Wenig Platz für Visionen

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Nachdem Jürgen Hoffmann seinen Amtseid abgelegt hatte, gratulierten Bürger, Politiker, Vereins- und Kirchenleute sowie zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens - hier Ralf Ackermann, der in Jügesheim wohnende Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes - Rodgaus neuem Bürgermeister.

Nieder-Roden ‐ Winno Sahm gratulierte Rodgaus neuem Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) mit den Rolling Stones. „You can‘t always get what you want!“, machte der feingeistige Frontmann der Grünen dem mit viel Vorschusslorbeeren bedachten Hoffmann singend klar, dass selbst ein Wahlsieger in den nächsten sechs Jahren nicht immer alles kriegt, was er sich wünscht. Von Michael Löw

Denn lang war er - der „Wunschzettel“, den Jürgen Hoffmann nach seinem Amtseid am Freitagabend im Bürgerhaus Nieder-Roden vortrug: die im Wahlkampf gegen Amtsinhaber Alois Schwab aufgerissenen Gräben zuschütten, Brücken auch zu den Fraktionen von CDU und CSG bauen, dem Stiefkind Wirtschaftsförderung den gebührenden Platz einräumen, den Rathaus-Mitarbeitern neue Perspektiven geben, die Stadt moderat wachsen lassen, und, und, und...

Doch seine Leitlinien für Rodgau seien „nicht von Ausgabe-Phantasien geprägt“, betonte Hoffmann. Auch in finanziell schwieriger Zeit lasse sich ein Gemeinwesen voran bringen. Nur sei es eben „ein bisschen mühsamer als zu Zeiten voller Kassen“. In knapp 30 Minuten skizzierte Hoffmann seine Vorstellungen eher sachlich analysierend als mitreißend euphorisch. Auch in seiner Regierungserklärung blieb er der Realist, als der er sich im Wahlkampf gegen den parteilosen Schwab und die Christdemokratin Anette Schweikart-Paul präsentiert hatte.

Bilder der Amtseinführung

Amtseinführung von Bürgermeister Jürgen Hoffmann

Visionen tauchten zweimal auf. Die erste nannte Jürgen Hoffmann auch so: „Eine meiner Visionen ist eine Energieversorgung, die die Welt, in der wir leben, nicht zerstört!“ Weg also vom Strom der Großkonzerne, hin zu einer kommunalen Versorgung mit Blockheizkraftwerken. Vision Nummer zwei zu erkennen, blieb Sache des aufmerksamen Zuhörers. Der Nieder-Röder Badesee sei nur zum Schwimmen, Angeln und Kiesabbau zu schade. Jürgen Hoffmann will ihn renaturieren und zu einer Freizeiteinrichtung für alle Bürger machen.

Szenenapplaus erhielt Hoffmann für sein Bekenntnis zum FDP-Stadtrat Michael Schüßler, dessen Wiederwahl die CDU am 4. Juli mit einem Bürgerbegehren verhindern will: „Es würde mich sehr freuen, wenn Michael Schüßler Rodgau auch nach dem Ablauf seiner ersten Amtszeit als hauptamtlicher Stadtrat erhalten bliebe. Wenn wir Rodgau voranbringen wollen, brauchen wir jemanden wie Michael Schüßler!“ Die Erste Stadträtin Hildegard Ripper (CDU) sieht Hoffmann als Bremse auf dem Weg an eine Spitzenposition unter den 13 Kommunen im Kreis. Dennoch hielt er sich mit Kritik an der Kämmerin und Müllabfuhr-Dezernentin zurück.

Auch der abgewählte Bürgermeister Alois Schwab bekam von Hoffmann am Freitagabend allenfalls durch die Blume zu hören, was er in den vergangenen sechs Jahren alles falsch gemacht hat.

Deutlicher wurde da Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikart-Paul: „Es war eine hektische, spannende, lehrreiche, manchmal holprige, manchmal angenehme, manchmal weniger angenehme Zeit“, lautete ihr Resümee. Hoffmanns Wahl mit 132 Stimmen Vorsprung vor Schwab habe einen Wechsel eingeleitet, der den dringend nötigen Neubeginn bedeute.

Das Grußwort der Personalratsvorsitzenden Sabine Fischer wurde zur Generalabrechnung mit dem scheidenden Verwaltungs-Chef - ohne dass der Name Alois Schwab auch nur ein einziges Mal fiel. Die Vertreterin von 550 städtischen Bediensteten wünschte sich, dass die Kollegen wieder Motivation für ihre Arbeit erhalten und in ihren Sorgen und Nöten ernst genommen werden.

Beifall unterbrach die Rede Sabine Fischers, als sie Hoffmann aufforderte eine Unsitte im Rathaus abzustellen: „Lassen Sie nicht länger zu, dass Mitarbeitern in der Öffentlichkeit die Verantwortung für Fehler zugeschrieben wird, die andere gemacht haben!“

Quelle: op-online.de

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