum Detail

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Ehrenrettung für die Trööööte - die Clowns Steffi Swoboda (links) und Britta Kockmann entlockten der Vuvuzela melodische Klänge. Die Zuschauerinnen im Saal stimmten begeistert mit ein.

Nieder-Roden ‐ „In Rodgau steht ein Bürgerhaus, da müssen alle Männer raus“: Der umgetextete Hit aus den 80er Jahren ist heute noch einmal beim Kreppelkaffee in Nieder-Roden zu hören. Von Ekkehard Wolf

Für die Kreppelfrauen geht damit ein anstrengendes Pensum zu Ende: Vier mal Fastnacht an vier Tagen – und immer vor ausverkauftem Haus.

„In 80 Tagen um die Welt“ heißt das Motto, dessen Geheimnis erst am Freitag um 19.11 Uhr gelüftet wurde. Die Weltreise aus dem Roman von Jules Verne meistern die Frauen in knapp fünf Stunden: mit viel Humor, mitreißendem Gesang und einer Kostümvielfalt, die ihresgleichen sucht. Zum Auftakt der Fastnachtskampagne haben die Kreppelfrauen die Messlatte hoch gelegt.

Das opulente Angebot fürs Auge gipfelt in einem Finale, für das sich alle Akteurinnen neu einkleiden. Eine Elefantenherde, japanische Geishas, ein chinesischer Drache, Tänzerinnen aus Indien und eine Horde Indianer bevölkern die Bühne – alles Kostüme, die man im Lauf des Abends noch nicht gesehen hat. Wie viele Stunden Näharbeit dafür notwendig waren, fragt man lieber nicht. Und das für 20 Minuten Finale!

Liebe zum Detail verrät die Dekoration. Sie erinnert an das Jahr 1873, in dem der Roman „In 80 Tagen um die Welt“ erschien. Der Elfertisch ist dem britischen Clubraum nachempfunden, in dem es zu der berühmten Wette kam, ob man in 80 Tagen um die Welt reisen könne. Der Elferrat trägt die Mode von 1873. Das Bühnenbild von Yvonne Rebmann findet sein Gegenstück im Saal, den riesige Laternen in eine Bahnhofshalle des 19. Jahrhunderts verwandeln.

Trotz dieser Kulisse spielt das Programm in der Gegenwart. Die Zuschauerinnen erleben unter anderem ein Kochduell, die Ehrenrettung der Vuvuzela-Tröte und handfeste Witze aus einer Klinik. Protokollerin Bettina Hartmann ist fast tagesaktuell, wenn sie von den Würdenträgern in Dudenhofen berichtet: Neben Edelholzkönigin und Frühschoppenpräsident gibt es bei den Nachbarn im Norden neuerdings sogar eine Kerb-Ameise!

Gelungene Büttenreden

Das Motiv des Reisens findet sich in den Tänzen der Kreppelmädels, die alle paar Sekunden ihre Accessoires wechseln, und im Koffertanz auf dem Flughafen. Den schönsten Mann der Welt sucht eine Gesangsgruppe mit vielen deutschen Schlagern: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ – da singt der ganze Saal mit. Nach Italien, Griechenland, USA, Mexiko und dem bibberkalten Russland landen die Frauen wieder zu Hause: Vom alten Hit „Moskau, Moskau“ ist es nur ein kleiner Schritt zu „Rodgau, Rodgau“.

Eine Farb- und Stilberatung, die ihre Klientin in einen Papagei verwandelt: Die Büttenrede von Katja Spahn wird immer wieder von Lachern unterbrochen. Mit einer gelungenen Büttenrede überzeugt auch Maria Schultheis. Auf der Suche nach einem Alterswohnsitz landet sie nicht in der Seniorenresidenz, sondern auf dem Traumschiff „Aida“ – billiger als ein Altenheim, alles inklusive, und manchmal ist auch ein Tänzchen mit dem Käpt’n drin. An die jüngere Generation wenden sich Alisa Rebmann und Melanie Wörner mit ihrer live gesungenen Hitparade: Bei Songs wie „Nein Mann“ und „Elektrisches Gefühl“ spürt man, mit wie viel Spaß sie bei der Sache sind.

Elisabeth I. erlebt Überraschung

Umjubelt ist „Das wahre Rotkäppchen“, ein Märchen der speziellen Art. Mit Schlagertexten erzählt die närrische Theatergruppe von Sprengstoff und Haschisch im Korb, vom Wolf, der einer Rollator-Oma nachsteigt und vom Jäger, der nie trifft. Im Leben geht mancher Schuss daneben…

Musik ist Trumpf auch in der Gesangsgruppe, die „die Wiege der Prinzessin“ besingt. Mit gutem Grund: Rodgau-Prinzessin Elisabeth I. (Ott) hat ihre Wiege bei den Kreppelfrauen in Nieder-Roden. Welche Wiege die echte ist, darüber wird noch gestritten. In einem sind sich die singenden Frauen aber einig: „Nirgends ist es so schee wie beim Kreppelkaffee.“

Eine Überraschung erlebte Elisabeth I. am Samstag, als die Guggemusik der TGS Jügesheim einmarschierte. Mit dabei: Prinz Matthias III.. Passend zum Kreppelmotto entführte die lautstarke Musiktruppe die Gäste auf eine musikalische Weltreise vom Sirtaki bis zu den Drei Chinesen mit dem Kontrabass.

Quelle: op-online.de

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